TAV-in-TAV unter CPR bei Acurate Neo Arch-Fraktur

M. Arsalan (Gießen)1, W.-K. Kim (Gießen)1, A. Böning (Gießen)2, S. T. Sossalla (Bad Nauheim)3
1Universitätsklinikum Gießen und Marburg GmbH Medizinische Klinik I - Kardiologie und Angiologie Gießen, Deutschland; 2Universitätsklinikum Gießen und Marburg GmbH Klinik für Herz-, Kinderherz- und Gefäßchirurgie Gießen, Deutschland; 3Kerckhoff Klinik GmbH Kardiologie Bad Nauheim, Deutschland

Hintergrund
Eine 90-jährigen Patientin mit Zustand nach TAVI im Jahr 2020 (Boston Scientific Acurate Neo M) wurde bei kardialer Dekompensation und Stauungspneumonie notfallmäßig aufgenommen.  Die Patientin berichtete zudem von seit zwei Monaten bestehender Belastungsdyspnoe (NYHA III). Echokardiographisch zeigte sich eine schwere strukturelle Klappendegeneration mit hochgradiger Aortenklappeninsuffizienz III*. 

Prozeduraler Verlauf
Intraprozedural erfolgte ein Pigtail-Manöver zur Sicherstellung einer zentralen Passage der Prothese. Hierbei zeigte sich unerwartet ein gebrochener Stabilization Arch der Acurate Neo-Prothese. Durch den Pigtail-Katheter wurde das frakturierte Arch-Fragment disloziert (siehe Bild), woraufhin es zu einem plötzlichen hämodynamischen Kollaps mit angiographisch bestätigter freier Aortenklappeninsuffizienz kam. Umgehend wurde die kardiopulmonale Reanimation (CPR) eingeleitet.

Unter laufender CPR erfolgte, bei einer Drahtlage durch den frakturierten Stabilization Arch, die Implantation einer ballonexpandierbaren Transkatheterprothese (Edwards Sapien 3 ultra 23mm). Nach erfolgreicher Prothesenfreisetzung kam es zur sofortigen hämodynamischen Stabilisierung und Wiederherstellung eines suffizienten Kreislaufs. 

Outcome
Die Extubation gelang noch am selben Abend. Am Folgetag war die Patientin vollständig katecholaminfrei. Sie erholte sich komplikationslos und konnte am 8. postoperativen Tag in stabilem Zustand entlassen werden.

Schlussfolgerung
Dieser Fall dokumentiert eine bislang selten beschriebene intraprozedurale Komplikation bei TAV-in-TAV in die Acurate Neo-Prothese in Form einer Stabilization Arch-Fraktur mit konsekutivem reanimationspflichtigem Kreislaufversagen. Die Überprüfung der zentralen Prothesenpassage mittels Pigtail-Manöver bleibt ein wichtiger prozeduraler Schritt bei dieser Prothese, erfordert jedoch besondere Vorsicht, um eine Dislokation durch Verhaken des Katheters an einem eventuell frakturierten Arch zu vermeiden.