Virtual-Reality-Ablenkung zur Förderung der hämodynamischen Stabilität bei TF-TAVI-Eingriffen

A. Papanikolaou (Essen)1, S. M. Ahsan (Dortmund)2, K. Hellhammer (Essen)3, P. Akhyari (Essen)4, T. Rassaf (Essen)3, A. Lind (Essen)3
1Uniklinikum Essen KARDIOLOGIE Essen, Deutschland; 2Kath. St. Paulus Gesellschaft Klinik für Innere Medizin I Dortmund, Deutschland; 3Universitätsklinikum Essen Klinik für Kardiologie und Angiologie Essen, Deutschland; 4Uniklinikum Essen Thorax- und Kardiovaskuläre Chirurgie Essen, Deutschland

Hintergrund:
Die transfemorale Transkatheter-Aortenklappenimplantation (TF-TAVI) stellt heutzutage die Standardtherapie für ältere und fraile Patient:innen mit hochgradiger Aortenklappenstenose dar. Die Durchführung in Lokalanästhesie kann eine Stressreaktion mit hämodynamischen Veränderungen, insbesondere Tachykardie und erhöhtem Gefäßtonus, auslösen und dadurch die periprozedurale Stabilität beeinträchtigen.

Ziel:
Ziel dieser Studie ist es, zu untersuchen, ob der Einsatz von Virtual-Reality-(VR)-Brillen während TF-TAVI-Eingriffen die periprozedurale Angst reduziert und dadurch zu einer verbesserten hämodynamischen Stabilisierung der Patient:innen beiträgt, insbesondere durch die Reduktion der hypertensiven Krisen sowie des Bedarfs an antihypertensiver Medikation.

Methoden:
Zwischen Juni 2022 und März 2023 wurden an unserem Herzzentrum insgesamt 207 Patient:innen mittels TF-TAVI unter Lokalanästhesie behandelt. In diese retrospektive Beobachtungsstudie wurden 123 Patient:innen eingeschlossen, die die Einschlusskriterien erfüllten. Erfasst wurden die periinterventionelle Angst (STAI-S) und Schmerzintensität (NRS-Skala) sowie hämodynamische Parameter einschließlich Blutdruck, Herzfrequenz und des Bedarfs an medikamentöser Therapie, insbesondere antihypertensiver Medikation. Bei 62 Studienteilnehmenden wurden während des Eingriffs VR-Brillen eingesetzt (VR-Gruppe), während 61 die Standardversorgung erhielten (Kontrollgruppe).

Ergebnisse:
Das mittlere Alter der Studienpopulation betrug 81.3 ± 5.7 Jahre und 52.8 % der Teilnehmenden waren männlich. Die Ausgangscharakteristika waren zwischen den Gruppen vergleichbar. Obwohl keine signifikanten Unterschiede hinsichtlich der Herzfrequenz oder der Veränderungen des systolischen und mittleren arteriellen Blutdrucks festgestellt wurden, zeigte sich in der VR-Gruppe der Einsatz des Antihypertensivums Urapidil signifikant reduziert (38.7 % vs. 60.7 %; p = 0.015), was möglicherweise mit einer geringeren periprozeduralen Stressbelastung assoziiert war (mittlerer Rang: 51.72 vs. 72.45; U = 1253.50; Z = −3.23; p = 0.001).

Conclusion:
Der Einsatz von Virtual-Reality-Brillen während TF-TAVI-Eingriffen stellt eine praktikable und sichere Methode dar. Die gezeigte Assoziation mit geringerer periprozeduraler Stressbelastung und reduziertem Bedarf an antihypertensiver Medikation spricht für einen potenziellen Nutzen im hämodynamischen Management dieser Patient:innen. Weitere prospektive Studien sind erforderlich, um diese Ergebnisse zu bestätigen.