Hintergrund
Nach einer Transkatheter Aortenklappenimplantation (TAVI) spielt die sogenannte kommissurale Ausrichtung (CA) eine wichtige Rolle. Sie beschreibt, wie die implantierte Klappenprothese rotatorisch im Verhältnis zu den natürlichen Kommissuren des Herzens positioniert ist. Anders als beim herkömmlichen chirurgischen Klappenersatz lässt sich diese Ausrichtung bei der TAVI oft nur schwer im Voraus planen mit der Folge, dass es zu Fehlstellungen kommen kann (CMA). Diese können den Zugang zu den Koronararterien erschweren, zukünftige Eingriffe wie Valve in Valve Prozeduren komplizieren und auch wiederholte Herzkathetereinsätze behindern. Gerade bei jüngeren Patientinnen und Patienten, bei denen langfristige Folgeeingriffe wahrscheinlicher sind, gewinnen diese Aspekte zunehmend an Bedeutung. Eine genaue Bildgebung nach dem Eingriff ist deshalb unverzichtbar.
Als Goldstandard gilt bislang die Multidetektor-Computertomographie (CT). Die kardiale Magnetresonanztomographie (CMR) könnte jedoch eine attraktive Alternative sein ,vor allem deshalb, weil sie ohne Röntgenstrahlung und ohne jodhaltige Kontrastmittel auskommt. Belastbare Daten zur diagnostischen Leistungsfähigkeit der CMR in diesem Kontext fehlen bislang allerdings weitgehend.
Methoden
Im Rahmen dieser monozentrischen Beobachtungsstudie wurden bei 20 Patientinnen und Patienten nach TAVI jeweils sowohl eine CT als auch eine CMR Untersuchung nach dem Eingriff durchgeführt und ausgewertet. Bei der Hälfte der Teilnehmenden (n = 10) wurde eine Medtronic Evolut R Prothese eingesetzt, bei der anderen Hälfte eine Boston Scientific ACURATE neo Prothese. Die gemessene kommissurale Ausrichtung wurde in vier Kategorien eingeteilt: ausgerichtet (0°–15°), leicht fehlgestellt (15°–30°), moderat fehlgestellt (30°–45°) und schwer fehlgestellt (45°–60°). Um zu beurteilen, wie gut CT und CMR übereinstimmen, wurden Korrelationsanalysen, lineare Regressionen und Bland Altman Analysen durchgeführt. Ergänzend wurden echokardiographische Parameter der Herzfunktion vor und nach dem Eingriff verglichen.
Ergebnisse
In der CT Auswertung zeigten sich 9 korrekt ausgerichtete, 3 leicht fehlgestellte, 3 moderat fehlgestellte und 5 schwer fehlgestellte Prothesen. Die CMR lieferte sehr ähnliche Ergebnisse. 9 ausgerichtete, 4 leicht fehlgestellte, 2 moderat fehlgestellte und 5 schwer fehlgestellte Prothesen. Beide Verfahren stimmten bei der Beurteilung der kommissuralen Ausrichtung hervorragend überein (r = 0,981; p < 0,001; R² = 0,962). Die Regressionsanalyse ergab eine Steigung von 0,98, was auf eine nahezu identische Messskalierung beider Methoden hindeutet. Die Bland Altman Analyse zeigte lediglich eine geringe systematische Abweichung bei insgesamt moderater Streuung. Besonders hervorzuheben ist, dass alle schwer fehlgestellten Prothesen durch die CMR zuverlässig erkannt wurden ohne dass es zu klinisch relevanten Fehlklassifikationen kam. Zwischen dem CA und den echokardiographischen Herzfunktionsparametern ließen sich hingegen keine bedeutsamen Zusammenhänge feststellen.
Schlussfolgerungen
Die CMR hat sich in dieser Studie als verlässliches Verfahren zur Beurteilung der kommissuralen Ausrichtung nach TAVI erwiesen und zeigt eine sehr hohe Übereinstimmung mit der CT. Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass die CMR insbesondere für Patientinnen und Patienten, bei denen eine Bildgebungsnachsorge nach TAVI notwendig ist , eine sinnvolle strahlen- und kontrastmittelfreie Alternative zur CT darstellen kann.