Dokumentations- und Versorgungsqualität von Nierenfunktionseinschränkungen in einem kardiologischen Patientenkollektiv

L. A. Kneist (Wien)1, M.-L. Straßmeir (Wien)2, A. Niessner (Wien)3
1Klinik Landstrasse 2. Med. Abteilung mit Kardiologie und internistischer Intesivmedizin Wien, Österreich; 2Klinik Landstrasse 2. Med. Abteilung mit Kardiologie und internistischer Intensivmedizin Wien, Deutschland; 3Klinik Landstrasse 2. Med. Abteilung mit Kardiologie und internistischer Intensivmedizin Wien, Österreich

Hintergrund:
Nierenfunktionseinschränkungen sind bei kardiologischen Patient:innen prognostisch relevant. Unklar ist, ob bei stationären Entlassungsprozessen Defizite in strukturierter Diagnosedokumentation und nephroprotektiver Therapieumsetzung bestehen.

Methoden:
In dieser retrospektiven monozentrischen Analyse wurden alle Patient:innen der Jahre 2024 und 2025 eingeschlossen, bei denen eine geschätzte glomeruläre Filtrationsrate (eGFR) und ein Albumin-Kreatinin-Quotient (UACR) vorlagen (n=1926). Die Einteilung in objektive KDIGO-Stadien bei Entlassung erfolgte anhand der zuletzt verfügbaren eGFR- und UACR-Werte. Analysiert wurden die Dokumentation von Nierenfunktionseinschränkungen in den Entlassungsdiagnosen sowie die Verschreibung nephroprotektiver Therapien. Gruppenvergleiche erfolgten anhand jeglicher Form einer dokumentierten Nierenfunktionseinschränkung. Für Therapieanalysen wurden Patient:innen der Stadien G1A1 und G2A1 sowie während des stationären Aufenthalts verstorbene Patient:innen ausgeschlossen (n=1126).

Ergebnisse:
Die Studienkohorte bestand zu 56,7% aus Männern; 66,6% waren älter als 64 Jahre. Insgesamt wurde bei 698 Patient:innen (36,2%) eine Nierenfunktionseinschränkung in den Entlassungsdiagnosen dokumentiert. Die Dokumentationsrate stieg mit zunehmendem objektivem KDIGO-Stadium an, blieb jedoch selbst in Hochrisikokategorien unvollständig (Abbildung 1). Bei Patient:innen mit potenzieller Indikation für nephroprotektive Therapien wurden RAAS-Inhibitoren häufiger verordnet, wenn eine Nierenfunktionseinschränkung dokumentiert war (72,7% vs. 63,3%; p<0,001). Gleiches zeigte sich für SGLT2-Inhibitoren (48,6% vs. 35,2%; p<0,001), die Kombination aus RAAS-Inhibitor und SGLT2-Inhibitor (41,7% vs. 29,3%; p<0,001) sowie für mindestens eine nephroprotektive Therapie (79,6% vs. 69,2%; p<0,001) (Tabelle 1). In multivariablen Analysen waren Diabetes mellitus, arterielle Hypertonie und Herzinsuffizienz unabhängige Prädiktoren einer nephroprotektiven Therapie; fehlten alle drei Erkrankungen, wurde diese signifikant seltener verordnet (OR 0,229; p<0,001).

Schlussfolgerung:
Nierenfunktionseinschränkungen werden in kardiologischen Entlassungsbriefen häufig unzureichend dokumentiert; eine entsprechende Dokumentation ist mit höheren Verschreibungsraten nephroprotektiver Therapien assoziiert. Besonders Patient:innen, bei denen weder Diabetes mellitus, arterielle Hypertonie noch Herzinsuffizienz vorliegen, sollten gezielt identifiziert werden. 

Tabelle 1. Assoziation zwischen Dokumentation einer Nierenfunktionseinschränkung und Verordnung nephroprotektiver Entlassungsmedikation.
Die Werte werden als n (%) angegeben. Die Therapieanalyse umfasste lebend entlassene Patient:innen mit potenzieller Indikation für eine nephroprotektive Therapie; Patient:innen der objektiv klassifizierten KDIGO-Kategorien G1A1 und G2A1 wurden ausgeschlossen. Die p-Werte beziehen sich auf Vergleiche zwischen den Dokumentationsgruppen unter Verwendung des Chi-Quadrat-Tests. 

Variable

Gesamt

n=1126

Keine dokumentierte Nierenfunktionseinschränkung

n=577

Dokumentierte Nierenfunktionseinschränkung

n=549
p-Wert
RAAS-I, n (%)

764 (68)

365 (63)

399 (73)

<0,001

SGLT2-I, n (%)

470 (42)

203 (35)

267 (49)

<0,001

RAAS-I und SGLT2-I, n (%)

398 (35)

169 (29)

229 (42)

<0,001

RAAS-I oder SGLT2-I, n (%)

836 (74)

399 (69)

437 (80)

<0,001