Hintergrund:
Nierenfunktionseinschränkungen sind bei kardiologischen Patient:innen prognostisch relevant. Unklar ist, ob bei stationären Entlassungsprozessen Defizite in strukturierter Diagnosedokumentation und nephroprotektiver Therapieumsetzung bestehen.
Methoden:
In dieser retrospektiven monozentrischen Analyse wurden alle Patient:innen der Jahre 2024 und 2025 eingeschlossen, bei denen eine geschätzte glomeruläre Filtrationsrate (eGFR) und ein Albumin-Kreatinin-Quotient (UACR) vorlagen (n=1926). Die Einteilung in objektive KDIGO-Stadien bei Entlassung erfolgte anhand der zuletzt verfügbaren eGFR- und UACR-Werte. Analysiert wurden die Dokumentation von Nierenfunktionseinschränkungen in den Entlassungsdiagnosen sowie die Verschreibung nephroprotektiver Therapien. Gruppenvergleiche erfolgten anhand jeglicher Form einer dokumentierten Nierenfunktionseinschränkung. Für Therapieanalysen wurden Patient:innen der Stadien G1A1 und G2A1 sowie während des stationären Aufenthalts verstorbene Patient:innen ausgeschlossen (n=1126).
Ergebnisse:
Die Studienkohorte bestand zu 56,7% aus Männern; 66,6% waren älter als 64 Jahre. Insgesamt wurde bei 698 Patient:innen (36,2%) eine Nierenfunktionseinschränkung in den Entlassungsdiagnosen dokumentiert. Die Dokumentationsrate stieg mit zunehmendem objektivem KDIGO-Stadium an, blieb jedoch selbst in Hochrisikokategorien unvollständig (Abbildung 1). Bei Patient:innen mit potenzieller Indikation für nephroprotektive Therapien wurden RAAS-Inhibitoren häufiger verordnet, wenn eine Nierenfunktionseinschränkung dokumentiert war (72,7% vs. 63,3%; p<0,001). Gleiches zeigte sich für SGLT2-Inhibitoren (48,6% vs. 35,2%; p<0,001), die Kombination aus RAAS-Inhibitor und SGLT2-Inhibitor (41,7% vs. 29,3%; p<0,001) sowie für mindestens eine nephroprotektive Therapie (79,6% vs. 69,2%; p<0,001) (Tabelle 1). In multivariablen Analysen waren Diabetes mellitus, arterielle Hypertonie und Herzinsuffizienz unabhängige Prädiktoren einer nephroprotektiven Therapie; fehlten alle drei Erkrankungen, wurde diese signifikant seltener verordnet (OR 0,229; p<0,001).
Schlussfolgerung:
Nierenfunktionseinschränkungen werden in kardiologischen Entlassungsbriefen häufig unzureichend dokumentiert; eine entsprechende Dokumentation ist mit höheren Verschreibungsraten nephroprotektiver Therapien assoziiert. Besonders Patient:innen, bei denen weder Diabetes mellitus, arterielle Hypertonie noch Herzinsuffizienz vorliegen, sollten gezielt identifiziert werden.
Tabelle 1. Assoziation zwischen Dokumentation einer Nierenfunktionseinschränkung und Verordnung nephroprotektiver Entlassungsmedikation.
Die Werte werden als n (%) angegeben. Die Therapieanalyse umfasste lebend entlassene Patient:innen mit potenzieller Indikation für eine nephroprotektive Therapie; Patient:innen der objektiv klassifizierten KDIGO-Kategorien G1A1 und G2A1 wurden ausgeschlossen. Die p-Werte beziehen sich auf Vergleiche zwischen den Dokumentationsgruppen unter Verwendung des Chi-Quadrat-Tests.
| Variable |
Gesamt
n=1126 |
Keine dokumentierte Nierenfunktionseinschränkung
n=577 |
Dokumentierte Nierenfunktionseinschränkung
n=549 |
p-Wert |
| RAAS-I, n (%) |
764 (68)
|
365 (63)
|
399 (73)
|
<0,001
|
| SGLT2-I, n (%) |
470 (42)
|
203 (35)
|
267 (49)
|
<0,001
|
|
RAAS-I und SGLT2-I, n (%)
|
398 (35)
|
169 (29)
|
229 (42)
|
<0,001
|
| RAAS-I oder SGLT2-I, n (%) |
836 (74)
|
399 (69)
|
437 (80)
|
<0,001
|
