Lipoprotein(a)- und LDL‑C‑Testungen bei ASCVD-Patient:innen im deutschen Krankenhaussetting: eine retrospektive Analyse der ASKLEPIOS‑Klinikgruppe Hamburg (2017–2024)

M. W. Bergmann (Hamburg)1, J. Feldhege (Hamburg)2, J. Möller (Nürnberg)3, A. Wartenberg (Nürnberg)3, D. Thieme (Nürnberg)4, M. Biermann (Nürnberg)3, S. Schmidt (Nürnberg)3, A. Ghanem (Hamburg)5, G. Grönefeld (Hamburg)6, B. A. Hoffmann (Hamburg)7, F. Kreidel (Hamburg)8, T. Pörner (Hamburg)9, T. Schmidt (Hamburg)10, S. Willems (Hamburg)11, N. Geßler (Hamburg)11
1Asklepios Klinik Altona Kardiologie und Internistische Intensivmedizin Hamburg, Deutschland; 2Hamburg, Deutschland; 3Nürnberg, Deutschland; 4Novartis Pharma GmbH Forschungsabteilung Nürnberg, Deutschland; 5Asklepios Klinik Nord - Heidberg Abteilung für Kardiologie Hamburg, Deutschland; 6Asklepios Klinik Barmbek I. Med. Abteilung, Kardiologie Hamburg, Deutschland; 7Asklepios Klinikum Harburg I. Medizinische Abteilung, Kardiologie Hamburg, Deutschland; 8Asklepios Klinikum Harburg Hamburg, Deutschland; 9Asklepios Klinik Wandsbek Innere Medizin Kardiologie & Pneumologie Hamburg, Deutschland; 10Asklepios Westklinikum Hamburg Kardiologie Hamburg, Deutschland; 11Asklepios Klinik St. Georg Kardiologie & internistische Intensivmedizin Hamburg, Deutschland

Hintergrund
Die aktuellen europäischen Leitlinien empfehlen die Bestimmung von Lipoprotein (a) (Lp(a)), die Umsetzung in der klinischen Routine ist bisher in Deutschland aufgrund des fragmentierten Gesundheitssystems ambulant/stationär nicht nachvollziehbar. In den 7 Kliniken der Hamburger ASKLEPIOS Gruppe werden knapp 50% der regionalen Patient:innen mit kardiovaskulären Ereignissen betreut. Diese Analyse untersuchte die realen Testhäufigkeiten, Veränderungen der Testraten im Zeitverlauf sowie Patient:innenprofile für LDL-C- und Lp(a)-Bestimmungen bei atherosklerotischen, kardiovaskulären Erkrankungen (ASCVD) sowie strukturelle Faktoren, die die Lp(a)-Testung beeinflussen.

Ziel
Die Identifikation von Einflussfaktoren der Lp(a)-Testung in routinemäßigen Krankenhausabläufen und die Bewertung der Übereinstimmung mit Leitlinienempfehlungen.

Methoden
Es erfolgte eine retrospektive, deskriptiv-epidemiologische Analyse mit pseudonymisierten, aggregierten Krankenakten-Daten von ASCVD-Fällen (2017 bis 2024) in der ASKLEPIOS-Klinikgruppe Hamburg. Diagnosen wurden anhand von ICD-10-Codes identifiziert. Analysiert wurden LDL-C- und Lp(a)-Testraten sowie Lp(a)-Werte im Zeitverlauf und nach Diagnosegruppen, wobei ausschließlich Fälle mit Hauptdiagnose berücksichtigt wurden.

Ergebnisse
Der Datensatz umfasste 285.863 Fälle von 155.389 Patient:innen über verschiedene ASCVD-Entitäten hinweg. Die LDL-C-Testung blieb auf hohem Niveau und nahm über alle Diagnosegruppen hinweg stetig zu, besonders bei der transitorischen ischämischen Attacke, wo die Rate bis 2024 von 2,5 % auf 40,7 % anstieg. Die Lp(a)-Testung steigerte sich nach 2022 insbesondere bei Myokardinfarkt, instabiler Angina und chronisch, ischämischer Herzkrankheit. Konkret nahm die Testung von unter 4% auf 18,5 % der Myokardinfarktpatient:innen im Jahr 2024 zu. Geringe Anstiege wurden bei Patient:innen mit stabiler Angina pectoris beobachtet, andere Gruppen blieben unter 5 % (Abb.1). Trotz steigender Anteile von Lp(a)-Werten bestand aufgrund begrenzter Kodierung weiterhin eine Unterdiagnostik.

Interessant war der Anteil von Patient:innen, die sowohl LDL-C Werte > 70mg/dl als auch erhöhte Lp(a) Werte aufwiesen: 14,6% der Patient:innen bei denen ein Lp(a) Wert bestimmt wurde, wiesen sowohl erhöhte Lp(a) als auch erhöhte LDL-C Werte auf. (Abb.2).

Schlussfolgerung
Die Bestimmung von Lp(a) erfolgte bis 2022 in einer großen ASCVD-Patientenkohorte nur bei < 4% der Patient:innen. Nach Veröffentlichung der ESC Leitlinie stieg der Anteil insbesondere bei KHK Patient:innen auf 18,5% während die LDL-C Bestimmung bei 86% der Patient:innen erfolgte. Mögliche Gründe für diese Unterdiagnostik sind die fehlende Integration in Routinelipidprofile sowie der optionale Status in lokalen Protokollen und Leitlinien. Folglich können Ergebnisse aus früheren Versorgungssituationen vorliegen, sind jedoch während aktueller Hospitalisierungen nicht zugänglich. Bei elektiven Eingriffen kann die Lipiddiagnostik nachrangig sein. Die Durchführung der Lp(a)-Bestimmung variiert je nach zugrunde liegender kardiovaskulärer Erkrankung und erfolgt in bestimmten Subgruppen häufiger, bleibt insgesamt jedoch auch bei Hochrisikopatient:innen selten. Die Risikobewertung unter Einbeziehung der Lp(a)-Messung sollte im Krankenhaussetting stärker verankert werden, da eine Lücke zwischen leitliniengestützter Diagnostik und aktueller klinischer Praxis besteht.