Hintergrund: Herzinsuffizienz (HI) zählt zu den chronischen Erkrankungen mit der höchsten Morbidität und Mortalität [1]. Die cluster-randomisierte kontrollierte Innovationsfondsstudie HI-PLUS (DRKS00031997) untersucht, ob ein erweitertes Case- und Care-Management die Lebens- und Versorgungsqualität von HI-Betroffenen verbessert. Die Intervention beinhaltet eine strukturierte Begleitung durch qualifizierte medizinische Fachangestellte für HI (HI-MFAs), den Einsatz einer eHealth-Plattform für Dokumentation und Telemonitoring sowie eine interdisziplinäre Abstimmung zwischen kardiologischen und hausärztlichen Praxen.
Ziel: Die qualitative Analyse untersucht die Erfahrungen der Patienten der Interventionsgruppe (IG) mit HI-PLUS, einschließlich der wahrgenommenen Versorgungsqualität, der Akzeptanz und der Krankheitsbewältigung. Diese Aspekte werden der Versorgungsrealität in der Regelversorgung und den Erwartungen der Kontrollgruppe (KG) gegenübergestellt.
Methode: In leitfadengestützten Interviews wurden Patienten der IG (n=15, Teilnahme > 6 Monate) und der KG (n=15) befragt. Die Interviews wurden aufgezeichnet, transkribiert und mittels qualitativer Inhaltsanalyse ausgewertet [2].
Ergebnisse: Die IG-Patienten nahmen an HI-PLUS überwiegend aus dem Wunsch nach mehr Sicherheit, engerer Betreuung und einer verbesserten Versorgung teil. Die täglichen Selbstmessungen von Vitalwerten waren für die meisten leicht in den Alltag integrierbar. Infolgedessen berichteten sie von intensiverer Selbstbeobachtung, bewussterem Umgang mit der eigenen Erkrankung sowie Lebensstilanpassungen, wie neuen gesundheitsfördernden Routinen. Zudem entstand durch die regelmäßigen Telefonkontakte zu den Praxen ein erhöhtes Sicherheitsgefühl.
Die Versorgung im Rahmen von HI-PLUS wurde häufig als engmaschiger wahrgenommen als die Regelversorgung. Besonders die Betreuung durch die HI-MFA wurde positiv bewertet, unter anderem aufgrund der regelmäßigen Gespräche, der Unterstützung bei Fragen und der guten Erreichbarkeit. Insgesamt fühlten sich die IG-Patienten gut betreut und in ihren Anliegen ernst genommen. Auch die KG-Patienten waren überwiegend zufrieden mit ihrer Versorgung, berichteten jedoch häufiger von Versorgungslücken durch schlechte Erreichbarkeit von Praxen und lange Wartezeiten auf Folgetermine. Außerdem schilderten sie Kommunikationsprobleme mit Behandelnden, etwa mangelnde Aufklärung und das Gefühl, nicht ernst genommen zu werden.
Die Akzeptanz von HI-PLUS war insgesamt hoch. Fast alle IG-Patienten würden das Versorgungskonzept weiterempfehlen. Viele wünschten sich, die regelmäßigen Messungen und den intensiveren Kontakt zur Praxis langfristig fortzuführen.
Fazit: Die Ergebnisse zeigen eine hohe Akzeptanz von HI-PLUS. Insbesondere die Betreuung durch die HI-MFA, unterstützt durch digitale Selbstmessungen, wurde als entlastend und sicherheitsfördernd wahrgenommen. Die Ergebnisse der KG verdeutlichen bestehende Herausforderungen der Regelversorgung, vor allem bei Erreichbarkeit und Kommunikation. Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass multimodale Versorgungsprogramme, wie HI-PLUS, Versorgungslücken schließen und die Patientenzufriedenheit steigern können.
[1] Ensminger S, Thiele H, Falk V, Rudolph V. Der Deutsche Herzbericht – Update 2024 – Eine Zusammenfassung der wichtigsten Erkenntnisse. Die Kardiologie. 2024;18(6):476-84.
[2] Kuckartz U, Rädiker S. Qualitative Inhaltsanalyse. Methoden, Praxis, Computerunterstützung. Weinheim; Basel: Beltz Juventa; 2022.