Hintergrund:
In der Versorgung chronisch Erkrankter gewinnen digitale Gesundheitslösungen zunehmend an Bedeutung. Sie können das Selbstmanagement der Betroffenen stärken und medizinisches Personal entlasten. Das Potenzial solcher Lösungen bleibt aufgrund unzureichender Adhärenz häufig ungenutzt, was unter anderem auf eine mangelnde Passung zu individuellen Präferenzen und Bedürfnissen zurückgeführt wird. Die INSPIRE-eHealth Studie [1] innerhalb des Projekts iCARE4CVD [2] untersucht die Präferenzen für motivierende Elemente digitaler Adhärenzunterstützung von Menschen mit kardiovaskulärem Risiko oder bestehender Erkrankung. Dabei wird unter anderem analysiert, ob sich die Präferenzen zwischen verschiedenen Personengruppen unterscheiden.
Methode:
In einer hybriden Befragung (online und papierbasiert) wurden die Nutzung digitaler Gesundheitstechnologien, Nutzungsziele und Präferenzen zu Adhärenz fördernden Ansätzen erhoben. Einschlusskriterien waren ein erhöhtes Risiko oder eine bestehende kardiovaskuläre Erkrankung, Alter ≥ 18 Jahre sowie die Fähigkeit zum eigenständigen Ausfüllen des Fragebogens und zur informierten Einwilligung. Teilnehmende wurden über Studienzentren, Selbsthilfegruppen und einen Patientenakquise-Service kontaktiert. Für die Datenanalyse erfolgten eine deskriptive Statistik sowie Gruppenvergleiche (Alter, Geschlecht, Schweregrad der Erkrankung, Herkunftsland, Technologieaffinität, wahrgenommene Unterstützung) mittels Chi-Quadrat-Tests.
Ergebnisse:
703 Teilnehmende (51% weiblich) unterschiedlicher Altersgruppen (< 45 Jahre: 10%; 45-64 Jahre: 45%; >65 Jahre: 45%) vor allem aus fünf Ländern (Belgien: 17, Deutschland: 209, Großbritannien: 287, Irland: 155, Niederlande: 31) wurden eingeschlossen. Die Mehrheit der Befragten (62%, N=644) überprüft den eigenen Gesundheitszustand regelmäßig und viele nutzen Gesundheits-Apps auf dem Smartphone (55%, N=611) oder eine Smartwatch oder Fitnesstracker (52%, N=611). 73% der Befragten (N=585) wünschen sich einen virtuellen Assistenten zur Beantwortung von Fragen. Virtuelle Belohnungen für gesundheitsförderliches Verhalten werden von 49% der Befragten abgelehnt (N=578). Unterschiede nach Herkunftsland zeigen sich beispielsweise in den Zielen bei der Nutzung von Gesundheitstechnologien. Befragte aus Irland verfolgen häufiger das Ziel, einen gesunden Lebensstil fördern zu wollen (χ22=33.50, p<0.001). Im Gegensatz zu den irischen und britischen Befragten haben Befragte aus Deutschland seltener das Ziel, Arztbesuche zu reduzieren (χ22=39.94, p<0.001). Unterschiede zeigen sich auch bei Personen über 65 Jahren, die neben einer selteneren Nutzung von Smartphones mit Gesundheitsapps (χ22=15.21, p=0.001) und Smartwatches (χ22=19.92, p<0.001) auch einen geringeren Wunsch nach virtuellen Belohnungen (χ22=27.02, p<0.001) als die jüngeren Befragten haben.
Fazit:
Es zeigt sich eine grundsätzliche Offenheit gegenüber der Nutzung digitaler Lösungen für das Selbstmanagement im Gesundheitskontext. Während einige Präferenzen, wie der Einsatz eines virtuellen Assistenten, unabhängig von personenbezogenen Faktoren bestehen, weisen Bedarfe und Präferenzen in anderen Bereichen Unterschiede zwischen verschiedenen Personengruppen auf. Die Ergebnisse zeigen damit, dass Präferenzen für digitale Adhärenzunterstützung nicht einheitlich sind, sondern zwischen Personengruppen variieren. Dies unterstreicht die Notwendigkeit einer zielgruppenspezifischen und personalisierten Gestaltung digitaler Gesundheitslösungen.