Lattice-Tip-Katheter-Ablation komplexer Arrhythmien außerhalb von Very-High-Volume-Zentren – Erfolgsraten und Sicherheit an einem nicht-universitären Maximalversorger

N. Horn (Heilbronn)1, M. Hennersdorf (Heilbronn)1
1SLK-Kliniken Heilbronn GmbH, Klinikum am Gesundbrunnen Klinik für Innere Medizin I Heilbronn, Deutschland


Hintergrund:
Der Lattice-Tip-Dual-Energy-Katheter (Sphere-9) mit integriertem 3D-Mappingsystem (Affera) vereint Pulsed-Field- (PFA) und Radiofrequenzablation (RFA) in einem Katheter. Verfügbare Real-World-Daten stammen nahezu ausschließlich aus universitären und/oder Very-High-Volume-Zentren; für Einrichtungen unterhalb dieser Kategorien fehlen größere konsekutive Kohorten. Wir berichten Akutergebnisse eines unselektierten Kollektivs mit hohem Anteil komplexer, vorbehandelter Prozeduren.

Methodik:
Single-Center-Auswertung aller konsekutiven Affera-Prozeduren (12/2024–06/2026) an einem akademischen Lehrkrankenhaus (nicht-universitärer Maximalversorger). Erfasst wurden Patienten- (Tabelle 1) und Prozedurcharakteristika, Energieform, akuter Prozedurerfolg (Erreichen des prozeduralen Endpunkts: PVI bzw. bidirektionaler Block/Terminierung der Zielarrhythmie) und Komplikationen.

Ergebnisse:
Das Kollektiv (130 Prozeduren) war ausgeprägt komplex und mehrfach vorbehandelt: Nur 36,2 % waren Primäreingriffe – davon nur 17,7 % reguläre Primär-PVIs; die übrigen Primäreingriffe (≈18,5 %) wiesen ungewöhnliche bzw. für Single-Shot-Devices ungeeignete Anatomien auf. 63,8 % waren Redo-Eingriffe, davon 27,7 % bereits ein 2.–5. Redo; in 32,5 % erfolgte die Index-Prozedur extern. Index-Arrhythmie war in 62 % persistierendes und 22 % paroxysmales Vorhofflimmern, 10 % atypisches und 4 % typisches Vorhofflattern sowie 2 % fokale atriale Tachykardie; bei 31,5 % lag ≥1 zusätzliche Rhythmusstörung vor. Ablationsort: LA 79,2 %, biatrial 16,2 %, RA 4,6 %. Bei 57,7 % wurde ≥1 zusätzliches Läsionsset angelegt, bei 30,8 % >1 (Verteilung Tabelle 2). Überwiegend kam PFA, bei komplexen Linien und atypischem Flattern PFA/RFA kombiniert zum Einsatz. Alle Pulmonalvenen waren first-pass isoliert. Untersuchungsdauer 107 ± 32 min; Durchleuchtungszeit median 5,2 min (IQR 3,3–8,7); Flächendosisprodukt median 67,5 cGy·cm² (IQR 39,6–128,4). Der akute Prozedurerfolg betrug 99,2 % (129/130; alle Entitäten 100 % außer atypischem Flattern 92,3 %). Komplikationen bei 3,1 % (4/130): je 1 TIA, 1 zum Untersuchungsende stabilisiertes unklares Rechtsherzversagen, 1 Sinusarrest (nur LA-Ablation) und 1 Perikarderguss.

Schlussfolgerung:
Auch außerhalb universitärer und etablierter Very-High-Volume-Zentren lässt sich ein überwiegend komplexes, mehrfach vorbehandeltes Kollektiv – mit hohem Anteil persistierenden Vorhofflimmerns, Mehrfach-Redos und kombinierten Läsionssets – mit dem Lattice-Tip-Dual-Energy-System sicher und mit sehr hoher akuter Erfolgsrate behandeln. Die niedrige Rate regulärer Primär-PVIs (17,7 %) unterstreicht den Komplexitätsgrad. Diese Arbeit stützt die breite Übertragbarkeit über spezialisierte (Very) High-Volume-Zentren hinaus.

Tabelle 1 – Patientencharakteristika (N=130)
Parameter    Wert
Alter, Jahre    68,6 ± 8,7
Männlich, n (%)    82 (63)
BMI, kg/m²    28,1 ± 5,2
LVEF, %    57,3 ± 10,8
CHA2DS2-VA    2,7 ± 1,5
LA-Volumenindex, ml/m²    45,0 ± 17,2
Vorausgeg. Kardioversionen, n    2,0 ± 1,8
Art. Hypertonie, n (%)    92 (70,8)
Herzinsuffizienz, n (%)    74 (56,9)
KHK, n (%)    40 (30,8)
OSAS, n (%)    10 (7,7)


Tabelle 2 – Zusätzliche Läsionssets (n / % von N=130)
Läsionsset    n    %
Posteriore Box    33    25,4
Anteriore Linie    31    23,8
CTI    27    20,8
Fokale Läsion    17    13,1
Dachlinie    7    5,4
Inf. Hinterwand-Linie    4    3,1
Post. Mitrallinie    2    1,5
Individualisierte Box    2    1,5
Individualisierte Linie    1    0,8