Prädiktion atrialer Fibrose vor der Vorhofflimmer-Ablation: ein einfaches präprozedurales Vorhersagemodell

D. Reek (Augsburg)1, J. Lachmaier (Augsburg)1, M. Deiß (Augsburg)2, M. Bartkowiak (Augsburg)1, E. Harmel (Augsburg)2, P. Raake (Augsburg)2, M. Kaspar (Augsburg)3, L. Seidlmayer (Augsburg)1
1Uniklinikum Augsburg 1. Medizinische Klinik Augsburg, Deutschland; 2Universitätsklinikum Augsburg I. Medizinische Klinik Augsburg, Deutschland; 3Uniklinikum Augsburg Digitale Medizin Augsburg, Deutschland

Hintergrund:
Linksatriale Niedervoltage-Areale (LVA) als Ausdruck eines fortgeschritten remodellierten Vorhofs beeinflussen Strategie und Dauer der Vorhofflimmer-(VHF-)Ablation, sind jedoch erst nach elektroanatomischem Mapping bekannt. Ziel war die Entwicklung eines präprozeduralen Modells zur Vorhersage von LVA.

Methoden:
Retrospektive Analyse von 1073 konsekutiven Patienten mit linksatrialer Ablation, welche zwischen Dezember 2021 und Juni 2024 im Universitätsklinikum Augsburg abladiert wurden. In die primäre Analyse gingen Patienten mit durchgeführtem linksatrialem Voltage-Mapping ein (n = 377). Mittels multivariabler logistischer Regression wurde ein Modell aus präprozedural verfügbaren Variablen entwickelt. Die Diskrimination wurde als optimismus-korrigierte AUC, die Kalibrierung über den Kalibrierungs-Slope quantifiziert. Die etablierten Scores DR-FLASH und APPLE wurden als Referenzmodelle in derselben Kohorte evaluiert; eine multiple Imputation (m = 20) fehlender Prädiktoren diente als Sensitivitätsanalyse.

Ergebnisse:
Bei 377 gemappten Patienten lag in 243 (64,5 %) ein LVA vor. Im finalen Modell (Komplettfall n = 234, 156 Ereignisse) waren alle vier Prädiktoren unabhängig assoziiert: dilatierter linker Vorhof (Odds Ratio [OR] 10,6; 95%-KI 5,0–23,7), persistierendes VHF (OR 5,1; 2,3–11,7), weibliches Geschlecht (OR 3,9; 1,7–9,7) und Alter (OR 1,04 pro Jahr; 1,01–1,08). Die Diskrimination war gut (AUC 0,83) bei nahezu idealer Kalibrierung (Slope 0,94) und übertraf den DR-FLASH-Score (AUC 0,71) in dieser Kohorte;
der APPLE-Score zeigte bei kleiner Fallzahl nur eine explorative Trennschärfe (AUC 0,71, n = 39). In einer Sensitivitätsanalyse mit multipler Imputation (m = 20) der gemappten Patienten blieben die Effekte stabil (AUC 0,87); Diabetes mellitus, arterielle Hypertonie und Niereninsuffizienz trugen nicht unabhängig bei. Gemappte Patienten waren systematisch kränker (persistierendes VHF 66,8 % vs. 25,8 %), was auf ein selektives Mapping hinweist.

Schlussfolgerung:
Vier einfache, präprozedural verfügbare Merkmale – allen voran die linksatriale Dilatation – sagen das Vorliegen linksatrialer Niedervoltage-Areale gut vorher und können die Ablationsplanung unterstützen. Eine prospektive Validierung steht aus.