Einleitung
Nach aktueller ESC-Leitlinien-Empfehlung zur Antikoagulation bei Vorhofflimmern sind direkte orale Antikoagulanzien (DOAK) den Vitamin-K-Antagonisten (VKA) in der Prävention thrombembolischer Ereignisse vorzuziehen. Neueste Metaanalysen zeigen einen Vorteil von DOAKs gegenüber VKA auch in der Resolution linksatrialer Thromben. Eine generelle Empfehlung zur Wahl des Antikoagulans bei Nachweis linkskardialer Thromben gibt es aktuell jedoch nicht.
Ziel
Diese Analyse einer Real-World Kohorte soll untersuchen, ob die orale Antikoagulation (OAK) mit DOAKs im Vergleich zu VKA einen Einfluss auf die Effektivität hinsichtlich der Resolution linkskardialer Thromben hat. Weiterhin soll untersucht werden, ob sich das klinische Outcome, insbesondere im Hinblick auf Antikoagulans-assoziierte Komplikationen unterscheidet.
Methoden
Diese retrospektive Analyse schloss alle Patienten unseres Zentrums ein, die in den Jahren 2014-2025 ein Nachweis linkskardialer Thromben mittels Echokardiographie, Computertomographie oder Magnetresonanztomographie hatten. Der primäre Endpunkt umfasste die Effektivität der OAK hinsichtlich Resolution. Sekundäre Endpunkte waren die Dauer bis zur Resolution, sowie Antikoagulans-assoziierte Komplikationen (Major- und Minor-Komplikationen unterteilt nach Bleeding Academic Research Consortium (BARC) Kriterien).
Ergebnisse
Es wurden 309 Patienten mit Nachweis linksatrialer (LA) und linksventrikulärer (LV) Thromben in die Analyse eingeschlossen. LA-Thromben wurden bei 226 (73%) Patienten und LV-Thromben bei 83 (27%) Patienten diagnostiziert. Die Patienten waren im Durchschnitt 71 ±12 Jahre alt und in 62,8% der Fälle männlich.
Die finale OAK erfolgte bei 163 Patienten (53%) mit VKA und bei 146 Patienten (47%) mit DOAKs.
Patienten mit Nachweis linkskardialer Thromben unter bestehender OAK (n=158, 51%) wurden nachfolgend häufiger mit VKA behandelt (37% DOAK vs 63% VKA). Patienten die initial OAK-naiv waren (n=151, 49%), wurden häufiger mit DOAKs therapiert (58% DOAK vs 42% VKA).
Die mittlere Nachbeobachtung betrug 1.172 ±1.096 Tage. Eine Thrombus-Resolution konnte bei 244 (79%) Patienten des Gesamtkollektivs erreicht werden.
Unter DOAK wurde eine Resolution signifikant häufiger als unter VKA erreicht (85% vs 74%, p=0.015). Die Subgruppenanalysen nach Lokalisation sowie nach initialer OAK zeigten jeweils einen konsistenten Trend zugunsten der DOAK-Therapie, ohne dass die statistische Signifikanz erreicht wurde (DOAK vs VKA LA: 87% vs 77% p=0.053 / LV: 79% vs 64% p=0.086) und (DOAK vs VKA initial OAK: 85% vs 76% p=0.29 / Initial keine OAK: 84% vs 72% p=0.076).
Die mittlere Dauer bis zur Resolution betrug 205 ±426 Tage.
Blutungskomplikationen traten bei 18% der Patienten auf (DOAK 16% vs VKA 20% p=0.39). Major-Blutungen traten unter VKA signifikant häufiger als unter DOAKs auf (VKA 14% vs DOAK 5% p=0.014). Die Krankenhausmortalität lag bei 2%, die 1-Jahresmortalität bei 7%, ohne signifikanten Unterschied der OAK-Gruppen.
Zusammenfassung
In dieser Real-World-Kohorte waren DOAKs mit einer signifikant höheren Thrombusresolution und signifikant geringeren Major-Blutungen assoziiert. Die Ergebnisse legen nahe, dass DOAKs in der Antikoagulation linkskardialer Thromben eine gute Therapiemöglichkeit darstellen. Dennoch sollte die Wahl der OAK patientenindividuell und unter Beachtung der Thrombuslokalisation, der Co-Morbiditäten, sowie des jeweiligen Blutungsrisikos getroffen werden.

