Hintergrund:
Bakterielle Superinfektionen können virale Pneumonien komplizieren und ebenso den Verlauf von einer COVID-19-Infektion verschlechtern. Gerade bei schwerkranken, hospitalisierten und antibiotisch vorbehandelten Patienten kann das pulmonale Erregerspektrum durch nosokomiale Einflüsse geprägt sein.
Fragestellung:
Es wurde geprüft, ob die nachgewiesenen Erreger Hinweise auf eine nosokomiale Prägung geben und ob nosokomiale Erreger mit einer superinfizierten COVID-19-Pneumonie als primärer oder sekundärer Todesursache assoziiert waren. Ergänzend wurde untersucht, ob dieses Erregermuster häufiger bei Patienten mit systemischer Glukokortikoidtherapie aufgetreten ist.
Material und Methode:
Es wurde eine retrospektive, autopsiebasierte Beobachtungsstudie durchgeführt. Eingeschlossen wurden 112 verstorbene Patientinnen und Patienten mit gesichertem SARS-CoV-2-Nachweis, die zwischen März 2020 und Oktober 2022 am Städtischen Klinikum Görlitz obduziert wurden. Die mikrobiologischen Nachweise wurden getrennt von der pathologisch-morphologischen Diagnose einer superinfizierten Pneumonie ausgewertet. Als nosokomial bzw. enteral-opportunistisch geprägte Erreger wurden Enterococcus spp., Enterobacterales und Pseudomonas aeruginosa zusammengefasst. Eine systemische Glukokortikoidtherapie während des stationären Aufenthalts wurde erfasst. Hierzu zählten Dexamethason, Prednisolon oder eine Behandlung mit beiden Substanzen.
Ergebnisse:
Polymikrobielle Befunde waren häufig; in 57 von 94 Fällen (60,6 %) wurden zwei oder mehr bakterielle Spezies nachgewiesen. Der häufigste Erreger war Enterococcus faecium mit 53 Fällen (47,3 %), gefolgt von Escherichia coli mit 28 Fällen, Klebsiella pneumoniae mit 12 Fällen und Staphylococcus aureus mit 11 Fällen. In der explorativen Analyse zeigte sich eine statistisch signifikante Assoziation zwischen nosokomial geprägten bakteriellen Erregern und dem kombinierten Endpunkt einer superinfizierten COVID-19-Pneumonie als primärer oder sekundärer Todesursache (79/85 [92,9 %] vs. 20/27 [74,1 %]; OR 4,61; 95%-KI 1,39–15,24; p = 0,014). Auch der Nachweis von Enterococcus faecium war mit diesem kombinierten Endpunkt signifikant assoziiert (51/53 [96,2 %] vs. 48/59 [81,4 %]; OR 5,84; 95%-KI 1,23–27,74; p = 0,018). Eine dokumentierte Glukokortikoidtherapie war ebenfalls signifikant mit dem Nachweis nosokomial bzw. enteral-opportunistisch geprägter bakterieller Erreger assoziiert (53/62 [85,5 %] vs. 32/50 [64,0 %]; OR 3,31; 95%-KI 1,33–8,25; p = 0,014).
Schlussfolgerung:
Nosokomial geprägte Erreger waren in dieser Autopsiekohorte häufig nachweisbar und zeigten eine explorativ signifikante Assoziation mit einer superinfizierten COVID-19-Pneumonie als primärer oder sekundärer Todesursache. Auch eine systemische Glukokortikoidtherapie war mit diesem Erregermuster signifikant assoziiert. Das Muster mit häufigem Enterococcus faecium, enteralen gramnegativen Erregern und polymikrobiellen Befunden passt weniger zu einer klassischen ambulant erworbenen Pneumonie. Im klinischen Alltag sprechen die Befunde für eine frühe, gezielte und wiederholte mikrobiologische Diagnostik, besonders bei respiratorischer Verschlechterung und bei Patienten unter systemischer Glukokortikoidtherapie.

