Perkutane Aspiration der Vegetationen bei bakterieller Endokarditis: Initiale Ergebnisse des Herzzentrums Leipzig

P. Savvinova (Leipzig)1, K. Fengler (Leipzig)2, T. Kister (Leipzig)2, J. Rotta Detto Loria (Leipzig)2, H. Thiele (Leipzig)2, D. Sulimov (Leipzig)2
1Herzzentrum Leipzig - Universität Leipzig Leipzig, Deutschland; 2Herzzentrum Leipzig - Universität Leipzig Klinik für Innere Medizin/Kardiologie Leipzig, Deutschland

Hintergrund:
Embolische Komplikationen bei infektiöser Endokarditis treten bei ca. 25% der Fälle auf. Darüber hinaus stellt eine Vegetationsgröße von >10 mm einen unabhängigen Prädiktor für die Mortalität dar. Eine Operation kommt bei 25–30 % der Patienten aufgrund von Kontraindikationen nicht infrage. Die Mortalität bei solchen Patienten liegt bei bis zu 44 %. Die perkutane Aspiration als weniger invasives Verfahren könnte das Risiko embolischer Ereignisse sowie die Mortalität reduzieren.

Ziel:
Ziel der Arbeit ist die Untersuchung der klinischen Charakteristika, Indikationen, prozeduralen Daten sowie der inhospitalen Ergebnisse von Patienten, bei denen die perkutane Aspiration der Vegetationen bei infektiöser Endokarditis durchgeführt wurde.

Methoden:
In dieses retrospektive, einarmige monozentrische Register wurden alle Patienten eingeschlossen, die innerhalb der letzten fünf Jahre aufgrund einer wahrscheinlichen oder gesicherten infektiösen Endokarditis perkutan behandelt wurden.

Ergebnisse:
Insgesamt wurden 25 Patienten mit 27 Eingriffen in das Register aufgenommen. In zwei Fällen wurde die Prozedur aufgrund eines Rezidivs der Vegetation wiederholt. Das mittlere Alter betrug 63.6 ± 16 Jahre, 44% weiblich. Die häufigste Indikation waren Vegetationen an der Trikuspidalklappe (68 %), darunter drei Patienten mit zusätzlichem Befall intrakardialer Elektroden. In einem Fall fanden sich Vegetationen ausschließlich an den Elektroden. Bei 5 Patienten war die Lokalisation linksseitig. Bei Aufnahme hatten 44 % der Patienten eine Sepsis, zwei Patienten mit septischem Schock. Septische Lungenembolien lagen bei 20 % der Patienten vor, bei 20 % der Patienten wurden Embolien anderer Lokalisationen dokumentiert. Alle Fälle wurden im Heart Team diskutiert; aufgrund des prohibitiv hohen Operationsrisikos wurde gegen Operation entschieden. Alle Eingriffe erfolgten unter transösophagealer oder transthorakaler Echokardiographie. Die mittlere Größe der Vegetationen war 28 ± 24 mm. Vier Eingriffe an der Mitralklappe wurden über einen transseptalen Zugang durchgeführt; Ein Eingriff an Aorten- und Mitralklappe erfolgte über einen transbrachialen arteriellen Zugang. Zur Aspiration der Vegetationen kamen steuerbare Schleusen (8,5–12 F) oder großlumige Katheter (20–24 F) in Kombination mit einer Vakuumaspirationspumpe zum Einsatz. Nach dem Eingriff entwickelte ein Patient eine septische Lungenembolie. Bei zwei Patienten trat ein Rezidiv der Vegetation auf, und bei zwei Patienten kam es zu einer Zunahme der Trikuspidalklappeninsuffizienz. Prozedurbedingte systemische Embolien, insbesondere Schlaganfälle, sowie Zugangswegskomplikationen wurden nicht beobachtet. Die mittlere Dauer der antibiotischen Therapie betrug 40 ± 19 Tage. Die inhospitale Mortalität lag bei 12 % und kein Patient musste chirurgisch operiert werden.

Zusammenfassung:
Die perkutane Aspiration von Vegetationen stellt bei ausgewählten Patienten eine potenziell wirksame Alternative zur chirurgischen Therapie dar. Weitere randomisierte Studien sind erforderlich, um die Patientenselektion zu optimieren und präzise Indikationen für dieses Verfahren zu definieren.