Einschlusskriterien nach MITRA-FR, COAPT oder ADAMO haben keine Vorhersagekraft für den M-TEER – Erfolg an einem Real-World-Kollektiv

D. A. Amador Guevara (Schwandorf)1, R. H. G. Schwinger (Weiden i. d. Oberpfalz)2
1Krankenhaus St. Barbara Schwandorf Kardiologie Schwandorf, Deutschland; 2Kliniken Nordoberpfalz AG Medizinische Klinik II, Kardiologie Weiden i. d. Oberpfalz, Deutschland

Hintergrund:
Während prospektiv-kontrollierte Studien wie COAPT, MITRA-FR und RESHAPE-HF2 den Stellenwert der kathetergestützten Mitralklappenreparatur (M-TEER) im Vergleich zur medikamentösen Therapie definierten, zeigt die MATTERHORN-Studie die Gleichwertigkeit der M-TEER zur chirurgischen Therapieoption. Unklar bleibt, welche Einschlusskriterien den Therapieerfolg einer M-TEER im klinischen Alltag vorhersagen können. Ziel dieser Untersuchung war es daher, die Validität etablierter Selektionskriterien (COAPT, MITRA-FR, ADAMO) im Real-World-Kollektiv eines primärversorgenden Zentrums ohne Herzchirurgie zu analysieren.

Methoden:
Wir analysierten in einer retrospektiven, monozentrischen Untersuchung 166 konsekutive M-TEER-Prozeduren (161 Patienten; 78 ± 7,7 Jahre; 65 % Männer), die zwischen 2015 und 2022 am Klinikum Weiden durchgeführt wurden und stratifizierten nach den Einschlusskriterien der COAPT-, MITRA-FR- und der ADAMO-Kohorte. Neben prozeduralen Parametern, Komplikationsraten und laborchemischen Marker (Kreatinin, NT-proBNP) wurden das NYHA-Stadium und der Prozedurerfolg (MI-Reduktion) sowie die klinische Symptombesserung als Endpunkte definiert.

Ergebnisse:
Die mittlere Eingriffsdauer sank von 140 auf 120 Minuten, einhergehend mit einer Verkürzung des Intensivaufenthalts (8 auf 6 Tage) und der Gesamthospitalisation (20 auf 15 Tage). Die Erfüllung der COAPT-, MITRA-FR- oder ADAMO-Kriterien im Vergleich zum Gesamtkollektiv war weder mit einer stärkeren Reduktion der Mitralinsuffizienz noch mit einem Einfluß auf Symptome oder Labor-Parameter verbunden. Obwohl die vorliegende Studie nicht für eine Überlebensanalyse ausgelegt war, zeigte sich im Verlauf (Ø 1635 Tage) eine signifikant bessere Überlebenswahrscheinlichkeit bei Patienten mit erhaltener Nierenfunktion (Kreatinin ≤ 1,2 mg/dl).  Eine anhaltende symptomatische Besserung wurde von 84 % der befragten Patienten angegeben.

Schlussfolgerung:
M-TEER lässt sich mit hoher Sicherheit  an einem Zentrum ohne herzchirurgische Klinik etablieren. Kein nach Studien vordefiniertes Kriterium (z.B. nach COAPT) zeigte eine relevante Vorhersagekraft für den prozeduralen Erfolg oder die klinische Entwicklung. In Übereinstimmung mit der MITRA-PRO-Studie zeigen diese Real-World-Daten, dass für eine prognostische Einschätzung individuelle Patientencharakteristika und Komorbiditäten – allen voran die Nierenfunktion – nicht aber die Einschlußkriterien nach COAPT, MITRA-FR oder RESHAPE-2 wesentlich sind, um den Therapieerfolg nach M-TEER abzuschätzen.