Hintergrund:
Patienten mit Herzinsuffizienz und reduzierter Ejektionsfraktion (HFrEF) weisen ein erhöhtes Risiko für den plötzlichen Herztod (PHT) auf. Gemäß Leitlinien der European Society of Cardiology (ESC) wird eine ICD-Implantation zur Primärprophylaxe erst nach Optimierung der medikamentösen Therapie (OMT) über 3 Monate und weiterhin bestehender EF < 35 % empfohlen. Die tragbare Defibrillatorweste (LifeVest®; WCD) kann diese vulnerable Phase überbrücken.
Methoden:
Wir führten eine retrospektive Analyse aller mit WCD versorgten Patienten eines kardiologischen Primärzentrums im Zeitraum 01/2013 bis 03/2026 durch. Erfasst wurden Tragedauer, tägliche Tragezeit, Abgabegründe, Schock-Abgaben sowie klinische Verläufe inklusive EF-Verbesserung und ICD-Implantation.
Ergebnisse:
Insgesamt wurden 570 Patienten (ICM, DCM, Myokarditis, etc..) eingeschlossen; die Verordnungszahl stieg über die Jahre kontinuierlich an (2013 9; 2024 57; 2025 79). Die Tragedauer betrug im Mittel 69,5 +/-43 Tage (von 3 und 200 Tagen), bei einer mittleren täglichen Tragezeit von 23,5 h/Tag, d.h. 85,6 % zeigten eine hohe WCD-Adhärenz. Die sehr kurzen Tragedauer fanden sich bei Patienten, die ein „handlingsproblem“ mit der WCD. Es traten 10 Schockabgaben (1,8 % über 13 Jahre) der WCD auf; 4 adäquate Schocks bei 3 Patienten und 6 inadäquate Schocks bei 5 Patienten., d.h. 0,3 % Ereignisprozent über 13 Jahre. Es wurden 163 Patienten (28,6 %) mit ICD versorgt; 285 Patienten (50 %) verbesserten sich mit der EF > 35 % im Zeitraum von 3 Monaten OMT; 8 Patienten (1,4 %) waren ohne aufgezeichnetes Rhythmusereignis verstorben; 28 Patienten (4,9%) lehnten trotz Indikation einen ICD ab. Die OMT (GDMT) veränderte sich über die Jahre, so dass ARNI und SGLT2-Inhibitoren erst nach 2021 signifikant eingesetzt wurden; der Anteil an Medikation mit Diuretika, ACE-I, BB, MRA betrug im Mittel 85%, 65 %, 75 %, 60 %.
Schlussfolgerung:
Die WCD kann effektiv vor SCD schützen, stellte eine sichere Überbrückungsstrategie dar, besitzt eine hohe Akzeptanz und kann über 3 Monate eine sichere Auftitration der OMT nach LL ermöglichen. 50 % der Patienten zeigte eine signifikante Verbesserung der EF über 3 Monate. Die zunehmend verbesserte OMT (ARNI, SGLT2-Inhibitoren, MRA, Vericiguat) dürfte zukünftig zu einer weiteren Reduktion der ICD-Implantationen führen; eine verlängerte Tragezeit und optimiertere Auftitration der OMT könnte zudem Helfen die Implantationszahlen zur Primärprävention weiter zu reduzieren.





