Nach Auftitration der OMT bei HFrEF-Patienten unter WCD-Schutz ist nur bei 2,2 % pro Jahr eine ICD-Implantation zur Primärprohylaxe nötig

M. Eltarahony (Weiden i. d. Oberpfalz)1, R. H. G. Schwinger (Weiden i. d. Oberpfalz)1
1Kliniken Nordoberpfalz AG Medizinische Klinik II, Kardiologie Weiden i. d. Oberpfalz, Deutschland

Hintergrund:
Patienten mit Herzinsuffizienz und reduzierter Ejektionsfraktion (HFrEF) weisen ein erhöhtes Risiko für den plötzlichen Herztod (PHT) auf. Gemäß Leitlinien der European Society of Cardiology (ESC) wird eine ICD-Implantation zur Primärprophylaxe erst nach Optimierung der medikamentösen Therapie (OMT) über 3 Monate und weiterhin bestehender EF < 35 % empfohlen. Die tragbare Defibrillatorweste (LifeVest®; WCD) kann diese vulnerable Phase überbrücken.

Methoden:
Wir führten eine retrospektive Analyse aller mit WCD versorgten Patienten eines kardiologischen Primärzentrums im Zeitraum 01/2013 bis 03/2026 durch. Erfasst wurden Tragedauer, tägliche Tragezeit, Abgabegründe, Schock-Abgaben sowie klinische Verläufe inklusive EF-Verbesserung und ICD-Implantation.

Ergebnisse:
Insgesamt wurden 570 Patienten (ICM, DCM, Myokarditis, etc..) eingeschlossen; die Verordnungszahl stieg über die Jahre kontinuierlich an (2013 9; 2024 57; 2025 79). Die Tragedauer betrug im Mittel 69,5 +/-43 Tage (von 3 und 200 Tagen), bei einer mittleren täglichen Tragezeit von 23,5 h/Tag, d.h. 85,6 % zeigten eine hohe WCD-Adhärenz. Die sehr kurzen Tragedauer fanden sich bei Patienten, die ein „handlingsproblem“ mit der WCD. Es traten 10 Schockabgaben (1,8 % über 13 Jahre) der WCD auf; 4 adäquate Schocks bei 3 Patienten und 6 inadäquate Schocks bei 5 Patienten., d.h. 0,3 % Ereignisprozent über 13 Jahre. Es wurden 163 Patienten (28,6 %) mit ICD versorgt; 285 Patienten (50 %) verbesserten sich mit der EF > 35 % im Zeitraum von 3 Monaten OMT; 8 Patienten (1,4 %) waren ohne aufgezeichnetes Rhythmusereignis verstorben; 28 Patienten (4,9%) lehnten trotz Indikation einen ICD ab.  Die OMT (GDMT) veränderte sich über die Jahre, so dass ARNI und SGLT2-Inhibitoren erst nach 2021 signifikant eingesetzt wurden; der Anteil an Medikation mit Diuretika, ACE-I, BB, MRA betrug im Mittel 85%, 65 %, 75 %, 60 %.

Schlussfolgerung:
Die WCD kann effektiv vor SCD schützen, stellte eine sichere Überbrückungsstrategie dar, besitzt eine hohe Akzeptanz und kann über 3 Monate eine sichere Auftitration der OMT nach LL ermöglichen. 50 % der Patienten zeigte eine signifikante Verbesserung der EF über 3 Monate. Die zunehmend verbesserte OMT (ARNI, SGLT2-Inhibitoren, MRA, Vericiguat) dürfte zukünftig zu einer weiteren Reduktion der ICD-Implantationen führen; eine verlängerte Tragezeit und optimiertere Auftitration der OMT könnte zudem Helfen die Implantationszahlen zur Primärprävention weiter zu reduzieren.