Was sind Anlass und Ziel der Publikation?
Die CT-Angiographie der Koronararterien hat in den letzten Jahren immens an klinischer Relevanz gewonnen: zum einen sind die CT-Systeme besser geworden und dedizierte CT-Systeme zur kardialen Diagnostik bieten eine sehr hohe Orts- und Zeitauflösung. Zum zweiten gibt es eine zunehmende Anzahl klinischer Studien, die den Nutzen der CT-Angiographie in diversen Szenarien nachweisen. Dies hat – zum dritten – dazu geführt, dass es für einige klinische Situationen in Leitlinien der European Society of Cardioloy eine „Klasse I“ – Indikation für die CT-Angiographie der Koronararterien gibt. Dies insbesondere für die Diagnostik der Koronaren Herzerkrankung („Chronisches Koronarsymdrom“) bei geringer bis mittlerer prä-Test-Wahrscheinlichkeit. Auch in der Nationalen Versorgungsleitlinie KHK wird die CT als Methode der Wahl für einige klinische Fragestellungen genannt.
Andererseits lässt sich nicht bei allen Patientinnen und Patienten eine für die Diagnostik ausreichende Bildqualität garantieren, in einigen klinischen Situationen wird die CT-Angiographie explizit nicht empfohlen – zum Beispiel als Screeningverfahren oder bei Patientinnen und Patienten mit implantierten Koronarstents kleinen Kalibers.
Schließlich gibt es einige klinische Situationen, in denen die CT-Koronardarstellung Sinn macht und auch klinische Erfahrung vorliegt, für die aber keine für eine Leitlinienempfehlung ausreichendenden Studiendaten vorliegen – zum Beispiel für die Eingriffsplanung vor minimal-invasiver Bypassoperation.
Vor diesem Hintergrund wurde das Konsensuspapier gemeinsam von Vertreterinnen und Vertretern der Kardiologie und der Herzchirurgie erstellt, um derzeitige Indikationen für die CT-Koronarangographie zusammenfassend dazustellen und klinisch einzuordnen.
Was sind die wichtigsten Take-Home Messages?
- Die CT-Angiographie der Koronararterien ist Methode der Wahl zur Diagnostik bei V.a. KHK mit geringer bis mittlerer prä-Test Wahrscheinlichkeit
- Die CT-Angiographie soll aber nur eingesetzt werden, wenn Patient/innencharakteristika eine uneingeschränkte Bildqualität erwarten lassen
- Die CT-Angiographie der Koronararterien erfordert neben der adäquaten Geräteausstattung (u.a. zumindest 128 Zeilen) besondere Expertise und eine individuelle Vorbereitung der Patientinnen bzw. Patienten
- Insbesondere ist eine Herzfrequenz ≤ 65 Schläge/min, optimal ≤ 60 Schläge/min anzustreben
- Vor aorto-koronarer Bypassoperation ist in aller Regel auch bei pathologischem Befund der CT-Angiographie eine invasive Koronarangiographie erforderlich
- Die CT-Angiographie der Koronararterien kann für die Planung von kardialen Re-Operationen und von minimal-invasiven Bypassoperationen hilfreich sein.
Was sind Herausforderungen bei der Umsetzung und mögliche Lösungen?
Nicht viele Zentren verfügen über ausreichende Expertise. Es gibt zwar eine Vergütung, aber diese ist gering. Im stationären Umfeld ist die CT-Angiographie der Koronararterien nicht vergütungsrelevant.
Welche Punkte sind offengeblieben?
Der Zugang zur CT-Angiographie für nicht-radiologische Fachärztinnen und Fachärzte.
Ausblick: Welche Entwicklungen zum Thema zeichnen sich ab?
Da mittels CT Angiographie nicht nur Stenosen der Koronararterien, sondern bei guter Bildqualität auch nicht-stenosierende atherosklerotische Plaques detektiert werden können, ist die CT-Angiographie ein interessantes „Tool“ zur Risikostratifikation in der Primärprävention. Allerdings fehlen derzeit noch Daten dazu, ab welcher Menge Plaque eine risikomodifizierende Therapie – z.B. medikamentöse Lipidsenkung – die Ereignisrate signifikant senken würde. Entsprechende Studien werden aber kommen, einige kaufen bereits. Dies wird helfen, eine eventuelle Rolle der CT Angiographie auch in der Primärprävention zu klären. Derzeit ist diese Rolle aber noch vollkommen unklar.
Stellenwert der Computertomographie-basierten Angiographie der Koronararterien (koronare CT-Angiographie) für die Kardiologie und Herzchirurgie 2026
Achenbach, S., Smetak, N., Assmann, A. et al.
Stellenwert der Computertomographie-basierten Angiographie der Koronararterien (koronare CT-Angiographie) für die Kardiologie und Herzchirurgie 2026
Kardiologie 2026
https://doi.org/10.1007/s12181-025-00785-1