quick-dive-tauchgang-shutterstock-343349687-32zu9-1920x540

Quick Dive: Stellenwert der koronaren CT-Angiographie

In unserer Reihe "Quick Dive" stellen die Autorinnen und Autoren von Publikationen medizinischer Fachgesellschaften prägnant die wichtigsten Hintergründe und Inhalte der jeweiligen Veröffentlichung vor. Dieses Mal wird eingetaucht in:

Kritische Bewertung der nichtinvasiven CT-Koronarangiographie (CCTA) als neue Leistung der gesetzlichen Krankenversicherungen: Für welche Patienten ist sie zugelassen? Für welche nicht? Was ist zu beachten? – DGK-Stellungnahme

Konsensuspapier der Deutschen Gesellschaft für Kardiologie (DGK) und der Deutschen Gesellschaft für Thorax-, Herz- und Gefäßchirurgie (DGTHG) 

02.02.2026 | Verfasst von: Stephan Achenbach · Norbert Smetak · Alexander Assmann · Hilmar Dörge · Holger Thiele · Jan Gummert · Michaela M. Hell · Tanja K. Rudolph · Torsten Doenst · Volkmar Falk · Christian A. Perings · Jochen Börgermann

Von:

Melissa Wilke

DGK-Redaktion

 

20.04.2026

Bildquelle (Bild oben): vovan / Shutterstock.com

5 Fragen an den Erstautor

Prof. Stephan Achenbach, Universitätsklinik Erlangen

Was sind Anlass und Ziel der Publikation?

 

Die CT-Angiographie der Koronararterien hat in den letzten Jahren immens an klinischer Relevanz gewonnen: zum einen sind die CT-Systeme besser geworden und dedizierte CT-Systeme zur kardialen Diagnostik bieten eine sehr hohe Orts- und Zeitauflösung. Zum zweiten gibt es eine zunehmende Anzahl klinischer Studien, die den Nutzen der CT-Angiographie in diversen Szenarien nachweisen. Dies hat – zum dritten – dazu geführt, dass es für einige klinische Situationen in Leitlinien der European Society of Cardioloy eine „Klasse I“ – Indikation für die CT-Angiographie der Koronararterien gibt. Dies insbesondere für die Diagnostik der Koronaren Herzerkrankung („Chronisches Koronarsymdrom“) bei geringer bis mittlerer prä-Test-Wahrscheinlichkeit. Auch in der Nationalen Versorgungsleitlinie KHK wird die CT als Methode der Wahl für einige klinische Fragestellungen genannt.

 

Andererseits lässt sich nicht bei allen Patientinnen und Patienten eine für die Diagnostik ausreichende Bildqualität garantieren, in einigen klinischen Situationen wird die CT-Angiographie explizit nicht empfohlen – zum Beispiel als Screeningverfahren oder bei Patientinnen und Patienten mit implantierten Koronarstents kleinen Kalibers. 

 

Schließlich gibt es einige klinische Situationen, in denen die CT-Koronardarstellung Sinn macht und auch klinische Erfahrung vorliegt, für die aber keine für eine Leitlinienempfehlung ausreichendenden Studiendaten vorliegen – zum Beispiel für die Eingriffsplanung vor minimal-invasiver Bypassoperation.

 

Vor diesem Hintergrund wurde das Konsensuspapier gemeinsam von Vertreterinnen und Vertretern der Kardiologie und der Herzchirurgie erstellt, um derzeitige Indikationen für die CT-Koronarangographie zusammenfassend dazustellen und klinisch einzuordnen.

 

Was sind die wichtigsten Take-Home Messages?

 

  1. Die CT-Angiographie der Koronararterien ist Methode der Wahl zur Diagnostik bei V.a. KHK mit geringer bis mittlerer prä-Test Wahrscheinlichkeit
  2. Die CT-Angiographie soll aber nur eingesetzt werden, wenn Patient/innencharakteristika eine uneingeschränkte Bildqualität erwarten lassen
  3. Die CT-Angiographie der Koronararterien erfordert neben der adäquaten Geräteausstattung (u.a. zumindest 128 Zeilen) besondere Expertise und eine individuelle Vorbereitung der Patientinnen bzw. Patienten
  4. Insbesondere ist eine Herzfrequenz ≤ 65 Schläge/min, optimal  ≤ 60 Schläge/min anzustreben
  5. Vor aorto-koronarer Bypassoperation ist in aller Regel auch bei pathologischem Befund der CT-Angiographie eine invasive Koronarangiographie erforderlich
  6. Die CT-Angiographie der Koronararterien kann für die Planung von kardialen Re-Operationen und von minimal-invasiven Bypassoperationen hilfreich sein.
Schematische Darstellung der nach derzeitigen Leitlinien empfohlenen Diagnostik bei Patienten mit De-novo-Beschwerden und Verdacht auf das Vorliegen eines chronischen Koronarsyndroms
© Achenbach et al. 2026
Schematische Darstellung der nach derzeitigen Leitlinien empfohlenen Diagnostik bei Patienten mit De-novo-Beschwerden und Verdacht auf das Vorliegen eines chronischen Koronarsyndroms. Die koronare CT-Angiographie spielt hier eine große Rolle, da geschätzt wird, dass etwa 85% der Patienten in die Kategorien der „sehr geringen“ und „geringen“ Wahrscheinlichkeit für das Vorliegen einer obstruktiven koronaren Herzerkrankung einzuordnen sind. 1) Reklassifizierung des Risikos als „sehr gering“ oder „moderat“ auf der Basis des CT-Kalkscores oder eines Belastungs-EKGs. 2) Einsatz der CT-Angiographie gegenüber bildgebender Ischämiediagnostik bevorzugt. Einsatz aber nur dann, wenn aufgrund der Bildqualität uneingeschränkte diagnostische Aussagekraft zu erwarten ist und keine Informationen zu Myokardvitalität oder mikrovaskulärer Erkrankung benötigt werden. 3) Stressechokardiographie, Stresskernspintomographie, Myokardszintigraphie (SPECT) oder Positronenemissionstomographie (PET)

Was sind Herausforderungen bei der Umsetzung und mögliche Lösungen?

 

Nicht viele Zentren verfügen über ausreichende Expertise. Es gibt zwar eine Vergütung, aber diese ist gering. Im stationären Umfeld ist die CT-Angiographie der Koronararterien nicht vergütungsrelevant.

 

Welche Punkte sind offengeblieben?

 

Der Zugang zur CT-Angiographie für nicht-radiologische Fachärztinnen und Fachärzte.

 

Ausblick: Welche Entwicklungen zum Thema zeichnen sich ab?

 

Da mittels CT Angiographie nicht nur Stenosen der Koronararterien, sondern bei guter Bildqualität auch nicht-stenosierende atherosklerotische Plaques detektiert werden können, ist die CT-Angiographie ein interessantes „Tool“ zur Risikostratifikation in der Primärprävention. Allerdings fehlen derzeit noch Daten dazu, ab welcher Menge Plaque eine risikomodifizierende Therapie – z.B. medikamentöse Lipidsenkung – die Ereignisrate signifikant senken würde. Entsprechende Studien werden aber kommen, einige kaufen bereits. Dies wird helfen, eine eventuelle Rolle der CT Angiographie auch in der Primärprävention zu klären. Derzeit ist diese Rolle aber noch vollkommen unklar.

Zur Person

Prof. Stephan Achenbach

Prof. Dr. med. Stephan Achenbach ist Direktor der Medizinischen Klinik 2 - Kardiologie und Angiologie des Universitätsklinikums Erlangen. Seine klinischen und wissenschaftlichen Schwerpunkte sind die interventionelle Kardiologie und die kardiale Bildgebung. Er war Präsident der Society of Cardiovascular CT (2005-2007) und Präsident der European Society of Cardiology (2020-2022). Er ist Mitglied im Vorstand der Deutschen Herzstiftung.

Prof. Dr. Stephan Achenbach Prof. Dr. Stephan Achenbach

Weiter zur vorgestellten Publikation:

Stellenwert der Computertomographie-basierten Angiographie der Koronararterien (koronare CT-Angiographie) für die Kardiologie und Herzchirurgie 2026 

Achenbach, S., Smetak, N., Assmann, A. et al.
Stellenwert der Computertomographie-basierten Angiographie der Koronararterien (koronare CT-Angiographie) für die Kardiologie und Herzchirurgie 2026

Kardiologie 2026
https://doi.org/10.1007/s12181-025-00785-1

 

Kurzinfo: Die Formate der DGK-Publikationen

Leitlinien sind für Ärztinnen und Ärzte eine wichtige Stütze im klinischen Alltag, um ihre Patientinnen und Patienten nach neuestem Stand der Wissenschaft bestmöglich zu behandeln. Dabei dienen die Leitlinien als verlässliche Handlungsempfehlungen in spezifischen Situationen.

Pocket-Leitlinien sind Leitlinien in kompakter, praxisorientierter Form. Bei Übersetzungen von Pocket-Leitlinien der ESC werden alle Empfehlungsklassen und Evidenzgrade der Langfassung übernommen.

Master Pocket-Leitlinien stellen eine Zusammenfassung der wichtigsten Aspekte der Leitlinienempfehlungen in Form von grafischen Diagnose- und Therapiealgorithmen dar. Als Quelle der Empfehlungen dienen dabei vorwiegend die nach strengen wissenschaftlichen Kriterien erstellten Leitlinien der European Society of Cardiology (ESC) sowie deren deutsche Übersetzung durch die DGK.

CardioCards behandeln im Wesentlichen Themen der Diagnostik und Akuttherapie für den ambulanten Bereich. Hier werden die essenziellen Informationen von Leitlinien komprimiert und übersichtlich zusammengefasst.

Kommentare beinhalten Hinweise, wie sich die neuen von den alten Leitlinien unterscheiden, Hinweise auf wesentliche Neuerungen, die seit dem Erscheinen der ESC-Leitlinien bekannt geworden sind, Diskussion kontroverser Empfehlungen in den ESC-Leitlinien sowie Möglichkeiten und Grenzen der Leitlinienumsetzung im Bereich des deutschen Gesundheitswesens.

Ein Positionspapier behandelt eine Fragestellung von großem allgemeinen Interesse, für die keine aktuelle Leitlinie vorliegt.

Bei einem Konsensuspapier handelt es sich um ein von mehreren Fachgesellschaften getragenes Statement.

Diese Veröffentlichungen enthalten Empfehlungen einer DGK-Arbeitsgruppe zu einer speziellen Frage von großem Interesse.

Stellungnahmen der DGK beziehen sich auf gesundheitspolitische Fragestellungen und erfolgen durch den Vorstand, gemeinsam mit Kommissionen und Projektgruppen. Sofern möglich und sinnvoll, werden auch Fachgesellschaft-übergreifende Stellungnahmen ausgearbeitet.

Ein Manual ist eine praktisch orientierte Expertenempfehlung für wesentliche kardiovaskuläre Prozeduren.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentierung der von der DGK endorsten ESC-Guidelines: Neuerungen und Versorgungssituation in Deutschland.

Prof. A. Hagendorff über die Programm-Highlights des Deutschen Echokardiographie-Kongresses der DGK im Juni in Leipzig.

DGK-Jahrestagung 2026 | Postervortrag: Analyse des Outcomes für PRESHOCK-Patientinnen und -Patienten. Von Dr. S. Macherey-Meyer.