Die Herausforderungen in der Echokardiografie liegen nicht nur in der primären Diagnosestellung kardialer Pathologien, sondern immer mehr in der exakten Charakterisierung der jeweiligen Erkrankung mit der genauen Einstufung der konsekutiven funktionellen Beeinträchtigung. Dies spielt unter anderem bei der Beurteilung von Herzklappenfehlern und den daraus folgenden Therapieentscheidungen eine große Rolle. Der Deutsche Echokardiographie-Kongress widmet sich jährlich ausgewählten Schwerpunktthemen und deckt dabei ein breites Spektrum unterschiedlicher Aspekte ab.
Zum Auftakt des Kongresses wurden am Donnerstag in interaktiven Frontal-Präsentationen grundlegende Fragen zu offensichtlichen Diskrepanzen zwischen logischem Handeln und klinischer Realität diskutiert: Ist eine Echokardiografie vor jeder Intervention ein „Kann“ oder „Muss“? Braucht es bei jeder therapiebedürftigen Aortenklappenstenose eine transösophageale Echokardiografie (TEE)? Wie lassen sich unterschiedliche Formen der Myokardischämie konventionell erkennen? Was charakterisiert eine chronische asymptomatische relevante Mitralklappeninsuffizienz? Und ist eine Volumenbelastung bei sekundärer Mitralklappeninsuffizienz die adäquate Methode zur Schweregradbestimmung?
Die Kongresstage am Freitag und Samstag standen gleichermaßen im Zeichen der praxisorientierten Fortbildung und des wissenschaftlichen Austauschs. Während der Fortbildungstrack „Standards und Basics“ mit nahezu allen wichtigen Themen der Echokardiografie auf außerordentlich großes Interesse stieß, wurden in den parallelen wissenschaftlichen Sitzungen aktuelle praxisrelevante Fragestellungen diskutiert.
Eine besonders spannende und diskussionsreiche Sitzung widmete sich der Frage „Echokardiografie: quo vadis“ und der Rolle der strukturierten Echokardiografie im Zeitalter der künstlichen Intelligenz (KI). Neben den Vorteilen der KI bei automatisierten Messungen, der verbesserten Reproduzierbarkeit und der daraus resultierenden Zeitersparnis wurde insbesondere vor dem sogenannten Deskilling-Effekt gewarnt. Dieser beschreibt den Verlust fachlicher Expertise bei Anwendenden, die sich zunehmend auf KI-Algorithmen verlassen – auch weil computergenerierte Einschätzungen häufig ungeprüft übernommen und überschätzt werden.
Einen weiteren Schwerpunkt bildeten kontroverse Fragen der Klappenvitien. In einer Pro-und-Contra-Sitzung wurde der optimale Zeitpunkt der Therapieeinleitung bei asymptomatischer hochgradigen sowie moderaten Aortenklappenstenose aus Sicht der Bildgebung diskutiert. Einigkeit bestand darin, dass eine möglichst präzise Risikostratifizierung mithilfe bildgebender Verfahren, insbesondere der Echokardiografie, entscheidend ist, um den optimalen Zeitpunkt für eine Intervention weder zu früh noch zu spät zu wählen.
Weitere Themenschwerpunkte bildeten die TEE in der Routinediagnostik – unter anderem bei der Suche nach kardialen Emboliequellen, bei Endokarditisverdacht sowie zur Abklärung der Mitralklappenpathologie bei Mitralklappeninsuffizienz – und ihre zentrale Rolle im interventionellen Umfeld bei Mitral- und Trikuspidalklappeninterventionen. Das Timing der Baseline-Untersuchung, Dokumentationsnotwendigkeiten zur Objektivierung des Therapieerfolges und die zeitliche Abfolge von Nachkontrollen standen im Fokus.
Ein besonderer Höhepunkt des diesjährigen Kongresses war die Ehren-Lecture von Prof. Philippe Unger aus Brüssel. Der internationale renommierte Experte sprach über die Thematik der kombinierten Aortenklappenstenose und Aortenklappeninsuffizienz, einem seiner wissenschaftlichen Schwerpunkte, und präsentierte aktuelle Erkenntnisse zur echokardiografischen Diagnostik. Die wesentliche Botschaft war die Beurteilung dieses Klappenfehlers über die Flussrate, sodass bei isoliert moderater Schweregradbeurteilung der Einzelkomponenten deren Kombination besser als signifikant hochgradig eingestuft werden kann.
Da die Entwicklung des Fachgebiets mit den vielfältigen technischen und methodischen Möglichkeiten zur Diagnostik, Therapieplanung und Prognoseabschätzung rasant voranschreitet und dabei weiterhin die notwendigen praktischen Fertigkeiten sowie eine breite Verfügbarkeit der Methode notwendig sind, bleibt eine kontinuierliche Weiterbildung im Bereich der Echokardiografie unabdinglich.
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