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Nicht-diabetische Personen mit HFpEF profitieren von Sotagliflozin

DGK-Jahrestagung 2026 | SOTA-P-CARDIA: Erstmals zeigt eine randomisierte Studie, dass der duale SGLT1/2-Inhibitor Sotagliflozin auch bei nicht-diabetischen Patientinnen und Patienten mit HFpEF sicher und sehr wirksam ist. Darüber hinaus liefert die SOTA-P-CARDIA-Studie eine plausible Erklärung für die in früheren Outcome-Studien beobachteten längerfristigen klinischen Vorteile hinsichtlich Hospitalisierungshäufigkeit und Überleben. Prof. Christiane E. Angermann (Universitätsklinikum Würzburg) präsentierte die Daten und berichtet.1

 

Prof. Nikolaus Marx (Universitätsklinikum Aachen) kommentiert.

Von:

Prof. Christiane E. Angermann

Universitätsklinikum Würzburg

 

Expertenkommentar:

Prof. Nikolaus Marx

Universitätsklinikum Aachen

 

14.04.2026

Bildquelle (Bild oben): m:con / Ben van Skyhawk

SGLT2-Inhibitoren sind heute fester Bestandteil der Herzinsuffizienztherapie: Sie senken die kardiovaskuläre Sterblichkeit und Hospitalisierungen über das gesamte Spektrum der linksventrikulären Ejektionsfraktion (LVEF) hinweg. Allerdings zeigte sich in großen Studien ein Trend zu umso geringerem klinischen Nutzen, je höher die LVEF der teilnehmenden Personen war.1-3 

 

Sotagliflozin ist ein dualer Inhibitor der Natrium-Glukose-Cotransporter SGLT1 und SGLT2 und unterscheidet sich von anderen Substanzen dieser Klasse durch eine stärkere SGLT1-Hemmung – ist also weniger selektiv. Als dualer SGLT1/2-Inhibitor konnte die Substanz in zwei großen Studien – SOLOIST-WHF (Effect of Sotagliflozin on Cardiovascular Events in Patients With Type 2 Diabetes Post Worsening Heart Failure) und SCORED (Effect of Sotagliflozin on Cardiovascular and Renal Events in Patients With Type 2 Diabetes and Moderate Renal Impairment Who Are at Cardiovascular Risk) – die klinischen Outcomes bei Patientinnen und Patienten mit Herzinsuffizienz und Diabetes deutlich verbessern, und zwar unabhängig von der LVEF.4,5

 

Allerdings ließen die Studienergebnisse eine wichtige Frage offen: Beide Untersuchungen schlossen ausschließlich diabetische Patientinnen und Patienten ein – und nur wenige Studienteilnehmenden hatten HFpEF. Ob die beobachteten Vorteile auch für nicht-diabetische Personen gelten, und wie ausgeprägt Personen mit HFpEF profitieren, war also bislang unklar.


Hier setzte die SOTA-P-CARDIA-Studie an (Sotagliflozin in Heart Failure With Preserved Ejection Fraction Patients): Sie untersuchte erstmals gezielt den Einsatz von Sotagliflozin bei nicht-diabetischen HFpEF-Patientinnen und Patienten (LVEF>50 %). Darüber hinaus zielte die Studie darauf ab, mechanistische Zusammenhänge besser zu verstehen – anhand von multiplen prognostisch relevanten Surrogatmarkern, die die Effekte der dualen SGLT1/2-Hemmung erklären könnten. 

Studiendesign

In diese Investigator-initiierte, prospektive, randomisierte, doppelblinde und Placebo-kontrollierte Phase-4-Studie wurden 88 symptomatische, nicht-diabetische ambulante Patientinnen und Patienten mit HFpEF (LVEF>50 %) eingeschlossen. Die Randomisierung erfolgte 1:1 zu Sotagliflozin (400 mg, 1x täglich) oder Placebo zusätzlich zur leitliniengerechten Standardtherapie.


Primärer Endpunkt war der Unterschied in der Veränderung der linksventrikulären Masse mittels kardialer Magnetresonanztomographie (CMR) in den Studienarmen nach 6 Monaten Therapie. Sekundäre Endpunkte umfassten die linksatriale Größe als Indikator der Kongestion, echokardiografische Parameter der diastolischen Ventrikelfüllung, kardiometabolische Biomarker, körperliche Leistungsfähigkeit (6-Minuten-Gehtest) sowie gesundheitsbezogene Lebensqualität (KCCQ-12).

Ergebnisse

Von 88 randomisierten Patientinnen und Patienten schlossen 72 die Studie ab – etwas mehr, als in der Fallzahlschätzung angenommen (Sotagliflozin n=38, Placebo n=34). Das Durchschnittsalter lag bei 76 Jahren, rund 70 % waren Frauen. Die mittlere Ejektionsfraktion lag in beiden Gruppen jeweils über 60 %. Die Therapie wurde insgesamt gut vertragen. Sicherheitsprobleme traten nicht auf. Die Patientinnen und Patienten hatten eine hohe Belastung mit Komorbidditäten, z. B. hatte ca. ein Drittel eine Anämie.


Sotagliflozin führte zu einer signifikanten und deutlichen Reduktion der linksventrikulären Masse im Vergleich zu Placebo (–14,25 g; 95%KI [–19,08; –9,42]; p<0,001). Damit zeigte sich erstmals in dieser Population ein klar messbarer Hinweis auf eine Rückbildung kardialer Strukturveränderungen. Die Effekte waren dabei nicht auf diesen Parameter beschränkt, sondern waren über nahezu alle untersuchten Domänen konsistent: verbesserte diastolische Funktion (E/e’-Ratio); geringeres linksatriales Volumen als Hinweis auf sinkende Füllungsdrücke; sinkende NT-proBNP-Werte als Zeichen reduzierter kardialer Belastung; gesteigerte körperliche Leistungsfähigkeit (6-Minuten-Gehtest); bessere Lebensqualität im KCCQ-12. Last, but not least kam es zu günstigen metabolischen Veränderungen, wie einer Abnahme des Körpergewichtes und des HbA1c-Wertes (innerhalb des Normbereichs) und zu einer deutlichen Abnahme der Prävalenz von Anämie durch Aktivierirung der Hämatopoiese. 

Fazit

In dieser Kohorte symptomatischer, nicht-diabetischer HFpEF-Patientinnen und -Patienten war Sotagliflozin über 6 Monate gut verträglich und führte zu multiplen kardiometabolischen Vorteilen. Dazu zählen eine Verbesserung der kardialen Struktur und diastolischen Funktion, eine Reduktion der kardialen und systemischen Kongestion, eine gesteigerte körperliche Leistungsfähigkeit sowie eine verbesserte gesundheitsbezogene Lebensqualität. Darüber hinaus lieferten die beobachteten Veränderungen etablierter Surrogatmarker der Prognose eine plausible mechanistische Erklärung für die in klinischen Outcome-Studien beschriebenen prognostischen Benefits von Sotagliflozin.


Eine Einschränkung bleibt, dass die sehr positiven Ergebnisse in einer mäßig großen monozentrischen Studie gewonnen wurden; ihre Generalisierbarkeit sollte daher durch größere, prospektiv und multizentrisch durchgeführte Studien noch bestätigt werden. Besonders interessant und wichtig ist es natürlich, die Frage zu klären, ob die duale SGLT1/2-Hemmung gegenüber einer selektiven SGLT2-Inhibition bei HFpEF wirklich einen inkrementellen klinischen Nutzen bietet, wie die Ergebnisse der SOTA-P-CARDIA-Studie nahezulegen scheinen.

Expertenkommentar

Der kombinierte SGLT1- und SGLT2-Inhibitor Sotagliflozin ist bislang nur in klinischen Studien bei Menschen mit Typ-2-Diabetes untersucht. Hier hat Sotagliflozin eine Klasse-1-Indikation zur Reduktion des kardiovaskulären Risikos bei Menschen mit Typ-2-Diabetes und atherosklerotischer Gefäßerkrankung sowie bei Typ-2-Diabetes und Herzinsuffizienz in der 2023 ESC-Leitlinie zur Management kardiovaskulärer Erkrankungen bei Patientinnen und Patienten mit Diabetes.

 

Die jetzt vorgestellte, sehr gut geplante und durchgeführte Studie stellt erstmals Ergebnisse in einem HFpEF-Kollektiv ohne Diabetes vor. Hier konnte Sotagliflozin zu einer deutlichen Reduktion der linksventrikulären Masse sowie zu einer Verbesserung des 6-Minute-Walk-Tests und des KCCQ-Symptomscores führen. Das Ausmaß der Verbesserung dieser Parameter liegt über der sonst für selektive SGLT2-Inhibitoren beobachteten Wirkung. Mendelian-Randomisation-Analysen legen nahe, dass eine Funktionseinschränkung des SGLT1-Rezeptors günstige Effekte in Bezug auf die Herzinsuffizienz haben könnten.6 Inwieweit dies die beobachtenden Effekte aus der SOTA-P-CARDIA-Studie erklärt, bleibt offen. Ferner müssen klinische Endpunktstudien zeigen, ob sich der hier günstige Effekt von Sotagliflozin auf Surrogatparameter translatiert in eine Reduktion kardiovaskulärer Endpunkte.

Zur Person

Prof. Christiane E. Angermann

Prof. Christiane E. Angermann entwickelte als C3-Professorin für Klinische Forschung in der Kardiologie am Uniklinikum Würzburg das multidisziplinäre Disease Management Programm (HeartNetCare-HF). Sie leitete die MEMS-HF-Studie und war 2010 Mitgründerin des DZHI in Würzburg. Neben Telemedizin und Versorgungsforschung sind Prävention der Herzinsuffizienz, Multimorbidität und Interaktionen zwischen Herz, Hirn und Psyche ihre Forschungsschwerpunkte.
Prof. Christiane Angermann

Zur Person

Prof. Nikolaus Marx

Prof. Nikolaus Marx ist als Direktor der Klinik für Kardiologie, Angiologie und Internistische Intensivmedizin am Universitätsklinikum Aachen tätig. Seine fachlichen Zusatzqualifikationen erwarb er in den Bereichen Interventionelle Kardiologie, Herzinsuffizienz sowie Kardiovaskuläre Intensiv- und Notfallmedizin.
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Key Facts der Studie

Randomisierte Phase-4-Studie zur Untersuchung der Wirksamkeit und Sicherheit von Sotagliflozin bei nicht-diabetischen Patientinnen und Patienten mit HFpEF.

Sotagliflozin führte zur signifikanten Reduktion der linksventrikulären Masse vs. Placebo. Darüberhinaus verbesserten sich diastolische Funktion (E/e’-Ratio), linksatriales Volumen, NT-proBNP, 6-Minuten-Gehtest und Lebensqualität. Außerdem wurden Körpergewicht, HbA1c-Werte und Anämie-Prävalenz reduziert.

Sotagliflozin war bei nicht-diabetischen HFpEF-Patientinnen und -Patienten über 6 Monate gut verträglich und führte zu multiplen kardiometabolischen Vorteilen. Die Generalisierbarkeit der Daten muss allerdings durch größere multizentrische Studien bestätigt werden.

Referenzen

  1. Borlaug BA et al. Heart failure with preserved ejection fraction: current management and future directions. J Am Coll Cardiol. 2023;81:1810–1834.
  2. McDonagh TA et al. 2021 ESC Guidelines for the diagnosis and treatment of acute and chronic heart failure. Eur Heart J. 2021;42:3599–3726.
  3. McDonagh TA et al. 2023 focused update of the ESC Guidelines for the diagnosis and treatment of acute and chronic heart failure. Eur Heart J. 2023;44:3627–3639.
  4. Bhatt DL et al. Sotagliflozin in patients with diabetes and recent worsening heart failure. N Engl J Med. 2021;384:117–128.
  5.  Bhatt DL et al. Sotagliflozin in patients with diabetes and chronic kidney disease. N Engl J Med. 2021;384:129–139.
  6. Seidelmann SB et al. Association of body mass index with all-cause mortality among adults with incident cardiovascular disease. J Am Coll Cardiol. 2018;72(15):1763–1773. 

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