Die Herzinsuffizienz mit erhaltener Ejektionsfraktion (HFpEF) ist die häufigste Form der Herzinsuffizienz, medikamenten-basierte Behandlungsoptionen bleiben jedoch weiterhin eingeschränkt. Körperliches Training kann zahlreiche Pathologien der HFpEF verbessern, u.a. die Endothelfunktion, die Funktion der Skelettmuskulatur und deren Metabolismus. Allerdings fehlen bisher große klinische Studien zu den Effekten von Ausdauer- und Krafttraining bei HFpEF. Die Ex-DHF (Exercise training in Diastolic Heart Failure)-Studie untersuchte deshalb die Wirksamkeit von körperlichem Training bei HFpEF erstmals in einer ausreichend großen Population mit langer Interventionszeit.
Ex-DHF randomisierte 322 Patientinnen und Patienten mit Herzinsuffizienz und erhaltener Pumpfunktion mit eingeschränkter körperlicher Belastbarkeit (NYHA-Stadium II oder III) zu entweder einem kombinierten Ausdauer-/Krafttraining oder der aktuellen Standardtherapie an 11 Studienzentren in Deutschland und Österreich. Das betreute Training bestand im ersten Monat aus Fahrradergometerfahren über 30 Minuten an 3 Tagen/Woche und wurde im Verlauf der Studie auf 3 x 60 Minuten/Woche gesteigert. Nach 4 Wochen wurde zusätzlich ein Krafttraining für die großen Muskelgruppen integriert.
Der primäre Endpunkt der Studie war ein klinischer kombinierter Endpunkt, der „modifizierte Packer Score“, nach 12 Monaten, in den die 6 Komponenten Mortalität, Hospitalisierung wegen Herzinsuffizienz oder Training, die maximale Belastbarkeit als maximale Sauerstoffaufnahme, die diastolische Herzfunktion in der Echokardiogaphie (gemessen als E/e´), die subjektive Belastbarkeit (NYHA-Klasse) und die globale Selbsteinschätzung der Lebensqualität eingingen. Der primäre Endpunkt war in den beiden Studienarmen nicht unterschiedlich, aber es zeigte sich eine signifikante Verbesserung der subjektiven (NYHA-Klasse) und objektiven körperlichen Belastbarkeit (maximale Sauerstoffaufnahme).
Die im Vergleich zu früheren Studien lange Interventionsdauer von einem Jahr zeigte ein wesentliches Problem auf: Nur 38 % der Teilnehmenden trainierten im Mittel 2x/Woche oder häufiger. Nahmen die Patientinnen und Patienten hingegen regelmäßig am Training teil, zeigten diese eine deutliche Verbesserung der maximalen Sauerstoffaufnahme und auch einen verbesserten Packer Score.
Die Studie wurde von der Deutschen Forschungsgemeinschaft im Programm klinische Studien gefördert. Die primär verantwortlichen Wissenschaftler sind: Prof. Frank Edelmann (Charité Berlin), Prof. Rolf Wachter (Universitätsmedizin Leipzig), Prof. Burkert Pieske (Universitätsmedizin Rostock) und Prof. Martin Halle (Technische Universität München). Die Studienergebnisse wurden am 2. Januar 2025 in Nature Medicine publiziert (Nat Med 2025. Doi:10.1038/s41591-024-03342-7.)1
Die Ex-DHF Studie ist eine äußerst wichtige und hochrangig publizierte randomisierte Untersuchung zum strukturierten körperlichen Training bei HFpEF. Positive Effekte wurden beobachtet, insbesondere wenn die Patientinnen und Patienten eine gewisse Adhärenz aufwiesen. Die Studie zeigt aber auch, wie schwer es ist, Patientinnen und Patienten zu dauerhafter körperliche Aktivität zu bringen: Obwohl ein für HFpEF eher junges Patientenkollektiv (mittleres Alter 70 Jahre) mit dem offensichtlichen Willen zu körperlicher Aktivität randomisiert wurde, hielten nach 12 Monaten weniger als die Hälfte der Patientinnen und Patienten noch wenigstens 2 Trainings pro Woche durch. Etwas unklar verbleibt zudem die numerisch höhere Zahl von Hospitalisierungen in der Trainingsgruppe - vermutlich sollte dies nicht überbewertet werden, da kein signifikanter Unterschied bestand.
Zusammengefasst sollte bei Patientinnen und Patienten mit HFpEF sicherlich eine optimierte medikamentöse Therapie mit SGLT2-Hemmern zur Verbesserung der Prognose (insbesondere Senkung von Herzinsuffizienz-Hospitalisierungen und Trend für Senkung des kardiovaskulärem Tods) und mit Diuretika zur Verbesserung der Symptomatik angestrebt werden. Positive Daten (Reduktion von Herzinsuffizienz-Hospitalisierungen und Trend bezüglich kardiovaskulärem Tod) existieren ebenfalls für den nicht-steroidalen MRA Finerenon. Körperliche Aktivität konnte in Ex-DHF zwar nicht die Mortalität oder Hospitalisierungen senken (dazu war die Patientenzahl auch nicht groß genug), aber die verbesserte körperliche Belastbarkeit ist sicherlich ein starker Grund, unseren HFpEF-Patientinnen und -Patienten neben der medikamentösen Therapie ein körperliches Ertüchtigungsprogramm ans Herz zu legen.
Edelmann F et al. Combined endurance and resistance exercise training in heart failure with preserved ejection fraction: a randomized controlled trial. Nat Med. 2025 Jan 2. doi: 10.1038/s41591-024-03342-7. Epub ahead of print. PMID: 39747684.