Inflammation verstärkt den oxidativen und nitrosativen Stress, die Gewebefibrose sowie Anomalien der Muskulatur und trägt als zentraler Pathomechanismus zur Progression der Herzinsuffizienz (HI) bei. Hochsensitives C-reaktives Protein (hsCRP) ist ein etablierter Biomarker für das Entzündungsrisiko. Erhöhte hsCRP-Werte (≥2 mg/l) wurden mit ungünstigen Outcomes bei HI mit erhaltener Ejektionsfraktion (HFpEF) in Verbindung gebracht. Aktuelle Daten einer gepoolten Analyse von randomisierten Studien (SELECT, SOUL und FLOW) zeigten, dass rund die Hälfte der Patientinnen und Patienten mit HI erhöhte hsCRP-Werte aufwies.3 Allerdings handelte es sich hierbei um ein selektioniertes Kollektiv. Darüber hinaus blieben die Unterschiede zwischen den Subtypen HFpEF/HFmrEF und HFrEF unklar.
In die globale, prospektive Real-World-Studie POSEIDON wurden zwischen 2023 bis 2025 insgesamt 18.904 Patientinnen und Patienten mit Atherosklerose (ASCVD) oder HI von 317 Zentren aus 18 Ländern eingeschlossen. In dieser Subgruppenanalyse wurden ausschließlich Daten von Personen mit HI untersucht, stratifiziert nach HFpEF (LVEF ≥50 %), HFmrEF (LVEF 41–49 %) und HFrEF (LVEF ≤40 %). Zu den wichtigsten Einschlusskriterien gehörten: HI-Diagnose laut Krankenakte, NYHA-Klasse II–IV und echokardiografische LVEF-Messung innerhalb der letzten 12 Monate. Zu den wichtigsten Ausschlusskriterien zählten Hospitalisierungen oder ungeplante Arztbesuche sowie klinische Anzeichen oder Verdacht auf eine aktive Infektion innerhalb der letzten 60 Tage. Primärer Endpunkt war die Prävalenz erhöhter hsCRP-Werte (≥2 mg/l). Sekundäre Endpunkte umfassten die Interleukin-(IL)-6- und NT-proBNP-Spiegel, jeweils stratifiziert nach HFpEF, HFmrEF und HFrEF.
Insgesamt wurden 11.809 Personen mit HI eingeschlossen mit folgenden Baseline-Charakteristika:
- HFpEF (n=3.737): mittleres Alter 73,0 Jahre; 40,9 % Frauen
- HFmrEF (n=2.190): mittleres Alter 69,0 Jahre; 27,0 % Frauen
- HFrEF (n=1.397): mittleres Alter 68,0 Jahre; 23,4 % Frauen
Erhöhte hsCRP-Werte (≥2 mg/l) lagen bei rund 40 % der Personen aller 3 Subgruppen vor (38,8 % HFpEF, 38,1 % HFmrEF und 38,2 % HFrEF). Der mediane hsCRP-Wert unterschied sich nicht signifikant zwischen den 3 Subgruppen (jeweils 1,33 mg/l; 1,26 mg/l und 1,28 mg/l; p=0,102). Personen mit erhöhten hsCRP-Werten (≥2 mg/l) waren signifikant häufiger weiblich und wiesen häufiger Hypertonie, chronische Nierenerkrankungen, rheumatische/autoimmune/entzündliche Erkrankungen, Dyslipidämien, einen erhöhten BMI und Adipositas auf sowie eine schlechtere NYHA-Klasse, höhere NT-proBNP-Werte und niedrigere eGFR- und Hämoglobin-Werte.
Dagegen hatten Personen mit erhöhten hsCRP-Werten jedoch seltener eine ASCVD (43,1 % vs. 48,1 % bei HFpEF; 54,1 % vs. 58,3 % bei HFrEF; jeweils p<0,01). Durch multivariate Analysen wurden folgende Faktoren als unabhängige Prädiktoren für erhöhte hsCRP-Werte identifiziert: Rauchen, rheumatische/autoimmune/entzündliche Erkrankungen, Adipositas, verringerte eGFR, Dyslipidämien und eine schlechtere NYHA-Klasse. Diese Prädiktoren waren über alle HI-Subtypen hinweg konsistent (p>0,05), mit Ausnahme des BMI, der bei HFpEF stärker mit erhöhten hsCRP-Werten assoziiert war (p=0,001). Die medianen IL-6-Werte waren in allen HI-Subtypen ähnlich und korrelierten mäßig mit dem hsCRP.
In dieser globalen, prospektiven Real-World-Studie wiesen 4 von 10 Personen mit HI erhöhte hsCRP-Werte (≥2 mg/l) auf, und zwar ohne signifikante Unterschiede zwischen den Subtypen HFpEF, HFmrEF und HFrEF. Die klinischen Korrelate eines erhöhten hsCRP waren über das gesamte EF-Spektrum hinweg konsistent und entsprachen einem kardio-renalen-metabolischen Phänotyp. Diese Real-World-Daten bestätigen insgesamt die Ergebnisse der klinischen Studien und unterstützen den Einsatz von entzündungshemmenden Therapien über das gesamte HI-Spektrum hinweg.
Die Daten der POSEIDON-Studie zeigen eindrücklich, dass über das gesamte Spektrum der Ejektionsfraktion hinweg eine HI bei etwa 40 % der Patientinnen und Patienten mit messbarer Inflammation einhergeht. Dies ist eine interessante Beobachtung, denn bisher war die Annahme vorherrschend, dass Inflammation, erhöhtes CRP bzw. IL-6 v. a. bei HFpEF bedeutsam sein könnte.
Interessant wäre natürlich neben der reinen Querschnittsanalyse, die hier vorgestellt wurde, auch eine Follow-up-Beobachtung, inwieweit erhöhtes CRP bei den Patientinnen und Patienten in den unterschiedlichen Ejektionsfraktions-Strata mit einer schlechteren Prognose bezüglich Mortalität und HI-Events einhergeht.
Ob neue anti-inflammatorische Therapien wie z. B. der IL-6 Liganden-Inhibitor Ziltivekimab die Prognose bei Herzinsuffizienz verbessern, muss durch entsprechend große Phase-3-Studien, die aktuell durchgeführt werden, gezeigt werden.
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