In DECISION wurden 1.001 Patientinnen und Patienten in den Niederlanden mit stabiler HFrEF/HFmrEF randomisiert auf Digoxin (Ziel Serum Digoxin-Konzentration 0,5–0,9 ng/ml) oder Placebo. Der primäre kombinierte Endpunkt umfasste den kardiovaskulären (CV) Tod und alle Herzinsuffizienz-Events.
Die in den Niederlanden eingeschlossenen Patientinnen und Patienten waren im Mittel 73 Jahre alt und zu 28 % weiblich; 87 % wiesen New York Heart Association Klasse II auf, 30 % hatten eine Vorgeschichte von Vorhofflimmern (VHF), 25 % von Diabetes mellitus, die mittlere eGFR lag bei 56 ml/min. (Personen mit einer eGFR von unter 30 ml/min konnten nicht eingeschlossen werden.)
Die medikamentöse Vorbehandlung umfasste bei 23 % einen ACE-Hemmer, bei 14 % einen Angiotensinrezeptorblocker sowie bei 53 % einen ARNI. 86 % waren mit Beta-Blocker vorbehandelt, 72 % mit einem MRA und 41 % mit einem SGLT2-Hemmer. Diuretika waren insgesamt bei 74 % in der Therapie.
DECISION fand bei 1.001 Patientinnen und Patienten mit stabiler HFrEF/HFmrEF keinen signifikanten Effekt von Digoxin auf den primären Endpunkt von CV-Tod und Herzinsuffizienz-Events (Rate Ratio 0,81; 95%KI [ 0,61; 1,07], p=0,133). Dieses Ergebnis war konsistent auch in den meisten präspezifizierten Subgruppen.
Für die sekundären Endpunkte zeigten sich folgende Ergebnisse: Die gesamten Herzinsuffizienz-Events betrugen 155 bzw. 203 in den Digoxin- und Placebo-Gruppen (Rate Ratio 0,76; 95%KI [0,54; 1,05]), CV-Todesfälle traten bei 83 Betroffenen (17 %) und 88 (18 %) in der Digoxin- und Placebo-Gruppe auf (HR 0,93; 95%KI [0,69; 1,26]). Die Gesamtmortalität war 7,7 % vs. 8,4 % (0,93, 95%KI [0,72; 1,19]). Niedrig dosiertes Digoxin wurde gut vertragen ohne relevante Sicherheitsprobleme.
Eine präspezifizierte und mit den Primärdaten zusammen publizierte Metaanalyse umfasste DIG, DIGIT-HF und DECISION. In dieser Metaanalyse konnte folgendes gezeigt werden: der Composit-Endpunkt, bestehend aus CV-Tod und erstes Herzinsuffizienz-Event wurde um 15 % reduziert durch die Digitalis-Behandlung (HR 0,85; 95%KI [0,80; 0,90]; p< 0,001). Erste Herzinsuffizienz-Events wurden um 25 % reduziert (HR 0,75; 95%KI [0,69; 0,81]; p<0,001). Die Gesamt-Mortalität war vergleichbar (32 % vs. 33 %; HR 0,97; 95%KI [0,90; 1,04]; p=0,41). Obwohl die DIG-Studie vor 30 Jahren durchgeführt wurde, mit entsprechend weniger Begleitmedikation, gab es keine statistisch signifikante Heterogenität bzgl. Studie, Digoxin vs. Digitoxin oder Begleittherapie.
Die Autoren der DECISION-Studie untersuchten prospektiv wie sich die Eventrate in den 6 Wochen nach Absetzen von Digoxin entwickelte: Die Inzidenzrate von CV-Tod und Herzinsuffizienz-Events stieg stark an bei Patientinnen und Patienten nach Absetzen von Digoxin, aber nicht von Placebo (42,8 vs. 5,9 Events per 100 Patientenjahre; p=0,036), getrieben durch die Herzinsuffizienz-Events. Außerdem stiegen nach Absetzen von Digoxin die Herzfrequenz und das NT-proBNP signifikant an, während der systolische Blutdrucks abfiel.
Bei Patientinnen und Patienten mit stabiler HFrEF/HFmrEF konnte DECISION keinen signifikanten Effekt von Digoxin auf CV-Tod und Herzinsuffizienz-Events zeigen, auch wenn ein starker Trend beobachtet wurde, der vor allem durch eine 25%ige Abnahme von Herzinsuffizienz-Events getrieben war.
Somit bleibt die 2025 publizierte DIGIT-HF-Studie mit Digitoxin die einzige Studie, die bei HFrEF unter heutiger medikamentöser Herzinsuffizienz-Therapie eine signifikante Verminderung von Tod und Herzinsuffizienz-Hospitalisierungen gezeigt hat.
Bezieht man die, in der gleichen Hotline-Sitzung gezeigte, Metaanalyse der drei großen Digitalis-Studien und die Absetzstudie mit ein, ist davon auszugehen, dass Digoxin ebenfalls einen positiven Effekt bei HFrEF hat. Allerdings waren in den Digoxin-Studien Patientinnen und Patienten mit einer eGFR <30 ml/min ausgeschlossen.
Die aktuellen Analysen sind insbesondere bedeutsam für Länder, in denen kein Digitoxin verfügbar ist; Digoxin scheint in niedriger Dosierung relativ sicher und effektiv zu sein bei HFrEF.
Die Datenlage für Digitoxin ist jedoch stärker, da in der DIGIT-HF Studie der primäre Endpunkt signifikant gesenkt wurde. Somit ist in Deutschland und Österreich bei den meisten Patientinnen und Patienten mit HFrEF das Digitoxin vorzuziehen, welches auch stabilere Spiegel bei Nierenfunktionsverschlechterung aufweist.
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