In die Studie gingen Daten von 250.640 Personen mit Herzinsuffizienz ein, die zwischen 2006 und 2021 aus jeglicher Ursache verstorben waren. Die täglichen mittleren Außentemperaturen wurden mit einer räumlichen Auflösung von 1 × 1 km in die Analyse einbezogen. Hitze und Kälte wurden als Außentemperaturen oberhalb des 97,5- und unterhalb des 2,5-Perzentils definiert. In der Studie wurde der Zusammenhang zwischen Hitze und Kälte (über 1 Woche vor dem Tod) und der Gesamtmortalität sowie der kardiovaskulären Mortalität analysiert. Um den Einfluss des Klimawandels zu bewerten, wurden die Zeitintervalle 2006–2013 und 2014–2021 miteinander verglichen. Zusätzlich wurden Effekte durch Begleiterkrankungen, Medikation und Luftverschmutzung untersucht.
Das mittlere Sterbealter der Personen mit Herzinsuffizienz betrug 84,3 (±9,4) Jahre und der Anteil an Frauen 48,3 %. Zwischen Temperatur und Mortalität wurde ein U-förmiger Zusammenhang festgestellt, wobei Kälte das Mortalitätsrisiko stärker erhöhte als Hitze. Die Odd Ratio (OR) für Gesamtmortalität betrug jeweils für Kälte 1,130 (95%KI [1,074;1,189]) und für Hitze 1,054 (95%KI [1,017; 1,093]) sowie die OR für kardiovaskuläre Mortalität jeweils für Kälte 1,160 (95%KI [1,083; 1,242]) und für Hitze 1,084 (95%KI [1,014; 1,159]) im Zeitraum von 2014–2021. Das mit Hitze verbundene Mortalitätsrisiko war im Zeitraum 2014–2021 höher gegenüber 2006–2013. Männliches Geschlecht, Diabetes und Diuretika-Einnahme erhöhten das Mortalitätsrisiko bei Kälte, während Vorhofflimmern und erhöhte Ozonkonzentrationen als zusätzliche Risikofaktoren bei Hitze identifiziert wurden.
Diese Registerstudie aus Schweden zeigt, dass sowohl extreme Kälte als auch Hitze die Mortalität von Patientinnen und Patienten mit Herzinsuffizienz erhöhen kann. Der Klimawandel führt nicht nur zu häufigeren und längeren Hitze-Perioden, sondern auch zu neuen Kälterekorden in Nordeuropa aufgrund von Polarwirbel-Änderungen. In Deutschland werden die Winter zwar insgesamt wärmer, allerdings nehmen extreme Wetterlagen sowohl im Sommer als auch im Winter zu. Laut Daten des europäischen Klimadienstes Copernicus war 2025 das drittwärmste Jahr seit Wetteraufzeichnung und die 1,5-Grad-Schwelle wird vermutlich schon 2028 überschritten werden.2,3 Somit ist damit zu rechnen, dass die negativen gesundheitlichen Auswirkungen des Klimawandels zukünftig weiter zunehmen werden.
Auch wenn schon bekannt war, dass Hitze- und Kälteperioden mit höherer Mortalität assoziiert sein können, sind diese Daten hochinteressant. Insbesondere scheinen sogar in nördlich gelegenen Ländern wie Schweden die Todesfälle aufgrund von Hitze durch den fortschreitenden Klimawandel aktuell ein größeres Problem zu werden als Mortalität aufgrund von Kälteperioden.
Es muss trotzdem miteinbezogen werden, dass die Odds Ratio sogar für extreme Hitze- und Kälteperioden nur bei 1,05 bzw. 1,13 lag, die Effektstärke also nicht sehr ausgeprägt ist, auch wenn die Ergebnisse aufgrund der hohen Patientenzahl signifikant waren. Eine deutliche Limitation besteht darin, dass in dieser populationsbasierten Analyse keine Informationen zur Form der Herzinsuffizienz (erhaltene versus eingeschränkte linksventrikuläre Funktion) vorlagen.
In jedem Fall sollten alle Ärztinnen und Ärzte, die Personen mit Herzinsuffizienz behandeln – insbesondere Kardiologen sowie Allgemeinärzte – darauf achten, dass extreme Temperaturen einen zusätzlichen Stress für die Betroffenen bedeuten, und gegebenenfalls präventiv tätig werden, z. B. durch Ratschläge zur Vermeidung von Exsikkose oder zu niedrigem Blutdruck bei Hitze (auch wenn es wenig Evidenz für spezifische Maßnahmen gibt).
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