journals-shutterstock-2254167559-1920x540

Studien kompakt

Kurz und knapp informiert: Dieses Mal geht es um Gewichtsabnahme mit CagriSema vs. Tirzepatid (REDEFINE 4), SCAD-Register (EAPCI Summit), LDL-C-Senkung mit Enclitide (CORALreef Lipids), Interventionen bei Trikuspidalklappeninsuffizienz (Tri-QOL), M-TEER vs. medikamentöse Therapie (Metaanalyse), CVD-Risikofaktoren nach Krebs in der Kindheit und automatisierte Überweisungen statt Benachrichtigungen bei hochgradiger Aortenklappenstenose.

Von:

Dr. Heidi Schörken

HERZMEDIZIN-Redaktion

 

25.02.2026

Bildquelle (Bild oben): niratsn2510 / Shutterstock.com

REDEFINE 4: Weniger Gewichtsverlust mit CagriSema vs. Tirzepatid

In der offenen Phase-3-Studie REDEFINE 4 mit 809 Personen mit Übergewicht und mindestens einer Komorbidität war der Gewichtsverlust mit CagriSema (Kombi aus Cagrilintid 2,4 mg und Semaglutid 2,4 mg) nach 84 Wochen geringer gegenüber Tirzepatid: 23,0 % vs. 25,5 %. Der primäre Endpunkt (Nicht-Unterlegenheit) wurde somit nicht erreicht. Wie der Hersteller bekanntgab, ist eine weitere Phase-3-Studie mit höherer Dosierung (Cagrilintid 2,4 mg und Semaglutid 7,2 mg) bereits in Planung.1

EAPCI Summit: Frauen häufiger von SCAD betroffen

Eine auf dem EAPCI Summit 2026 in München vorgestellte Registeranalyse untersuchte 123 Fälle einer spontanen Koronararterien-Dissektion (SCAD), die von 2021 bis 2024 in Serbien auftraten. Bei den Betroffenen (mittleres Alter 48 Jahre) handelte es sich zu 85 % um Frauen. Häufigste Risikofaktoren waren Hypertonie (50 %) und Dyslipidämie (46 %). Als unabhängige Prädiktoren für MACE-Ereignisse innerhalb von 30 Tagen, die bei 24 % der Betroffenen auftraten, wurden Stentimplantationen und Depressionen identifiziert.2

CORALreef Lipids: Orale PCSK9-Hemmung mit Enclitide

Die Phase-3-Studie CORALreef Lipids mit 2.909 Personen wurde bereits 2025 auf dem AHA-Kongress präsentiert und jetzt im NEJM publiziert: Enclitide vs. Placebo senkte nach 24 Wochen signifikant die Spiegel von LDL-C (-55,8 %), Non-HDL-C (-53,4 %), ApoB (-50,3 %) und Lp(a) (-28,2 %). Unerwünschte Ereignisse traten nicht häufiger gegenüber Placebo auf.3 Enclitide könnte somit eine attraktive orale Alternative zu injizierbaren PCSK9-Hemmern darstellen. Weitere Studiendaten werden Ende März auf dem ACC.26 erwartet.

Tri-QOL: Interventionen bei Trikuspidalklappeninsuffizienz

Inwieweit kathetergestützte Interventionen (TTVI) den Gesundheitszustand (KCCQ-OS) verbessern, untersuchte die Kohortenanalyse Tri-QOL anhand der Daten von 1.056 Personen mit Trikuspidalklappeninsuffizienz (TI) aus 11 Studien. Einen Monat nach der Intervention verbesserte sich der mittlere KCCQ-OS-Score um 17 Punkte. Die Verbesserungen waren eng mit dem TI-Schweregrad assoziiert, daher ist generell eine milde TI als Therapieziel anzustreben mit Ausnahme von Personen mit massiv ausgeprägter TI (Grad V) – hier reicht eine Verbesserung auf einen moderaten Schweregrad aus.4

Metaanalyse: M-TEER vs. medikamentöse Therapie

Die Metaanalyse der Studien MITRA-FR, COAPT und RESHAPE-HF2 mit 1.422 Personen mit funktioneller Mitralklappeninsuffizienz untersuchte die Outcomes von M-TEER vs. medikamentöse Therapie. Der primäre Endpunkt (Tod oder Herzinsuffizienz-Hospitalisierungen über 24 Monate) fiel signifikant zugunsten der M-TEER aus, allerdings mit erheblicher Heterogenität. Weitere Studien sind notwendig, um zu untersuchen, welche Personen von einer M-TEER profitieren.5

Krebs in der Kindheit: Management von CVD-Risikofaktoren

347 Erwachsene (mittleres Alter 40,5 Jahre) mit Tumorerkrankungen in der Kindheit erhielten eine intensive Betreuung (Beratung + individueller Risikoplan) oder die Standardversorgung (Benachrichtigung zu abnormen Werten + Empfehlung des Hausarztbesuchs). Die Rate unbehandelter CVD-Risikofaktoren betrug in beiden Gruppen 50 % und sank nach einem Jahr auf 26 % vs. 30 %.6 Der Vorteil der intensiven Betreuung war nur gering, aber angesichts der steigenden Anzahl von Erwachsenen mit Chemotherapien in der Kindheit ist es wichtig, praktikable und effektive Strategien für das Management von CVD-Risikofaktoren zu erforschen.7

Unterbehandlung von AS: Automatisierte Benachrichtigungen reichen nicht aus

Rund die Hälfte der Personen mit hochgradiger Aortenklappenstenose (AS) bleibt unbehandelt. Laut DETECT AS könnten automatisierte Benachrichtigungen die Versorgung verbessern.8 Dem widerspricht jedoch eine aktuelle Studie aus Kanada mit 343 Personen (43 % Frauen), die in der Echokardiografie eine moderate bis hochgradige AS aufwiesen. Trotz automatisierter Benachrichtigungen wurden nur 60 % der Betroffenen mit hochgradiger AS in eine Klinik überwiesen. Die Mortalität der übrigen 40 % ohne Überweisungen war deutlich erhöht (19,6 % vs. 2,3 %). Die Autorinnen und Autoren fordern daher automatisierte Überweisungen statt Benachrichtigungen.9

Referenzen

  1. https://www.novonordisk.com/content/nncorp/global/en/news-and-media/news-and-ir-materials/news-details.html?id=916501
  2. Apostolovic S et al. Breaking stereotypes: baseline features, treatment strategies, and 12-month outcomes in SCAD AMI patients: findings from the Serbian SCAD registry (SR SCAD). EAPCI Summit, München, 20.02.2026.
  3. Navar AM et al. A Placebo-Controlled Trial of the Oral PCSK9 Inhibitor Enlicitide. N Engl J Med. 2026. Vol. 394(6):529-539. DOI: 10.1056/NEJMoa2511002
  4. Arnold SV et al. Defining an Optimal Result of Transcatheter Tricuspid Valve Intervention: Results From the Tri-QOL Study. Circulation. 2026;153(5):310-318. doi: 10.1161/CIRCULATIONAHA.125.076542. Epub 2026 Feb 2. 
  5. Ammirabile N et al. Transcatheter edge-to-edge repair plus guideline-directed medical therapy versus guideline-directed medical therapy alone for symptomatic functional mitral regurgitation: a comprehensive, up-to-date meta-analysis of randomised trials. EuroIntervention. 2026;22(2):e101-e112. doi: 10.4244/EIJ-D-25-00737.
  6. Chow EJ et al. Counseling and Cardiovascular Disease Risk Factor Control in Long-Term Cancer Survivors: A Randomized Clinical Trial. JAMA Netw Open. 2026;9(2):e2555863. doi: 10.1001/jamanetworkopen.2025.55863. 
  7. Dixon SB, Ky B. Improving Cardiovascular Risk Factors in Survivors of Cancer. JAMA Netw Open. 2026;9(2):e2555772. doi: 10.1001/jamanetworkopen.2025.55772.
  8. Tanguturi VK et al. Electronic Provider Notification to Facilitate the Recognition and Management of Severe Aortic Stenosis: A Randomized Clinical Trial. Circulation. 2025 May 27;151(21):1498-1507. doi: 10.1161/CIRCULATIONAHA.125.074470. 
  9. Offen S et al. Automated referral prompts reveal lack of equitable access to care in patients with aortic stenosis. Structural Heart 2026: 100814.

Zur Übersicht Alle News

Das könnte Sie auch interessieren

Young Cardiology | Das Videoformat zu Themen der kardiovaskulären Intensivmedizin. Folge 4 mit Prof. H. Thiele. Moderiert von Dr. med. univ. S. Stegmüller.

Aus dem Historischen Archiv der DGK: die Lebenswege prägender Persönlichkeiten der Kardiologie – Zeitzeugen-Interview mit Prof. B. Meier.

Update zu Pathophysiologie und Therapie der seltenen Erkrankung Friedreich-Ataxie. Prof. B. Gerull kommentiert.