Körperliche Aktivität ist unerlässlich, um das Fortschreiten der Erkrankung bei Patientinnen und Patienten nach einem Myokardinfarkt (MI) zu verhindern. Die Teilnahme an einem auf Bewegung basierenden kardiologischen Rehabilitationsprogramm wird empfohlen3,4 und beginnt in der Regel einige Wochen nach einem MI. In der klinischen Praxis wird körperliche Aktivität in der ersten Woche nach Entlassung aufgrund von Sicherheitsbedenken häufig eingeschränkt, obwohl belastbare Daten bislang fehlen. Angesichts zunehmend verkürzter Krankenhausaufenthalte und einer früheren Rückkehr in das häusliche Umfeld gewinnt die Frage nach der Sicherheit früher körperlicher Aktivität zusätzlich an Relevanz.
Diese prospektive Kohortenstudie umfasste konsekutiv eingeschlossene Patientinnen und Patienten, die wegen eines MI im Radboud University Medical Centre hospitalisiert wurden. Die Teilnehmenden erhielten einen am Oberschenkel getragenen Beschleunigungsmesser, um ihr körperliches Aktivitätsniveau während der ersten Woche nach der Entlassung zu messen. Die Patientinnen und Patienten wurden anhand des Medianwerts in eine Gruppe mit hoher oder niedriger körperlicher Aktivität nach der Entlassung eingeteilt. Die körperliche Aktivität vor der Aufnahme wurde retrospektiv anhand eines validierten Fragebogens erfasst.
Der primäre Endpunkt war die Inzidenz schwerwiegender kardiovaskulärer Ereignisse (MACE; Gesamtmortalität, weiterer MI, ungeplante koronare Revaskularisation, akute Herzinsuffizienz und Schlaganfall) nach 1, 3 und 6 Monaten. Ein sekundärer Endpunkt war das Auftreten von MACE über einen Zeitraum von 5 Jahren in Abhängigkeit vom körperlichen Aktivitätsniveau vor der Hospitalisierung und nach der Entlassung.
Die Analysepopulation umfasste 165 Patientinnen und Patienten mit einem Durchschnittsalter von 65 Jahren, von denen 35 % weiblich waren.
Ein höheres Maß an körperlicher Aktivität nach der Entlassung war bei Patientinnen und Patienten nach einem MI zu keinem der Messzeitpunkte (1, 3 und 6 Monate) mit einem erhöhten Risiko für MACE verbunden. Nach 6 Monaten traten MACE bei 8,5 % der Teilnehmenden in der Gruppe mit hoher körperlicher Aktivität und bei 8,4 % in der Gruppe mit geringer körperlicher Aktivität nach der Entlassung auf.
Über einen Zeitraum von 5 Jahren gab es keinen signifikanten Unterschied hinsichtlich MACE zwischen Patientinnen und Patienten mit hoher bzw. geringer körperlicher Aktivität nach der Entlassung (adjustierte HR 1,85; 95%KI 0,96– 3,57; Log-Rank-Test p=0,33).
Im Gegensatz dazu wiesen Patientinnen und Patienten mit hoher körperlicher Aktivität vor der Hospitalisierung über einen Zeitraum von 5 Jahren gegenüber denjenigen mit geringer körperlicher Aktivität weniger Ereignisse und ein signifikant längeres MACE-freies Überleben auf (adjustierte HR 0,47; 95%KI 0,25– 0,86; Log-Rank-Test p=0,03).
Ein Zusammenhang zwischen prä- und poststationärem Aktivitätsniveau bestand nicht. Patientinnen und Patienten mit hohem prästationären Aktivitätsniveau kehrten nach der Entlassung also nicht automatisch zu diesem Niveau zurück.
„Erfreulicherweise deuten unsere Ergebnisse darauf hin, dass körperliche Aktivität nach der Entlassung nicht mit einem erhöhten Risiko für kardiovaskuläre Ereignisse verbunden war“, fasste Dijkman zusammen.4 „Die Zeit nach einem Herzinfarkt kann als ‚lehrreicher Moment‘ dienen, da Patientinnen und Patienten in dieser Phase möglicherweise aufgeschlossener dafür sind, ihr Lebensverhalten zu überdenken, und es scheint, dass die Förderung früher körperlicher Aktivität zu diesem Zeitpunkt unbedenklich ist.“ Das längere MACE-freie Überleben bei denjenigen, die vor der Einweisung körperlich aktiv waren, unterstreiche zudem die langfristigen schützenden Effekte und spreche weiter für die Förderung eines aktiven Lebensstils.
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