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Elektronische Benachrichtigungen zur Optimierung der Versorgung bei Herzklappendefekten?

ACC-Kongress 2026 | ALERT: Die Studie untersuchte den potenziellen Nutzen automatisierter elektronischer Benachrichtigungen für Ärztinnen und Ärzte zur Optimierung des Managements von Betroffenen mit strukturellen Herzerkrankungen. Prof. Wayne B. Batchelor (Fairfax, USA) stellte die Ergebnisse vor.1

 

Prof. Tobias Rheude (Deutsches Herzzentrum München) berichtet und kommentiert.

Von:

Prof. Tobias Rheude 

Deutsches Herzzentrum München

 

01.04.2026

Bildquelle (Bild oben): pisaphotography / Shutterstock.com

Hintergrund

Die Aortenklappenstenose (AS) und Mitralklappeninsuffizienz (MI) gehören zu den häufigsten Herzklappenfehlern in Industrienationen und gehen unbehandelt mit einer verminderten Lebensqualität sowie erhöhter Morbidität und Mortalität einher. Aktuelle Leitlinien betonen daher die Bedeutung einer multidisziplinären Heart-Team-Evaluation und eines zeitgerechten (chirurgischen oder kathetergestützten) Herzklappeneingriffs.


Trotz kontinuierlicher Fortschritte in der Therapie von Herzklappenerkrankungen sowie verbesserter Langzeitergebnisse in den letzten Jahren wird ein relevanter Anteil von Patientinnen und Patienten nicht oder nur verzögert behandelt.2,3 So erhalten beispielsweise weniger als die Hälfte der Betroffenen mit hochgradiger Aortenklappenstenose trotz eindeutiger Indikation einen Eingriff.

Methodik

Automatisierte elektronische Benachrichtigungen für Ärztinnen und Ärzte wurden als eine mögliche skalierbare Strategie zur Verbesserung der Erkennung und Behandlung von Herzklappenerkrankungen vorgeschlagen. Aus diesem Grund wurden die Ergebnisse der ALERT-Studie mit großem Interesse erwartet. Die Studie untersuchte, ob eine vollautomatisierte, in die elektronische Patientenakte integrierte Benachrichtigung, die durch natürliche Sprachverarbeitung von Echokardiografieberichten generiert wird, zu einer zeitgerechten Evaluation durch das Heart Team sowie einem Herzklappeneingriff bei Personen mit hochgradiger Aortenklappenstenose oder Mitralklappeninsuffizienz führt.


Insgesamt wurden zwischen August 2024 und September 2025 in fünf US-amerikanischen Gesundheitssystemen mit insgesamt 35 Krankenhäusern Betroffene im Verhältnis 1:1 zu einer automatisierten Benachrichtigung beziehungsweise zur Standardversorgung randomisiert. Der primäre Endpunkt war eine Kombination aus Herzklappeneingriffen oder Heart-Team Visiten innerhalb von 90 Tagen. Insgesamt wurden 765 Ärztinnen und Ärzte einbezogen, die 2016 Ultraschalluntersuchungen anordneten.

Ergebnisse

In der Win-Ratio-Analyse des primären Endpunkts erwies sich die automatisierte Benachrichtigung als überlegen gegenüber der Standardversorgung (Win Ratio: 1,27; 95%KI [1,05–1,54]; p=0,007), einschließlich höherer Raten an Klappeninterventionen (13,4 % vs. 9,6 %; p=0,005) und Heart-Team-Evaluationen (22,7 % vs. 17,9 %; p=0,005) sowie kürzerer Zeiten bis zum Erreichen beider individuellen Endpunktkomponenten. Die Effekte waren für Personen mit Aortenklappenstenose und Mitralklappeninsuffizienz vergleichbar. Zudem gab es keine Unterschiede über prä-spezifizierte Subgruppen hinweg, insbesondere hinsichtlich Alter, Geschlecht, ethnischer Zugehörigkeit sowie stationärer oder ambulanter Behandlung.

Fazit und Kommentar

Die ALERT-Studie konnte zeigen, dass automatisierte elektronische Benachrichtigungen zu zeitgerechteren Überweisungen mit kürzeren Wartezeiten bis zur Heart-Team-Evaluation bzw. Herzklappeneingriffen führen. Die Wirksamkeit dieser digitalen Gesundheitsstrategie konnte über verschiedene Subgruppen hinweg gezeigt werden und stellt möglicherweise eine skalierbare Strategie zur optimierten Versorgung von Patientinnen und Patienten mit Herzklappenerkrankungen dar.

Zum Autor

Prof. Tobias Rheude

Prof. Tobias Rheude ist Oberarzt in der Klinik für Herz- und Kreislauferkrankungen am Deutschen Herzzentrum München. Seine fachlichen Zusatzqualifikationen erwarb er in den Bereichen interventionelle Kardiologie (DGK) sowie internistische Intensivmedizin. Seine Forschungsschwerpunkte umfassen die kathetergestützte Behandlung von strukturellen Herzerkrankungen sowie kalzifizierte Koronarläsionen.
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Key Facts der Studie

Die Studie untersuchte, ob eine vollautomatisierte, in die elektronische Patientenakte integrierte Benachrichtigung, die durch natürliche Sprachverarbeitung von Echokardiografieberichten generiert wird, zu einer zeitgerechten Evaluation durch das Heart Team sowie einem Herzklappeneingriff bei Personen mit hochgradiger Aortenklappenstenose oder Mitralklappeninsuffizienz führt.

Die ALERT-Studie konnte zeigen, dass automatisierte elektronische Benachrichtigungen zu zeitgerechteren Überweisungen mit kürzeren Wartezeiten bis zur Heart-Team-Evaluation bzw. Herzklappeneingriffen führen. Zudem gab es keine Unterschiede über prä-spezifizierte Subgruppen hinweg, insbesondere hinsichtlich Alter, Geschlecht, ethnischer Zugehörigkeit sowie stationärer oder ambulanter Behandlung.

Die Wirksamkeit dieser digitalen Gesundheitsstrategie konnte über verschiedene Subgruppen hinweg gezeigt werden und stellt möglicherweise eine skalierbare Strategie zur optimierten Versorgung von Patientinnen und Patienten mit Herzklappenerkrankungen dar.

Referenzen

  1. Batchelor W. et al. Automated Alerts to Improve Timely Evaluation and Treatment of Valvular Heart Disease: The ALERT Trial. Featured Clinical Research IV, 29.03. New Orleans, ACC 2026.
  2. Li, S. X. et al. Trends in Utilization of Aortic Valve Replacement for Severe Aortic Stenosis. J Am Coll Cardiol 79, 864–877 (2022).
  3. Brennan, J. M. et al. Association Between Patient Survival and Clinician Variability in Treatment Rates for Aortic Valve Stenosis. J Am Heart Assoc 10, e020490 (2021).

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