Die Aortenklappenstenose (AS) und Mitralklappeninsuffizienz (MI) gehören zu den häufigsten Herzklappenfehlern in Industrienationen und gehen unbehandelt mit einer verminderten Lebensqualität sowie erhöhter Morbidität und Mortalität einher. Aktuelle Leitlinien betonen daher die Bedeutung einer multidisziplinären Heart-Team-Evaluation und eines zeitgerechten (chirurgischen oder kathetergestützten) Herzklappeneingriffs.
Trotz kontinuierlicher Fortschritte in der Therapie von Herzklappenerkrankungen sowie verbesserter Langzeitergebnisse in den letzten Jahren wird ein relevanter Anteil von Patientinnen und Patienten nicht oder nur verzögert behandelt.2,3 So erhalten beispielsweise weniger als die Hälfte der Betroffenen mit hochgradiger Aortenklappenstenose trotz eindeutiger Indikation einen Eingriff.
Automatisierte elektronische Benachrichtigungen für Ärztinnen und Ärzte wurden als eine mögliche skalierbare Strategie zur Verbesserung der Erkennung und Behandlung von Herzklappenerkrankungen vorgeschlagen. Aus diesem Grund wurden die Ergebnisse der ALERT-Studie mit großem Interesse erwartet. Die Studie untersuchte, ob eine vollautomatisierte, in die elektronische Patientenakte integrierte Benachrichtigung, die durch natürliche Sprachverarbeitung von Echokardiografieberichten generiert wird, zu einer zeitgerechten Evaluation durch das Heart Team sowie einem Herzklappeneingriff bei Personen mit hochgradiger Aortenklappenstenose oder Mitralklappeninsuffizienz führt.
Insgesamt wurden zwischen August 2024 und September 2025 in fünf US-amerikanischen Gesundheitssystemen mit insgesamt 35 Krankenhäusern Betroffene im Verhältnis 1:1 zu einer automatisierten Benachrichtigung beziehungsweise zur Standardversorgung randomisiert. Der primäre Endpunkt war eine Kombination aus Herzklappeneingriffen oder Heart-Team Visiten innerhalb von 90 Tagen. Insgesamt wurden 765 Ärztinnen und Ärzte einbezogen, die 2016 Ultraschalluntersuchungen anordneten.
In der Win-Ratio-Analyse des primären Endpunkts erwies sich die automatisierte Benachrichtigung als überlegen gegenüber der Standardversorgung (Win Ratio: 1,27; 95%KI [1,05–1,54]; p=0,007), einschließlich höherer Raten an Klappeninterventionen (13,4 % vs. 9,6 %; p=0,005) und Heart-Team-Evaluationen (22,7 % vs. 17,9 %; p=0,005) sowie kürzerer Zeiten bis zum Erreichen beider individuellen Endpunktkomponenten. Die Effekte waren für Personen mit Aortenklappenstenose und Mitralklappeninsuffizienz vergleichbar. Zudem gab es keine Unterschiede über prä-spezifizierte Subgruppen hinweg, insbesondere hinsichtlich Alter, Geschlecht, ethnischer Zugehörigkeit sowie stationärer oder ambulanter Behandlung.
Die ALERT-Studie konnte zeigen, dass automatisierte elektronische Benachrichtigungen zu zeitgerechteren Überweisungen mit kürzeren Wartezeiten bis zur Heart-Team-Evaluation bzw. Herzklappeneingriffen führen. Die Wirksamkeit dieser digitalen Gesundheitsstrategie konnte über verschiedene Subgruppen hinweg gezeigt werden und stellt möglicherweise eine skalierbare Strategie zur optimierten Versorgung von Patientinnen und Patienten mit Herzklappenerkrankungen dar.
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