HERZMEDIZIN: Sie waren am Donnerstag vor Ort. Wie war Ihr Eindruck vom Kongress?
Rudolph: Mein Eindruck war durchweg positiv. Die EAPCI hat in kürzester Zeit ein wirklich hochkarätiges Programm auf die Beine gestellt, auch was die internationale Faculty betrifft. Es waren ausgewiesene Expertinnen und Experten vor Ort, und die Gesamtatmosphäre im Münchner Kongresszentrum war sehr angenehm. Der Kongress hat viele interessante Impulse gesetzt.
HERZMEDIZIN: Was hat Sie besonders überzeugt?
Rudolph: Ein großer Anteil entfiel auf Workshops. Ich hatte das Glück, selbst als Trainerin mitzuwirken. Wir hatten hervorragende Simulatoren vor Ort und konnten sehr praxisrelevante Inhalte vermitteln, ähnlich wie bei unseren Workshops auf den Herztagen, nur in deutlich größerem Maßstab. Die Workshops waren nahezu komplett ausgebucht, trotz verpflichtender Voranmeldung. Die Teilnehmenden waren sehr engagiert, das war wirklich beeindruckend.
Daneben gab es den wissenschaftlichen Teil mit Sitzungen. Ich durfte gemeinsam mit einem italienischen Kollegen den Vorsitz einer Sitzung, ob TAVI auch in Zentren ohne Herzchirurgie möglich ist, halten. Besonders spannend war die europäische Perspektive auf interventionelle Themen. Es gab kurze Impulsvorträge und sehr intensive Diskussionen mit starker Publikumsbeteiligung. Die Atmosphäre war fast intim, sodass sich viele getraut haben, Fragen zu stellen. Das war ein großer Pluspunkt.
HERZMEDIZIN: Wie bewerten Sie die wissenschaftliche Qualität?
Rudolph: Es gab die Clinical Case Corners mit Fallvorstellungen sowie wissenschaftliche Abstract-Sessions. Die Qualität der eingereichten Arbeiten war hoch. Einige Beiträge wurden sogar im Fast Track parallel im European Heart Journal Structural publiziert. Wissenschaftlich konnte also insgesamt ein sehr solides Niveau gezeigt werden, eingebettet in eine angenehme Kongressatmosphäre.
HERZMEDIZIN: Ist der EAPCI Summit aus Ihrer Sicht eine ernstzunehmende Konkurrenz zu Veranstaltungen wie PCR London Valves oder TCT?
Rudolph: Ich würde es nicht als Konkurrenz sehen. Der Fokus ist ein anderer, eher komplementär. Die EAPCI-Veranstaltung legt den Schwerpunkt stark auf Education. PCR ist stärker auf den wissenschaftlichen Austausch und teilweise auch auf die Weiterentwicklung von Empfehlungen über die Leitlinien hinaus ausgerichtet.
Insofern erfüllen die Formate derzeit unterschiedliche Rollen. Bemerkenswert ist aber, dass bereits beim ersten Aufschlag so viele hochwertige Abstracts präsentiert und teilweise parallel publiziert wurden.
Was Live-Cases betrifft: Das wurde im Vorfeld mit den nationalen Gesellschaften diskutiert. Der aktuelle Ansatz ist eher, den europäischen Austausch zu stärken. Man kann auch ohne Live-Cases viel lernen. Wie sich das in den nächsten Jahren entwickelt, bleibt abzuwarten.
HERZMEDIZIN: Es waren außerdem viele Fachgesellschaften eingebunden. Wie haben Sie das wahrgenommen?
Rudolph: Das ist tatsächlich ein Unterschied. Man spürt den Geist der ESC: Den Verantwortlichen ist wichtig, die nationalen Gesellschaften einzubinden. Wir hatten bereits am Mittwoch vor Kongressbeginn ein Treffen des EAPCI-Boards mit den nationalen Vertreterinnen und Vertretern der interventionellen Arbeitsgruppen. Das war eine sehr fruchtbare Diskussion.
Es besteht ein klares Interesse, die Bedürfnisse der nationalen Gruppen aufzunehmen. Auch das unterscheidet das Format derzeit von PCR.
HERZMEDIZIN: Gab es ein konkretes Learning aus europäischer Perspektive?
Rudolph: Ein gutes Beispiel ist die Diskussion zur TAVI ohne Herzchirurgie. Medizinisch waren sich alle einig, dass dies für viele Patientinnen und Patienten sinnvoll sein kann. Gleichzeitig berichteten mehrere Länder über sehr lange Wartezeiten, wenn TAVI ausschließlich an Zentren mit Herzchirurgie durchgeführt wird.
Während wir in Deutschland meist von Wochen oder wenigen Monaten sprechen, liegen die Wartezeiten in manchen Ländern, etwa in Portugal oder Norwegen, bei einem bis eineinhalb Jahren. Die Leitlinie empfiehlt zwar die Durchführung in Zentren mit Herzchirurgie, bringt einige Länder aber in die Situation, dass Patientinnen und Patienten sehr lange warten müssen. Dieser Austausch über unterschiedliche Versorgungrealitäten war sehr wertvoll.
HERZMEDIZIN: Wie geht es mit dem Format weiter?
Rudolph: Es gibt bereits Pläne. Aus dem zweitägigen Summit soll im kommenden Jahr ein dreitägiger Kongress werden, der in Mailand stattfinden wird. Der Fokus auf Education, wissenschaftliche Beiträge und intensive Diskussionen soll erhalten bleiben, nur in größerem Rahmen.
Die Aufteilung in Structural und Coronary Track wurde allgemein sehr positiv aufgenommen und dürfte beibehalten werden.
HERZMEDIZIN: Würden Sie jungen interventionell interessierten Ärztinnen und Ärzten den Besuch empfehlen?
Rudolph: Grundsätzlich ja. Für Kolleginnen und Kollegen in Weiterbildung ist das Format sehr hilfreich, insbesondere wegen der Simulationstrainings. Wer wissenschaftlich interessiert ist, hat zudem gute Möglichkeiten, eigene Arbeiten zu präsentieren. Ich würde das nicht als Entweder-oder im Vergleich zu anderen Kongressen sehen, aber für die Ausbildung bietet diese Veranstaltung definitiv einen hohen Mehrwert.
HERZMEDIZIN: Haben Sie abschließend noch einen Gesamteindruck?
Rudolph: Ich selbst war an dem Tag recht eingespannt und konnte nicht alles sehen. Aber auch von Kollegenseite, etwa aus anderen Sessions, kam die gleiche Rückmeldung: viel Austausch, Diskussion auf Augenhöhe und eine sehr interaktive Atmosphäre. Das ist wirklich positiv aufgefallen.
Der EAPCI Summit 2026, der erste offizielle Kongress der European Association of Percutaneous Cardiovascular Interventions (EAPCI), der direkt unter der European Society of Cardiology (ESC) organisiert wird, fand vom 19.–20. Februar 2026 in München statt. Er ist eine führende Veranstaltung der interventionellen Kardiologie mit über 58 Sitzungen zu koronaren und strukturellen Themen.