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RV-Funktion und -Dimension vor TTVr anhand der ESC-Valvular-Disease-Guidelines 2025 im Real-World Test

DGK-Jahrestagung 2026 | Postervortrag: Trikuspidalklappeninsuffizienz und rechtsventrikuläres Remodeling sind eng miteinander verknüpft. Das optimale Timing einer Intervention bleibt zudem herausfordernd. Die „ESC/EACTS-Guidelines on Valvular Heart Disease“ 2025 schlagen neue Referenzwerte für die Evaluation von RV-Größe und -Funktion vor, weisen jedoch zugleich auf die unzureichende Datenlage hin. Eine Betrachtung dieser Cut-offs in interventionell behandelten Patientinnen und Patienten steht bislang aus.

 

Dr. Jan Althoff (Herzzentrum der Universität zu Köln) präsentierte die Studiendaten und fasst die Ergebnisse im Folgenden zusammen.1

Von:

Dr. Jan Althoff

Herzzentrum der Universität zu Köln

 

 

09.04.2026

Bildquelle (Bild oben): m:con / Ben van Skyhawk

Die hochgradige Trikuspidalklappeninsuffizienz (TI) ist ein unabhängiger Prädiktor für Mortalität und eng mit einer progredienten rechtsventrikulären (RV) Dilatation und Funktionsverschlechterung verknüpft. Katheterbasierte Verfahren wie Transkatheter edge-to-edge-Reparatur (T-TEER) haben sich als Therapieoptionen für Hochrisikopatientinnen und -patienten etabliert. Während randomisierte Studien bislang keinen klaren Überlebensvorteil zeigen konnten, wurde in den neu veröffentlichten 2-Jahresdaten der TRI-FR-Studie eine Reduktion von Hospitalisierungen gezeigt und Registerdaten weisen auf einen Überlebensvorteil insbesondere bei frühzeitiger Intervention hin.

 

Die aktuellen ESC/EACTS-Leitlinien betonen die zentrale Rolle der echokardiografischen RV-Beurteilung und schlagen konkrete Cut-offs für Größe und Funktion vor, welche jedoch größtenteils auf Daten nicht interventionell behandelter Kollektive beruhen.2

Studiendesign

Es wurden retrospektiv Patientinnen und Patienten analysiert, die zwischen 2017 und 2024 an zwei großen deutschen Herzzentren eine katheterbasierte Therapie (T-TEER oder TTVA) bei hochgradiger symptomatischer TI erhielten. Rechtsventrikuläre Diameter und Funktion wurden vor der Intervention gemäß den Referenzwerten der „ESC/EACTS-Guidelines on Valvular Heart Disease“ klassifiziert. Primärer Endpunkt war das 2-Jahres-Überleben.

Ergebnisse

Insgesamt wurden 651 Patientinnen und Patienten analysiert, von denen 471 (72,4 %) eine Behandlung mittels T-TEER erhielten. Das 2-Jahres-Überleben lag bei 78,6 %. 


Über 80 % der Patientinnen und Patienten zeigten präinterventionell pathologische Strain-Werte (FWS <23 %, GLS <21 %), während dies für die konventionellen Parameter TAPSE, FAC und TDI s‘ bei weniger als 50 % der Fall war. Etwa zwei Drittel zeigten zudem eine RV-Dilatation und nur 1,1 % wiesen keinerlei pathologische RV-Parameter auf.

 

Die vorgeschlagenen Grenzwerte für RV-Dilatation (basaler, mittler sowie Annulus-Diameter) waren signifikant mit der 2-Jahres-Mortalität assoziiert (RV basal >24 mm/m2 HR 1,52 (1,02–2,26), p=0,04; RV mittventrikulär >21 mm/m2 HR 1,67 (1,16–2,34), p<0,01; Annulus >21 mm/m2 HR 2,03 (1,25–3,28), p<0,01).

 

Während der vorgeschlagene Cut-off für TAPSE <17 mm keine signifikante Assoziation zeigte, waren TDI s′ <10 cm/s und FAC ≤35 % eindeutig mit dem Überleben assoziiert. Die oben genannten Grenzwerte für den RV-Strain zeigten keinen relevanten Überlebensunterschied, während die sogenannten „severe“ cut-offs (FWS <11 %, GLS <9 %) relevant waren (p<0,01 und p=0,02). 

 

In einer Subgruppenanalyse (n=94) zeigte die kombinierte 3D-Beurteilung von RV-Dilatation und -Funktion signifikante Überlebensunterschiede, mit der besten Prognose ohne und der schlechtesten bei gleichzeitiger Dilatation und Dysfunktion (p<0,01).

 

In der multivariablen Analyse erwiesen sich ein vergrößerter trikuspidaler Annulus sowie FWS <11 % als unabhängige Prädiktoren. Das Mortalitätsrisiko stieg zudem mit der Anzahl pathologischer RV-Parameter (HR je zusätzlichem pathologischen Parameter 1,33 [1,14–1,57]; p<0.01).

 

Die Studie ist durch ihr retrospektives Design und begrenzte Fallzahlen für einzelne Parameter bzw. Subgruppen (z. B. 3D-Daten und geringe Fallzahlen der „severe“ Cut-offs) limitiert. Die echokardiografischen Analysen wurden durch erfahrene Untersucherinnen und Untersucher, jedoch ohne Core-Lab, durchgeführt.

Fazit

Die Ergebnisse zeigen, dass die katheterbasierte Therapie der TI derzeit oft erst in einem fortgeschrittenen Krankheitsstadium erfolgt, wenn RV-Dilatation und -Dysfunktion bereits fortgeschritten sind. Insbesondere Strain-Parameter scheinen eine sensiblere und frühzeitigere Erfassung der RV-Dysfunktion zu ermöglichen.


Gleichzeitig bestätigt sich die Assoziation von ungünstigem RV-Remodeling und geringerem Überleben. Zudem wird deutlich, dass einzelne Parameter die Komplexität der rechtsventrikulären Anatomie und Funktion nur unzureichend erfassen und ein multiparametrischer Ansatz dieser am ehesten gerecht wird. Die in den ESC-Leitlinien vorgeschlagenen Cut-offs könnten dabei helfen, geeignete Patientinnen und Patienten frühzeitig zu identifizieren. 

Zur Person

Dr. Jan Althoff

Dr. Jan Althoff ist als Assistenzarzt für Innere Medizin und Kardiologie an der Klinik für Kardiologie, Angiologie, Pneumologie und Internistische Intensivmedizin am Herzzentrum der Universität zu Köln tätig.
Dr. Jan Althoff

Key Facts der Studie

Die in den ESC/EACTS-Leitlinien 2025 vorgeschlagenen neuen Cut-offs für rechtsventrikuläre Dilatation und Dysfunktion sollten anhand von Real-World-Daten bei interventionell behandelten Patientinnen und Patienten mit hochgradiger Trikuspidalinsuffizienz eingeordnet werden.

Die meisten Patientinnen und Patienten befanden sich vor der Intervention bereits in einem fortgeschrittenen Krankheits-Stadium mit RV-Dilatation und -Dysfunktion. Die vorgeschlagenen Parameter, mit Ausnahme von TAPSE, waren mit dem 2-Jahres-Überleben assoziiert. Das Mortalitätsrisiko stieg mit der Anzahl pathologischer Parameter.

Die in den Leitlinien vorgeschlagenen Cut-offs könnten im Rahmen eines multiparametrischen Ansatzes helfen, Risikopatientinnen und -patienten frühzeitig zu identifizieren. Eine prospektive Validierung steht jedoch noch aus.

Referenzen

  1. Althoff JL, von Stein J, von Stein P, et al. Implications of 2025 ESC Valvular Heart Disease Guidelines’ Right Ventricular Assessment in Real-World Patients undergoing Transcatheter Tricuspid Valve Repair. Postervortrag, 09.04.2026, Mannheim, DGK-Jahrestagung 2026.
  2. Praz F, Borger MA, Lanz J, Marin-Cuartas M, Abreu A, Adamo M, et al. 2025 ESC/EACTS Guidelines for the management of valvular heart disease. Eur Heart J 2025;75:524.

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