Die hochgradige Trikuspidalklappeninsuffizienz (TI) ist ein unabhängiger Prädiktor für Mortalität und eng mit einer progredienten rechtsventrikulären (RV) Dilatation und Funktionsverschlechterung verknüpft. Katheterbasierte Verfahren wie Transkatheter edge-to-edge-Reparatur (T-TEER) haben sich als Therapieoptionen für Hochrisikopatientinnen und -patienten etabliert. Während randomisierte Studien bislang keinen klaren Überlebensvorteil zeigen konnten, wurde in den neu veröffentlichten 2-Jahresdaten der TRI-FR-Studie eine Reduktion von Hospitalisierungen gezeigt und Registerdaten weisen auf einen Überlebensvorteil insbesondere bei frühzeitiger Intervention hin.
Die aktuellen ESC/EACTS-Leitlinien betonen die zentrale Rolle der echokardiografischen RV-Beurteilung und schlagen konkrete Cut-offs für Größe und Funktion vor, welche jedoch größtenteils auf Daten nicht interventionell behandelter Kollektive beruhen.2
Es wurden retrospektiv Patientinnen und Patienten analysiert, die zwischen 2017 und 2024 an zwei großen deutschen Herzzentren eine katheterbasierte Therapie (T-TEER oder TTVA) bei hochgradiger symptomatischer TI erhielten. Rechtsventrikuläre Diameter und Funktion wurden vor der Intervention gemäß den Referenzwerten der „ESC/EACTS-Guidelines on Valvular Heart Disease“ klassifiziert. Primärer Endpunkt war das 2-Jahres-Überleben.
Insgesamt wurden 651 Patientinnen und Patienten analysiert, von denen 471 (72,4 %) eine Behandlung mittels T-TEER erhielten. Das 2-Jahres-Überleben lag bei 78,6 %.
Über 80 % der Patientinnen und Patienten zeigten präinterventionell pathologische Strain-Werte (FWS <23 %, GLS <21 %), während dies für die konventionellen Parameter TAPSE, FAC und TDI s‘ bei weniger als 50 % der Fall war. Etwa zwei Drittel zeigten zudem eine RV-Dilatation und nur 1,1 % wiesen keinerlei pathologische RV-Parameter auf.
Die vorgeschlagenen Grenzwerte für RV-Dilatation (basaler, mittler sowie Annulus-Diameter) waren signifikant mit der 2-Jahres-Mortalität assoziiert (RV basal >24 mm/m2 HR 1,52 (1,02–2,26), p=0,04; RV mittventrikulär >21 mm/m2 HR 1,67 (1,16–2,34), p<0,01; Annulus >21 mm/m2 HR 2,03 (1,25–3,28), p<0,01).
Während der vorgeschlagene Cut-off für TAPSE <17 mm keine signifikante Assoziation zeigte, waren TDI s′ <10 cm/s und FAC ≤35 % eindeutig mit dem Überleben assoziiert. Die oben genannten Grenzwerte für den RV-Strain zeigten keinen relevanten Überlebensunterschied, während die sogenannten „severe“ cut-offs (FWS <11 %, GLS <9 %) relevant waren (p<0,01 und p=0,02).
In einer Subgruppenanalyse (n=94) zeigte die kombinierte 3D-Beurteilung von RV-Dilatation und -Funktion signifikante Überlebensunterschiede, mit der besten Prognose ohne und der schlechtesten bei gleichzeitiger Dilatation und Dysfunktion (p<0,01).
In der multivariablen Analyse erwiesen sich ein vergrößerter trikuspidaler Annulus sowie FWS <11 % als unabhängige Prädiktoren. Das Mortalitätsrisiko stieg zudem mit der Anzahl pathologischer RV-Parameter (HR je zusätzlichem pathologischen Parameter 1,33 [1,14–1,57]; p<0.01).
Die Studie ist durch ihr retrospektives Design und begrenzte Fallzahlen für einzelne Parameter bzw. Subgruppen (z. B. 3D-Daten und geringe Fallzahlen der „severe“ Cut-offs) limitiert. Die echokardiografischen Analysen wurden durch erfahrene Untersucherinnen und Untersucher, jedoch ohne Core-Lab, durchgeführt.
Die Ergebnisse zeigen, dass die katheterbasierte Therapie der TI derzeit oft erst in einem fortgeschrittenen Krankheitsstadium erfolgt, wenn RV-Dilatation und -Dysfunktion bereits fortgeschritten sind. Insbesondere Strain-Parameter scheinen eine sensiblere und frühzeitigere Erfassung der RV-Dysfunktion zu ermöglichen.
Gleichzeitig bestätigt sich die Assoziation von ungünstigem RV-Remodeling und geringerem Überleben. Zudem wird deutlich, dass einzelne Parameter die Komplexität der rechtsventrikulären Anatomie und Funktion nur unzureichend erfassen und ein multiparametrischer Ansatz dieser am ehesten gerecht wird. Die in den ESC-Leitlinien vorgeschlagenen Cut-offs könnten dabei helfen, geeignete Patientinnen und Patienten frühzeitig zu identifizieren.