Ischämie ohne obstruktive Koronararterien (INOCA) sowie Angina pectoris ohne obstruktive Koronararterien (ANOCA) treten bei etwa 30–50 % der Patientinnen und Patienten auf, die sich einer Koronarangiographie unterziehen. Betroffene weisen eine relevante Morbidität auf, einschließlich rezidivierender Symptome und eingeschränkter Lebensqualität. Aktuelle Leitlinien empfehlen die Durchführung invasiver koronarer Funktionstests zur Abklärung der Symptomursache bei INOCA, diese Untersuchung wird allerdings noch viel zu selten durchgeführt.
DISCOVER-INOCA war ein Investigator-initiiertes, prospektives, multizentrisches Register in den USA. In der Studie erfolgte eine vollständige physiologische Testung bei 99 % der Patientinnen und Patienten, zu 96 % zusammen mit einer intravaskulären Bildgebung.
69 % der Patientinnen und Patienten hatten eine stabile Angina pectoris (zu 50 % CCS-Klasse II). In 94 % der Fälle wurde eine koronare vasomotorische Störung diagnostiziert, was deutlich häufiger ist als in vergleichbaren früheren Studien. Zudem führte die Durchführung der Untersuchung in 89 % der Fälle zu einer Reklassifikation der präprozeduralen Diagnose.
Insgesamt zeigte sich ein günstiges Sicherheitsprofil, wenngleich eine geringe, jedoch klinisch relevante Rate schwerwiegender prozeduraler Komplikationen beobachtet wurde. Nach 30 Tagen konnte in bestimmten Subgruppen eine signifikante Verbesserung der Symptomatik festgestellt werden. Langzeitdaten sowie weiterführende Analysen zu therapeutischen Strategien stehen derzeit noch aus. Die Ergebnisse unterstützen den routinemäßigen Einsatz umfassender invasiver koronarer Funktionstests zur Identifikation vasomotorischer Störungen und zur gezielten Therapieplanung bei Patientinnen und Patienten mit INOCA.
Dies ist eine von vielen laufenden Registerstudien, die die Bedeutung der koronaren Funktionstestung untersuchen. Diese diagnostischen Verfahren werden in den aktuellen Leitlinien als Klasse-I-Empfehlung geführt, werden jedoch in der Mehrzahl der Zentren noch nicht durchgeführt. Es besteht ein dringender Bedarf an weiterer Ausbildung in diesem Bereich, an einer Standardisierung der Methoden sowie an zusätzlicher Forschung zu den zugrunde liegenden Mechanismen und Therapieoptionen dieser Krankheitsbilder. Die koronare Funktionstestung ist sicher, und die Interpretation der Befunde kann durch strukturierte Algorithmen unterstützt werden, wie sie beispielsweise unter www.microsnape.com verfügbar sind.
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