angiologie-arterien-shutterstock-1009280128-32zu9-1920x540px

Interview: Die Angiologie im Wandel

Angiologie trifft Gefäßchriurgie | Die Gefäßmedizin steht vor einem Umbruch: Hybrid-DRGs, ambulante Interventionen und offene Fragen zur Finanzierung treffen auf medizinische Kontroversen und neue Technologien. Im Interview spricht Prof. Grigorios Korosoglou (GRN-Klinik Weinheim und Eberbach) über aktuelle Studien, politische Herausforderungen und darüber, warum gerade jetzt der interdisziplinäre Austausch so wichtig ist.

Von:

Romy Martínez

HERZMEDIZIN-Redaktion

 

13.02.2026

Bildquelle (Bild oben): ustas777 / Shutterstock.com

Hot Topics der Angiologie

HERZMEDIZIN: Herr Prof. Korosoglou, welche Themen prägen die Angiologie in diesem Jahr besonders?


Korosoglou: Ganz klar: die Finanzierung. Mit der Einführung der Hybrid-DRGs zum Jahresbeginn hat sich die Versorgung in der Angiologie spürbar verändert. Wir sehen eine deutliche Ambulantisierung, insbesondere bei Patientinnen und Patienten mit Claudicatio intermittens, die interventionell behandelt werden. Viele dieser Eingriffe erfolgen heute tagesstationär oder ambulant – mit entsprechenden organisatorischen und finanziellen Konsequenzen für die Kliniken.

Zur Person

Prof. Grigorios Korosoglou

Prof. Grigorios Korosoglou ist als Chefarzt der Abteilung für Kardiologie und Angiologie der GRN-Klinik Weinheim und Eberbach tätig. Seine Tätigkeitsschwerpunkte umfassen die Kardiale MRT- und CT-Bildgebung und interventionelle Kardiologie sowie periphere Gefäßeingriffe. 

korosoglou-grigorios-2025-375x375px

HERZMEDIZIN: Was bedeutet das konkret für die Krankenhäuser?


Korosoglou: Zum einen müssen die Strukturen angepasst werden: Ambulante Versorgung erfordert mehr fachärztliche Präsenz, andere Abläufe und geeignete Räumlichkeiten. Zum anderen ist die Vergütung über Hybrid-DRGs niedriger als im stationären Setting. Gerade bei sachkostenintensiven Prozeduren ist das eine echte Herausforderung und verlangt eine sehr sorgfältige Planung.

Programm bei „Angiologie trifft Gefäßchirurgie“

HERZMEDIZIN: Dieses Thema spielt auch auf Ihrer Veranstaltung „Angiologie trifft Gefäßchirurgie“ vom 20. bis 21. März in Weinheim eine zentrale Rolle. Warum?


Korosoglou: Weil es uns alle betrifft. Die Hybrid-DRGs sind kein theoretisches Konstrukt, sondern Alltag. Deshalb starten wir die Veranstaltung bewusst mit diesem Thema.

 

HERZMEDIZIN: Wer wird dazu sprechen?


Korosoglou: Wir freuen uns sehr, dass André Kupsch, Geschäftsführer des Elblandklinikums Riesa, diesen Part übernimmt. Er bringt umfangreiche praktische Erfahrung mit Hybrid-DRGs mit und beleuchtet zusätzlich die Vorhaltefinanzierung sowie die Einführung der Leistungsgruppen ab 2027 – speziell mit Blick auf die Gefäßmedizin.

 

HERZMEDIZIN: Wird das Thema auch kritisch diskutiert?


Korosoglou: Unbedingt. Es gibt ein interdisziplinäres Panel mit Ärztinnen, Ärzten und Medizincontrollern, das den Vortrag begleitet. Außerdem haben wir bewusst viel Zeit für Fragen und Diskussionen aus dem Plenum eingeplant. Gerade bei solch komplexen Themen ist der Austausch entscheidend.

Medizinische Inhalte der Veranstaltung

HERZMEDIZIN: Neben gesundheitspolitischen Fragen geht es auch um medizinische Inhalte. Welche Schwerpunkte setzen Sie hier?


Korosoglou: Ein zentraler Punkt ist die Behandlung der kritischen Extremitätenischämie – also der Beinerhalt bei schwer erkrankten Patientinnen und Patienten. Dabei diskutieren wir sowohl klinische Strategien als auch technische Aspekte: Welche Devices setzen wir ein? Wie erreichen wir eine möglichst lange Offenheit der Gefäße bis zur abgeschlossenen Wundheilung?

 

Darüber hinaus befassen wir uns intensiv mit der Lungenarterienembolie – von der Notfallversorgung bis hin zu lokalen Thrombolysen und Thrombektomien – sowie mit der Behandlung der infrarenalen Aorta, etwa bei Aneurysmen oder aortoiliakaler Verschlusskrankheit, interdisziplinär mit der Gefäßchirurgie.

 

HERZMEDIZIN: Auch aktuelle Studien spielen eine Rolle. Welche Debatten stehen hier im Mittelpunkt?


Korosoglou: Ein großes Diskussionsthema sind Drug-Coated Devices. Die kürzlich veröffentlichte SWEDEPAD-Studie zeigt lediglich einen marginalen Benefit im femoralen Bereich – ein Ergebnis, das im Widerspruch zu früheren Daten und zur klinischen Erfahrung vieler Zentren steht. Genau deshalb diskutieren wir diese Studie sehr kontrovers, inklusive ihrer Limitationen.

 

Ein weiterer Schwerpunkt ist die Sirolimus-Technologie. Laufende Studien wie SUCCESS PTA, SIRONA oder LIMES werden vorgestellt, auch wenn belastbare Daten für den klinischen Alltag noch ausstehen.

Kontroversen in Therapie und Gesundheitspolitik

HERZMEDIZIN: Das Motto der Veranstaltung lautet „Kontroverses in der Gefäßmedizin“. Wo liegen aktuell die größten Kontroversen?


Korosoglou: Ein Beispiel ist die Läsionspräparation. Verfahren wie Atherektomie oder Lithotripsie können den technischen Erfolg steigern – aber verbessern sie wirklich das klinische Outcome und den Beinerhalt? Darüber sind sich Gefäßmedizinerinnen und Gefäßchirurgen keineswegs einig. Genau solche Fragen wollen wir offen und interdisziplinär diskutieren.

 

HERZMEDIZIN: Auch gesundheitspolitisch gibt es Spannungsfelder. Welche sehen Sie besonders kritisch?


Korosoglou: Die Angiologie hat – anders als die Gefäßchirurgie – keine eigene Leistungsgruppe. Das ist problematisch, weil komplexe konservative und interventionelle angiologische Leistungen damit nicht adäquat abgebildet werden. Wir befürchten langfristige Auswirkungen auf die Versorgung, Finanzierung und Nachwuchsausbildung. Auch das ist ein Punkt, den wir auf der Veranstaltung klar adressieren.

Nachwuchsangebote und Allgemeines

HERZMEDIZIN: Stichwort Nachwuchs: Was bieten Sie jungen Kolleginnen und Kollegen?


Korosoglou: Am Freitag, dem 20. März, gibt es ein eigenes Nachwuchsprogramm mit zahlreichen praxisnahen Workshops – von Läsionspräparation und IVUS über Simulatortraining bis hin zur Wundversorgung beim diabetischen Fuß und Duplexsonografie bei pAVK. Wichtig ist uns: Der Einstieg soll niedrigschwellig sein.

 

HERZMEDIZIN: Und die Teilnahme?


Korosoglou: Die Veranstaltung und auch das Nachwuchsprogramm sind kostenfrei, eine Anmeldung ist erforderlich. Das Angebot richtet sich an alle Interessierten – Industrievertretende ausgenommen.

Mehr zum Thema

Zur Übersichtsseite Angiologie

Das könnte Sie auch interessieren

TCT Congress 2025 | SELUTION DeNovo: Sirolimus-freisetzende Ballons mit provisorischen Stents bei Bedarf als Alternative zu DES. Von Prof. C. Rammos.

TCT Congress 2025 | SELUTION4ISR: Sirolimus-freisetzende Ballons als stentfreie Alternative für In-Stent-Restenosen (ISR). Von Prof. C. Rammos.

TCT Congress 2025 | LIFE-BTK: Neue Langzeitdaten zu resorbierbaren Scaffolds vs. Angioplastie bei infrapoplitealer pAVK. Von Prof. C. Tiefenbacher.