DiGA werden immer mehr zu einem festen Bestandteil der medizinischen Versorgung und stehen sinnbildlich für den Wandel hin zu einer stärker digitalisierten Medizin. Sie eröffnen neue Möglichkeiten, Patientinnen und Patienten individueller zu betreuen und Therapieprozesse auch außerhalb der klassischen Arztpraxis zu begleiten. Gerade für Bereiche wie Prävention oder bei chronischen Erkrankungen scheinen sie besonders geeignet.
Im Kern handelt es sich bei DiGA um digitale Anwendungen – meist Apps –, die medizinisch fundierte Inhalte vermitteln und Patientinnen und Patienten aktiv im Umgang mit ihrer Erkrankung unterstützen. Anders als viele frei verfügbare Gesundheits-Apps müssen DiGA jedoch strenge Anforderungen erfüllen. Sie werden als Medizinprodukte eingestuft und durch das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) geprüft. Das bedeutet, dass ihre Wirksamkeit nachgewiesen sein muss und sie auf einer soliden wissenschaftlichen Grundlage basieren. Für Nutzerinnen und Nutzer schafft das ein gewisses Maß an Vertrauen und Orientierung in einem ansonsten unübersichtlichen App-Markt.
Der Zugang zu DiGA ist vergleichsweise einfach gehalten. Ärztinnen und Ärzte können sie ganz regulär per Rezept verordnen. Nach Einreichung bei der Krankenkasse erhalten Patientinnen und Patienten einen Freischaltcode, mit dem sie die Anwendung aktivieren können. In der Praxis funktioniert dieser Prozess meist reibungslos, auch wenn er für Patientinnen und Patienten mitunter etwas aufwendiger wirkt als eine klassische Medikamentenverordnung.
Die steigende Nutzung zeigt, dass DiGA zunehmend akzeptiert werden. Besonders Menschen zwischen 50 und 60 Jahren greifen häufig auf solche Anwendungen zurück, aber auch ältere Nutzergruppen holen auf. Ihre Wirkung entfalten DiGA häufig dadurch, dass sie Verhaltensmodifikationen bei Patienten und Patientinnen induzieren. Dazu kommt häufig eine Erfassung von gesundheitsrelevanten Messwerten wie Körpergewicht oder Blutdruck sowie von Verhaltensweisen wie körperlicher Aktivität und Ernährung zum Einsatz. Dies wird mit Erinnerungsfunktionen, beispielsweise an die Einnahme eines Medikamentes, und mit Wissensvermittlung über das entsprechende Krankheitsbild kombiniert. Über unterschiedliche Formen kontinuierlicher positiver Verstärkung also „Lob“ wird schließlich eine Verhaltensänderung beispielsweise zu mehr körperlicher Aktivität oder gesünderer Ernährung erzielt.
Auf diese Weise können DiGA Patientinnen und Patienten dabei unterstützen, ihre Erkrankung besser zu verstehen, Therapien konsequenter umzusetzen und ihren Lebensstil zu verändern. Gerade bei Herz-Kreislauf-Erkrankungen können DiGA so helfen, Risikofaktoren gezielt zu reduzieren. Ob die in Studien gezeigten Ergebnisse hinsichtlich einer Risikooptimierung und Verhaltensmodifikation durch DiGA tatsächlich langfristig – über den Verschreibungszeitraum hinaus – anhalten ist bislang nur unzureichend untersucht. Dies wäre notwendig, damit sich die Reduktion von Risiko auch tatsächlich in eine Reduktion von Morbidität und Mortalität übersetzen kann.
Ein zentrales Thema im Zusammenhang mit DiGA ist der Datenschutz. Da oft sensible Gesundheitsdaten verarbeitet werden, gelten in Deutschland besonders hohe Anforderungen. Neue gesetzliche Vorgaben und technische Richtlinien sollen sicherstellen, dass Daten vertraulich behandelt und vor Missbrauch geschützt werden. Für viele Nutzerinnen und Nutzer ist das eine wichtige Voraussetzung, um sich überhaupt auf digitale Anwendungen einzulassen.
Trotzdem bleibt ein gewisses Spannungsfeld bestehen. Auch wenn die Sicherheitsstandards hoch sind, lässt sich ein Restrisiko nie vollständig ausschließen. Technische Systeme können Fehler enthalten, und auch Cyberangriffe sind grundsätzlich möglich. Für Außenstehende ist zudem oft schwer nachvollziehbar, wie genau Daten verarbeitet und gespeichert werden. Hier kommt es entscheidend auf Transparenz und eine verständliche Kommunikation seitens der Anbieter an.
Insgesamt sind DiGA ein vielversprechender Schritt in Richtung einer moderneren, stärker vernetzten Gesundheitsversorgung. Sie bieten große Chancen, erfordern aber gleichzeitig einen verantwortungsvollen Umgang – sowohl auf technischer als auch auf organisatorischer Ebene. Eine ausgewogene Betrachtung auch hinsichtlich langfristiger Effektivität des Einsatzes von DiGA ist daher entscheidend, um ihr Potenzial sinnvoll auszuschöpfen.