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Exzellenz durch Wandel: Gestaltung moderner Karrierestrukturen

Eine moderne Medizin zeichnet sich durch exzellente Forschung, Lehre und eine Patientenversorgung auf höchstem Niveau aus. Um diese hohen Standards zu sichern, ist die Einbindung vielfältiger Talente entscheidend. Insbesondere das Potenzial des wachsenden Frauenanteils in der medizinischen Ausbildung kann künftig noch stärker genutzt und auf die Führungsebene übertragen werden.

Von:

Dr. Isabel Mattig 

Charité Berlin

 

12.02.2025

Bildquelle (Bild oben): PeopleImages.com / Yuri A / Shutterstock.com

Sichtbarkeit, „Leaking Pipeline“ und das „Hidden Curriculum“

Häufig wird die Unterrepräsentation von Frauen auf das „Visibility Paradox“ reduziert. Sichtbarkeit ist dabei ein wesentlicher erster Schritt, reicht jedoch allein nicht aus. Aktuelle Daten der Deutschen Gesellschaft für Kardiologie (DGK) verdeutlichen das vorhandene Talentreservoir: Während Frauen bereits rund 45 % der Fachärzteschaft innerhalb der DGK stellen, zeigt die Besetzung von etwa 10 % der chefärztlichen Positionen und Klinikdirektorinnen ein Entwicklungspotenzial auf.1

 

Unabhängig von der Disziplin machen Frauen rund zwei Drittel der Weiterbildungsassistentinnen in kommunalen Krankenhäusern aus, wobei sich der Anteil von Chefärztinnen seit dem Zeitraum von 2008 bis 2024 mit etwa 15–20 % relativ konstant zeigt.2 Um das bestehende Potenzial zu nutzen, sollte die „Leaking Pipeline“ durchlässiger und informelle Prozesse transparenter gestaltet werden: Indem das sogenannte „Hidden Curriculum“ – ungeschriebene Erwartungen und Netzwerke – durch klare, chancengerechte Standards und moderne Verfügbarkeitsnormen ersetzt wird, kann die Anerkennung von Leistung noch objektiver und strategisch wirksamer erfolgen.3

Vom Mentoring zum Systemdesign: Ein multifokaler Lösungsansatz

Ein nachhaltiger Strukturwandel erfordert das Zusammenspiel mehrerer Ebenen: 

 

  1. Sponsoring statt nur Mentoring: Während Mentoring berät, ermöglicht Sponsoring aktiv Karrieren. Besonders wirksam ist dabei ein Netzwerk aus mehreren Mentoren und Mentorinnen – bewusst auch außerhalb der eigenen Institution. Der gezielte Einsatz institutioneller Fürsprache ist ein entscheidender Karrierehebel, um z. B. Kandidatinnen aktiv in Gremien oder Führungspositionen zu platzieren.4,5
  2. Leadership- und Verhandlungskompetenz: Führungskompetenzen, Verhandlungsstärke und Karriereplanung sind essenzielle Ergänzungen fachlicher Expertise. Oft fehlt hier das Bindeglied zwischen fachlichem Können und strategischer Positionierung.5
  3. Institutionelle Rahmenbedingungen: Ein Perspektivwechsel hin zu optimierten Strukturen ermöglicht den Abbau von Barrieren und stellt sicher, dass sich Talente entwickeln können.3
  4. Strukturelle Inklusion als Führungsaufgabe: Inklusion muss messbar und verantwortlich verankert sein – etwa durch transparente Kriterien in Berufungsverfahren.6

 

Self-Empowerment von Kardiologinnen 

 

  • Aktive Suche nach Sponsorinnen und Sponsoren
  • Klare Kommunikation von Führungsambitionen
  • Frühzeitige Positionierung in Gremien und Netzwerken


Zukunftsweisende Rahmenbedingungen an Institutionen

 

  • Einführung struktureller Anreize
  • Objektivierung von Leistungsbewertung jenseits von Präsenzzeiten
  • Flexible Ausbildungs- und Arbeitsmodelle
  • Verankerung von Führungskräfteschulungen

Fazit: Exzellenz braucht Struktur

Eine zukunftsfähige Kardiologie entsteht durch die gemeinsame Weiterentwicklung von individueller Exzellenz und strukturellem Wandel und kann so das Potenzial aller Talente optimal nutzen.

Zur Autorin

Dr. Isabel Mattig

Dr. Isabel Mattig ist Fachärztin für Innere Medizin und Kardiologie am Deutschen Herzzentrum der Charité. Ihre Forschungsschwerpunkte umfassen Herzklappenerkrankungen und Kardiomyopathien; klinisch ist sie derzeit in den Bereichen Koronarinterventionen und Echokardiografie tätig. Sie engagiert sich in der DGK als Ambassadorin der Young DGK und ist Mitglied der European Society of Cardiology.
Dr. Isabel Mattig

Take-aways

  • Kardiologinnen sind stark unterrepräsentiert in leitenden ärztlichen Positionen, wie Klinikdirektion und Chefarztpositionen.
  • Das „Hidden Curriculum“ (ungeschriebene Erwartungen) sollte durch chancengerechte Standards ersetzt werden.
  • Weitere Lösungsansätze umfassen: Sponsoring (institutionelle Fürsprache als Karrierehebel), Stärkung von Leadership- und Verhandlungskompetenz, Abbau von Barrieren und Förderung von Inklusion (z. B. Einführung von transparenten Kriterien in Berufungsverfahren).
  • Neben dem Self-Empowerment von Kardiologinnen werden zukunftsweisende Rahmenbedingungen an Institutionen benötigt, um das Potenzial aller Talente optimal zu nutzen.

Referenzen

  1. Lerchenmuller C et al. Moving toward gender equity in the cardiology and cardiovascular research workforce in Germany: a report from the German Cardiac Society. Eur Heart J Open. 2023;3(2):oead034.
  2. Richter-Kuhlmann E. Ärztliche Leitung in Kliniken: „Frauenbetriebe, die von Männern geführt werden“. Deutsches Ärzteblatt. 2025;24.
  3. Gualano SK et al. Barriers and Facilitators to Women's Careers in Academic Cardiology: A Multicenter Qualitative Analysis. J Am Heart Assoc. 2025;14(19):e043329.
  4. Abudayyeh I et al. Landscape of Mentorship and its Effects on Success in Cardiology. JACC Basic Transl Sci. 2020;5(12):1181-6.
  5. Reza N, Krishnan S, Adusumalli S. A Model for the Career Advancement of Women Fellows and Cardiologists. J Am Coll Cardiol. 2020;76(8):996-1000.
  6. Bullock-Palmer RP et al. Cultivating a thriving environment for women in cardiology through leadership and inclusion. Am Heart J Plus. 2025;50:100500.

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