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Reanimation lernen – schon in der Grundschule?

DGK-Jahrestagung 2026 | Postervortrag: Bereits Grundschulkinder können Wiederbelebung erlernen – und sind hoch motiviert zu helfen. Eine Studie zeigt: Ein 90-minütiges BLS-Training verbessert nicht nur das Wissen, sondern stärkt auch Selbstvertrauen und Handlungsbereitschaft. Zudem tragen die Kinder das Erlernte als hochmotivierte Multiplikatoren in ihre Familien hinein.

 

Dr. Eva Rasenack (Universitätsmedizin Göttingen) präsentierte die Studiendaten und berichtet.1

Von:

Dr. Eva Rasenack

Universitätsmedizin Göttingen

 

20.04.2026

Bildquelle (Bild oben): m:con / Ben van Skyhawk

Beim außerklinischen Herz-Kreislauf-Stillstand zählt jede Minute. Eine frühzeitige Laienreanimation kann die Überlebenswahrscheinlichkeit entscheidend verbessern2 – wird in Deutschland jedoch weiterhin nur in etwa der Hälfte der Fälle durchgeführt3. Länder mit verpflichtendem Wiederbelebungsunterricht in Schulen erreichen deutlich höhere Raten.4 Vor diesem Hintergrund empfehlen die aktuellen Leitlinien des European Resuscitation Council (ERC) ein altersgerechtes BLS-Training bereits ab dem 4. Lebensjahr.5 Die Datenlage für BLS-Training im Grundschulalter ist bislang begrenzt.

Studiendesign

In einer monozentrischen Studie wurden 14 Klassen einer Grundschule (Klassenstufe 1 bis 4) in einem 90-minütigen BLS-Training gemäß ERC-Leitlinien geschult. Die Durchführung erfolgte durch medizinisches Fachpersonal. Im Anschluss wurden die Kinder digital mittels strukturierter Interviews zu Wissen, Motivation, Ängsten und Selbstwirksamkeit befragt. Lehrkräfte und Eltern erhielten ergänzend Fragebögen. 

Ergebnisse

Die Ergebnisse zeigen, dass bereits Grundschulkinder Wiederbelebungsmaßnahmen erlernen können. Die 5 Wissensfragen (zum Thema Prüfen – Rufen) wurden zu mindestens 85 % korrekt beantwortet, auch bei den jüngsten Teilnehmenden im Alter von 6 bis 7 Jahren.


Darüber hinaus berichteten 79 % der Kinder, sich nach dem Training in der Lage zu fühlen, im Notfall zu helfen, während 69 % keine Bedenken äußerten. Bemerkenswert ist zudem der ausgeprägte Multiplikatoreffekt: 78 % der Kinder wollten zuhause vom Training berichten. Entsprechend berichteten 69 % der Eltern, dass ihre Kinder selbstständig vom Training erzählten, weitere 27% auf Nachfrage.

 

Auch auf Elternebene zeigte sich ein Effekt: 46 % gaben an, über eine Auffrischung ihrer eigenen Kenntnisse in Wiederbelebungsmaßnahmen nachzudenken.


Ein relevanter Sicherheitsaspekt: 86 % der Eltern berichteten, dass ihre Kinder keine Ängste im Zusammenhang mit dem Training entwickelten. Die Lehrkräfte bewerteten das Konzept ebenfalls positiv: 92 % halten ein Reanimationstraining bereits im Grundschulalter für sinnvoll, zwei Drittel trauen sich eine eigenständige Vermittlung des Themas zu.

Fazit

Ein strukturiertes Reanimationstraining bereits im Grundschulalter ist nicht nur gut durchführbar, sondern auch effektiv und gut akzeptiert. Neben dem Wissenszuwachs profitieren Kinder insbesondere in ihrer Selbstwirksamkeit und Handlungsbereitschaft. Zudem stellen sie exzellente Multiplikatoren dar.

Zur Person

Dr. Eva Rasenack

Dr. Eva Rasenack ist als als Oberärztin in der Klinik für Kardiologie und Pneumologie an der Universitätsmedizin Göttingen tätig. Aufgrund von Erfahrungen aus Ihrer langjährigen Tätigkeit auf der kardiologischen Intensivstation initiierte sie das wissenschaftlich begleitete Grundschulprojekt zur altersgerechten Vermittlung von Wiederbelebungsmaßnahmen.
Dr. Eva Rasenack

Key Facts der Studie

In der Studie sollte untersucht werden, ob ein Laienreanimationstraining bereits in der Grundschule Sinn macht und ob die Kinder Ängste bzgl. des Themas entwickeln.

Wiederbelebungstraining in der Grundschule ist gut durchführbar, effektiv und akzeptiert. Es fördert Handlungsbereitschaft und Selbstwirksamkeit. Zudem stellen die Kinder hochmotivierte Multiplikatoren ihres erworbenen Wissens dar.

Die Einführung eines flächendeckenden Wiederbelebungsunterrichtes in Deutschland bereits ab der Grundschule hat das Potenzial, die Laienreanimationsquote in Deutschland nachhaltig zu steigern.

Referenzen

  1. Rasenack E, Zeldovich M, Blaschke-Steinbrecher S, et al.  „Drücken statt zögern“ schon im Grundschulalter: Machbarkeit und Akzeptanz eines Reanimationstrainings bei Kindern – eine monozentrische Studie. Postervortrag, Kardiovaskuläre Intensivmedizin: Möglichkeiten und Grenzen, 10.04.2026, Mannheim, DGK-Jahrestagung 2026.
  2. Gräsner JT, Wnent J, Herlitz J, et al. Survival after out-of-hospital cardiac arrest in Europe - Results of the EuReCa TWO study. Resuscitation. 2020 Mar 1;148:218-226.

  3. Fischer M, Wnent J, Gräsner J-T, et al. Jahresbericht des Deutschen Reanimationsregisters: Außerklinische Reanimation im Notarzt- und Rettungsdienst 2024. Anästh Intensivmed 2025;66:V99–V109.

  4. Danish Cardiac Arrest Registry, Executive Summary of the annual report 2023.

  5. Semeraro F, Schnaubelt S, Olasveengen TM, et al. ERC Systems Saving Lives Collaborator Group. European Resuscitation Council Guidelines 2025 System Saving Lives. Resuscitation. 2025 Oct;215 Suppl 1:110821.

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