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Studien kompakt

Kurz und knapp informiert: Dieses Mal geht es um altersadaptierte D-Dimer-Grenzwerte zur TVT-Diagnose, LDL-C-Senkung zur Vermeidung von Restenosen, Reizleitungsstörungen nach TAVI, Statine zur Primärprävention bei Diabetes, Aprocitentan bei unkontrollierter Hypertonie und CKD sowie MetBMI zur Risikovorhersage bei Adipositas.

Von:

Dr. Heidi Schörken

HERZMEDIZIN-Redaktion

 

14.01.2026

Bildquelle (Bild oben): niratsn2510 / Shutterstock.com

ADJUST-DVT: Altersadaptierte D-Dimer-Grenzwerte zur TVT-Diagnose

Kann ein altersadaptierter D-Dimer-Grenzwert (aaDD = Alter x 10 μg/l) gegenüber dem Standard-Grenzwert (500 µg/l) negative Verdachtsfälle einer tiefen Beinvenenthrombose (TVT) exakter ausschließen? Diese Frage untersuchte eine multizentrische Studie mit 3.205 Personen mit TVT-Verdacht, wovon nur 14 % tatsächlich eine TVT aufwiesen. Der aaDD erhöhte gegenüber dem Standard-Grenzwert bei den Über-75-Jährigen den Ausschlussanteil von 8,7 % auf 26,1 %, ohne dass falsch-negative Fälle darunter waren. Insgesamt weist die Studie darauf hin, dass die Verwendung von altersadaptierten D-Dimer-Grenzwerten in der klinischen Praxis vorteilhaft ist: Mehr Patientinnen und Patienten mit TVT-Verdacht könnten schneller aus der Notaufnahme entlassen werden.1

CONNECT: LDL-C-Senkung zur Vermeidung von Restenosen

Laut einer Posthoc-Analyse der CONNECT-Studie mit 178 Personen, die nach STEMI einen Drug-Eluting-Stent (DES) erhielten, erreichten 45 % nicht die LDL-C-Zielwerte. Fast jeder Fünfte dieser Gruppe entwickelte über 3 Jahre eine Neoatherosklerose – mehr als doppelt so viele gegenüber denjenigen mit LDL-C-Werten im Zielbereich (19 % vs. 7 %; p=0,02). Die Gruppe mit LDL-C-Werten im Zielbereich wurde häufiger mit hochdosierten Statinen (89 % vs. 69 %; p<0,001) und mit P2Y12-Inhibitoren (54 % vs. 38 %; p=0,03) behandelt. Diese Ergebnisse unterstreichen erneut die Bedeutung einer konsequenten LDL-C-Senkung für die Sekundärprävention nach dem Motto „je niedriger, desto besser.“2

TVT-Register: Linksschenkelblock nach TAVI

Neu auftretende Reizleitungsstörungen wie der Linksschenkelblock (LSB) zählen zu den häufigen Komplikationen einer TAVI-Intervention. Laut der Analyse des TVT-Registers entwickelten insgesamt 16,3 % von 202.533 Personen mit TAVI einen LBS, mit abnehmender Tendenz (von 19,9 % im Jahr 2016 auf 14,4 % im Jahr 2022). LBS waren mit einer ungünstigen Prognose verbunden im Hinblick auf: 1-Jahres-Gesamtmortalität, Rehospitalisierungen, Notwendigkeit von Herzschrittmachern, Lebensqualität und LVEF. Diese Ergebnisse legen nahe, dass weitere Anstrengungen notwendig sind, um eine LBS-Entwicklung nach TAVI zu vermeiden.3

Emulierte Real-World-Studie: Statine zur Primärprävention bei Diabetes

Profitieren auch Personen mit Diabetes und niedrigem Risiko von der Primärprävention mit Statinen? Diese Frage adressierte eine emulierte Studie mit rund 400.000 Personen der IQVIA-Datenbank (Primärarztversorgung in UK), die in 4 Kategorien eingeteilt wurden (anhand des 10-Jahres-Risikos laut QRISK3): niedriges Risiko 64.589, mittleres Risiko 117.630, hohes Risiko 101.262 und sehr hohes Risiko 135.067. Basierend auf einem Propensity-Score-Matching umfassten die Gruppen jeweils einen Anteil von 20 % an Personen, die neu auf Statine eingestellt wurden. Über ein medianes Follow-up von 81 Monaten war die Statintherapie mit einer Reduktion von Gesamtmortalität und schwerwiegenden kardiovaskulären Erkrankungen verbunden. Nebenwirkungen der Statintherapie traten kaum auf – mit Ausnahme eines leicht erhöhten Risikos für Myopathie in der Gruppe mit moderatem Risiko. Insgesamt unterstützt diese Studie den Einsatz von Statinen bei allen Personen mit Diabetes, unabhängig vom individuellen Risiko.4

PRECISION: Aprocitentan bei unkontrollierter Hypertonie und CKD

In einer Posthoc-Analyse der PRECISION-Studie wurde die Wirksamkeit und Sicherheit des dualen Endothelin-Rezeptorantagonisten Aprocitentan (12,5 und 25 mg) vs. Placebo als Add-on zu einer 3-fach-Blutdrucktherapie in der Subgruppe von 147 Personen mit CKD und unkontrollierter Hypertonie untersucht. Über 36 Wochen senkte Aprocitentan (25 mg) den nächtlichen systolischen Blutdruck um rund 16 mmHg und den Albumin-Kreatinin-Quotienten im Urin um rund 60 %. Aprocitentan war generell gut verträglich – als häufigste Nebenwirkungen traten periphere Ödeme auf. Laut den Autoren und Autorinnen stellt Aprocitentan eine vielversprechende Option zur Blutdrucksenkung dar, auch in der schwierig zu behandelnden Kohorte von Personen mit resistenter Hypertonie und CKD.5

Adipositas: MetBMI zur Einschätzung des metabolischen Risikos

Der Body-Mass-Index (BMI) eignet sich nur bedingt zur Risikostratifizierung bei Adipositas. Um das Risiko für metabolische Erkrankungen von Personen mit Adipositas genauer einzuschätzen, entwickelten Forschende der Universität Leipzig und der Universität Göteborg einen metabolischen BMI auf Basis schwedischer Registerdaten, der aus einem Panel von 66 Metaboliten besteht. Ein erhöhter MetBMI war mit einem höheren Risiko für Fettleber, Diabetes, Insulinresistenz, Hyperinsulinämie und Entzündungen assoziiert. Weiterhin wurde ein enger Zusammenhang zwischen MetBMI und einem ungünstigen Darmmikrobiom festgestellt. Der MetBMI könnte zukünftig dazu beitragen, um Hochrisiko-Personen mit Adipositas frühzeitiger zu erkennen und personalisiert zu behandeln.6

Referenzen

  1. Le Gal G et al. Age-Adjusted D-Dimer Cutoff Levels to Rule Out Deep Vein Thrombosis. JAMA. 2026 Jan 5:e2521561. doi: 10.1001/jama.2025.21561.
  2. Häner JD et al. Low-Density Lipoprotein Cholesterol Levels and Neoatherosclerosis After STEMI: A Secondary Analysis of the CONNECT Randomized Clinical Trial. JAMA Cardiol. 2025
  3. Singh N et al. Outcomes of Patients With New Left Bundle Branch Block After TAVR: TVT Registry Insights. Circ Cardiovasc Interv. 2026 Jan 2:e015441.
  4. Yan VKC et al. Effectiveness and Safety of Statins in Type 2 Diabetes According to Baseline Cardiovascular Risk: A Target Trial Emulation Study. Ann Intern Med. 2025 Dec 30.
  5. Rossignol P et al. Aprocitentan in Patients With Chronic Kidney Disease and Resistant Hypertension. Hypertension. 2025 Dec 9.
  6. Chakaroun RM et al. Multi-omic definition of metabolic obesity through adipose tissue-microbiome interactions. Nat Med. 2026 Jan 2. doi: 10.1038/s41591-025-04009-7. 

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