Ältere Frau mit Tablettenbox

Medikamenteneinnahme bei Hitze: Was müssen Menschen mit einer Herz-Kreislauf-Erkrankung beachten?

Hohe Temperaturen können den Körper und den Kreislauf erheblich belasten: Das Herz muss bei hohen Temperaturen mehr arbeiten, weil der Körper versucht, Wärme über die Haut abzugeben. Gleichzeitig verliert der Mensch durch Schwitzen Flüssigkeit und Salze. Deshalb kann es gerade in längeren Hitzeperioden notwendig sein, die Dosierung bestimmter Herzmedikamente anzupassen. Der Kardiologie PD Dr. Stefan Perings aus Düsseldorf gibt Tipps für den Umgang mit Herz-Kreislauf-Medikamenten bei Hitze. 

Von Romy Martínez 

 

25.06.2026

 

Bildquelle (Bild oben): PeopleImages / Shutterstock.com

Das Wichtigste in Kürze

  • Die wichtigste Regel lautet: Herzmedikamente niemals eigenständig absetzen oder die Dosis verändern!
  • Gerade bei anhaltender Hitze oder wenn Beschwerden auftreten, sollte die behandelnde Ärztin oder der behandelnde Arzt kontaktiert werden.
  • Bei blutdrucksenkenden Medikamenten kann die Hitze die Wirkung der Medikamente verstärken – unter anderem weil sich die Blutgefäße durch die Wärme zusätzlich erweitern.
  • Entwässerungsmittel (Diuretika) helfen dem Körper, überschüssiges Wasser und Salz auszuscheiden. Bei heißem Wetter verliert der Körper durch Schwitzen aber ohnehin mehr Flüssigkeit und Salz. Das kann zu einem Flüssigkeitsmangel führen.
  • Bei Symptomen wie Schwindel, Verwirrtheit, Schwäche, sehr wenig oder kein Urin – sofort ärztlichen Rat einholen!

Was ist die wichtigste Regel bei der Einnahme von Herzmedikamenten bei Hitze?

„Die wichtigste Regel lautet: Herzmedikamente dürfen niemals eigenständig abgesetzt oder in ihrer Dosierung verändert werden. Hohe Temperaturen können den Blutdruck senken und den Flüssigkeitshaushalt beeinflussen, sodass der Körper auf verordnete Medikamente anders reagiert als gewohnt“, erklärt der Kardiologie PD Dr. Stefan Perings. „Deshalb sollten Betroffene insbesondere an heißen Tagen aufmerksam auf ihren Körper hören, aber ihre Medikamente niemals eigenständig absetzen oder die Dosierung verändern, sondern bei Beschwerden ärztlichen Rat einholen."

Zum Experten

PD Dr. Stefan Perings

PD Dr. Stefan Perings ist Facharzt für Innere Medizin und Kardiologie und Ärztlicher Leiter des Cardio Centrums Düsseldorf. 

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Warum gilt bei blutdrucksenkenden Medikamenten an heißen Tagen besondere Vorsicht?

„Gerade bei blutdrucksenkenden Medikamenten ist bei großer Hitze besondere Vorsicht geboten. Hohe Temperaturen führen dazu, dass sich die Blutgefäße erweitern, damit der Körper überschüssige Wärme besser abgeben kann. Dadurch sinkt aber gleichzeitig auch der Blutdruck“, erklärt der Kardiologe. „Bei Menschen, die bereits Medikamente zur Blutdrucksenkung einnehmen, kann dieser Effekt zusätzlich verstärkt werden."

Welche Beschwerden können an heißen Tagen bei der Einnahme blutdrucksenkender Medikamente auftreten?

Für Menschen mit Bluthochdruck kann Hitze daher schnell zur Belastung werden. Denn durch das vermehrte Schwitzen verliert der Körper Flüssigkeit, was den Kreislauf zusätzlich beansprucht und die Wirkung blutdrucksenkender Medikamente verstärken kann. Mögliche Folgen sind:

 

  • Zu niedriger Blutdruck (Hypotonie): Symptome sind Schwindel, Benommenheit, Schwäche, verschwommenes Sehen oder Ohnmacht.
  • Stürze und Verletzungen: Besonders ältere Menschen haben ein erhöhtes Risiko für Stürze, vor allem beim schnellen Aufstehen.
  • Beeinträchtigung der Nierenfunktion: Ein zu niedriger Blutdruck und Flüssigkeitsmangel können die Durchblutung der Nieren vermindern.
  • Herz-Kreislauf-Beschwerden: Manche Betroffene berichten über Müdigkeit, Konzentrationsstörungen oder Herzklopfen.

Was muss man bei Hitze bei der Einnahme von Entwässerungsmitteln (Diuretika) beachten?

Entwässerungsmittel (Diuretika) helfen dem Körper, überschüssiges Wasser und Salz auszuscheiden. Bei heißem Wetter verliert der Körper durch Schwitzen aber ohnehin mehr Flüssigkeit und Salz. Wer dennoch die unveränderte Dosis eines entwässernden Medikamentes einnimmt, erhöht dadurch das Risiko für einen Flüssigkeitsmangel und Störungen des Salzhaushalts. Denn: Diuretika können die Konzentration von Elektrolyten verändern, insbesondere:

 

  • zu wenig Natrium (Hyponatriämie)
  • zu wenig Kalium (Hypokaliämie, bei manchen Diuretika)
  • in einigen Fällen zu viel Kalium (Hyperkaliämie, insbesondere bei kaliumsparenden Diuretika) 


Als Folge eines gestörten Elektrolythaushalts können Herzrhythmusstörungen auftreten: Das wird vor allem durch Veränderungen des Kaliumspiegels begünstigt. Zudem kann ein ausgeprägter Flüssigkeitsmangel die Nieren belasten und die Nierenfunktion verschlechtern.

Sollte man Entwässerungstabletten an heißen Tagen absetzen?

„Auch hier gilt: Änderungen an der Medikation sollten ausschließlich in Absprache mit dem behandelnden Arzt oder der behandelnden Ärztin erfolgen. Eine Dosisreduktion kann an heißen Tagen zwar durchaus sinnvoll sein, aber eben nicht in jedem Fall“, betont der Kardiologe. „Gerade bei Erkrankungen wie einer Herzschwäche kann eine zu starke Reduktion der Medikamente sogar gefährlich werden. Und bei herzkranken Patientinnen und Patienten, die durch vermehrtes Trinken zusätzliche Flüssigkeit einlagern, kann unter Umständen sogar das Gegenteil erforderlich sein. Deshalb ist eine individuelle ärztliche Beurteilung entscheidend, denn pauschale Empfehlungen gibt es hier nicht.“

Was sind typische Anzeichen, dass der Körper durch die Hitze zu viel Flüssigkeit verliert?

Eine Dehydrierung (Flüssigkeitsmangel) zeigt sich typischerweise durch starken Durst, einen trockenen Mund, Müdigkeit, Schwindel oder Verwirrtheit. Was vielen nicht bewusst ist: Auch durch den Flüssigkeitsverlust kann der Blutdruck stark abfallen. Das kann zu Schwindel, Benommenheit und Stürzen führen – insbesondere beim Aufstehen.

Welche Werte sollten Menschen mit Herzproblemen bei Hitze unbedingt im Blick behalten?

Patientinnen und Patienten mit Herz-Kreislauf-Erkrankungen sollten folgende Werte unbedingt regelmäßig kontrollieren: 

 

  • das Körpergewicht: Schwankungen können auf gefährliche Flüssigkeitseinlagerungen (Ödeme) oder Dehydratation (Flüssigkeitsmangel) hinweisen.
  • der Blutdruck: Sinkt er zu stark, ist irgendwann der Druck im Gefäßsystem zu gering, um das Gehirn und andere Organe ausreichend mit Blut zu versorgen.
  • der Puls: Ist er stark erhöht, steigt das Risiko für Herzprobleme.

 

Diese Werte liefern den behandelnden Ärztinnen und Ärzten wichtige Informationen, um bei Bedarf die Medikamententherapie sicher und gezielt anzupassen.

Bei welchen Warnzeichen sollte man bei Hitze sofort ärztlichen Rat einholen?

Bei diesen Warnzeichen sollte sofort ärztlicher Rat eingeholt werden:

 

  • starker Schwindel oder Ohnmacht
  • Verwirrtheit oder ungewöhnliche Müdigkeit
  • Herzrasen oder Herzstolpern
  • sehr wenig oder kein Urin
  • rasche Gewichtsveränderungen
  • starke Muskelkrämpfe
  • Blutdruckwerte deutlich unter den üblichen Werten
  • starke Schwäche

Was ist bei der Aufbewahrung von Herzmedikamenten im Sommer zu beachten?

„Wichtig zu wissen ist, dass hohe Temperaturen die Wirksamkeit von Medikamenten beeinträchtigen oder Wirkstoffe verändern können“, unterstreicht der Kardiologe. Medikamente sollten deshalb nicht längere Zeit in einem heißen Auto oder in der direkten Sonne liegen. Auch das Badezimmer oder die Küche sind aufgrund der häufig hohen Luftfeuchtigkeit meist keine geeigneten Aufbewahrungsorte. „Grundsätzlich empfiehlt es sich, die Hinweise in der Packungsbeilage zu beachten und Arzneimittel möglichst in der Originalverpackung zusammen mit dem Beipackzettel aufzubewahren.“

FAQ – Häufige Fragen zu Hitze und Herzgesundheit

Von Hitze spricht man in Deutschland, wenn die Tageshöchsttemperatur 30 °C oder mehr erreicht. Eine einheitliche Definition einer Hitzewelle gibt es nicht.

Grundsätzlich versucht der menschliche Körper, seine Kerntemperatur von etwa 37 Grad Celsius zu halten. Dafür stehen ihm vor allem zwei Mechanismen zur Verfügung: Er weitet die Blutgefäße, damit möglichst viel Blut an die Körperoberfläche kommt und dort von der Umgebungstemperatur abgekühlt werden kann. Außerdem bildet der Körper Schweiß – denn Verdunstung sorgt für Abkühlung. Für beide Prozesse muss das Herz mehr leisten.

Bei Hitze produziert der Körper mehr Schweiß. Die Gefäße weiten sich, um die Wärme nach außen abzugeben. Diese körpereigene Kühlung ist für Menschen mit einer Herz-Kreislauf-Erkrankung sehr anstrengend: Sie erfordert eine höhere Pumpleistung des Herzens, um die geweiteten Gefäße mit Blut zu versorgen. Dadurch sinkt der Blutdruck. Die Betroffenen fühlen sich müde, abgeschlagen und unkonzentriert. Bei Menschen mit einem schwachen Herz kann es sogar zum Kreislaufkollaps kommen.

Am besten spricht man mit der Kardiologin oder dem Kardiologen rechtzeitig über Vorsichtsmaßnahmen an den heißen Tagen. Auch über mögliche Dosisanpassungen. Im schlimmsten Fall könnten die Medikamente sonst sogar die Entstehung von Herz-Kreislauf-Problemen begünstigen.

Herzkranke sollten darauf achten, bei Hitze nicht zu wenig, aber auch nicht zu viel zu trinken. Wenn man zu viel trinkt, schafft es das Herz unter Umständen nicht, das Wasser aus dem Körper zu schaffen – dann kann es sich in Lungen oder Beinen stauen. Zu wenig Wasser ist aber auch problematisch. Menschen mit einer Herzschwäche oder bestimmten Nierenerkrankungen sollten ihre Trinkmenge daher individuell mit ihrer Ärztin oder ihrem Arzt abstimmen.

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