Mann mit Defibrillator-Implantat in der Hand

Nachgefragt: Was ich über meinen Defibrillator wissen sollte

Der Herzstillstand kommt meist ohne Vorwarnung. Plötzlich ist das Herz nicht mehr in der Lage, ausreichend Blut durch den Körper zu pumpen. Auslöser ist meist eine lebensbedrohliche Herzrhythmusstörung. Ein implantierter Defibrillator kann in solchen Situationen Leben retten. Doch was genau macht dieses Gerät eigentlich? Wer benötigt einen implantierbaren Defibrillator? Und wie lebt es sich damit?

 

Prof. Dr. Thomas Deneke klärt im Gespräch mit Karolin Bartels, Patientin und Vorständin von den Defihelden Wolfsburg, auf.

Von Kerstin Kropac

 

15.06.2026

 

Bildquelle (Bild oben): AYO Production / Shutterstock.com 

Das Wichtigste in Kürze

  • Ein implantierter Defibrillator ist ein System, das über Sonden, die im Herzen verankert sind, kontinuierlich die Herzfrequenz und den Herzrhythmus analysiert und überwacht.
  • Sobald der Defibrillator eine gefährliche Herzrhythmusstörung feststellt, gibt er einen elektrischen Impuls ab. Dadurch wird die Herzrhythmusstörung unterbrochen – und der natürliche Taktgeber des Herzens kann wieder die Kontrolle übernehmen.
  • Der Defibrillator kann eine lebensbedrohliche Herzrhythmusstörung entweder schmerzlos mit Überstimulation oder mit einer Schockabgabe beenden.
  • Es besteht die Möglichkeit, dass das Gerät fälschlicherweise anschlägt und per Schock behandelt – solche Fälle sind jedoch extrem selten.
  • Um fälschliche Schocks möglichst zu vermeiden, ist eine regelmäßige Nachsorge durch Fachärztinnen und -ärzte notwendig – in der Regel alle drei bis sechs Monate

Was ist ein Defibrillator?

„Ein Defibrillator ist ein System, das über Sonden, die im Herzen verankert sind, kontinuierlich die Herzfrequenz und den Herzrhythmus analysiert und überwacht“, erklärt Prof. Thomas Deneke, Chefarzt der Rhythmologie am Klinikum Nürnberg. So kann das Gerät gefährliche Rhythmusstörungen erkennen und behandeln. Zu schnelle Rhythmusstörungen kann es durch Überstimulation oder einen Schock beenden. Bei zu langsamen Herzschlägen kann es – ähnlich wie ein Herzschrittmacher – elektrische Impulse abgeben. „Ein Defibrillator ist sozusagen der lebensrettende Anker, den man als Patientin oder Patient ständig bei sich trägt“, so der Kardiologe.

Über Defihelden Wolfsburg

Die Initiative Defihelden Wolfsburg ist eine Gruppe von Patientinnen und Patienten mit implantiertem Defibrillator. Die Organisation bietet Betroffenen und Angehörigen eine Anlaufstelle zum Austausch von Erfahrungen zum Leben mit Defibrillator. Jeden zweiten Mittwoch im Monat findet im Klinikum Wolfsburg ein Gruppentreffen statt.

Was ist der Unterschied zwischen einem Defibrillator und einem Herzschrittmacher?

Schlägt das Herz zu langsam, kann es passieren, dass die Betroffenen in Ohnmacht fallen. Auch das Risiko eines plötzlichen Herztods ist erhöht. Um diese zu langsame Herzrhythmusstörung zu behandeln, ist meist die Implantation eines Herzschrittmachers notwendig. Der kann einen zu langsamen Puls beschleunigen. „Diese Funktion hat der Defibrillator ebenfalls“, erklärt Prof. Deneke. „Er kann zudem aber auch einen lebensbedrohlichen, zu schnellen Puls behandeln.“

Was genau passiert im Körper, wenn der Defibrillator auslöst?

Sobald der Defibrillator eine gefährliche Herzrhythmusstörung feststellt, gibt er einen elektrischen Impuls ab. Dadurch wird die Herzrhythmusstörung unterbrochen – und der natürliche Taktgeber des Herzens kann wieder die Kontrolle übernehmen. „Das funktioniert in den allermeisten Fällen“, sagt der Kardiologe. „Es besteht zwar auch die Möglichkeit, dass das Gerät fälschlicherweise anschlägt und per Schock behandelt – solche Fälle sind jedoch extrem selten.“ 

Wie fühlt sich die Schockabgabe eines Defibrillators an?

Der Defibrillator kann eine lebensbedrohliche Herzrhythmusstörung entweder schmerzlos mit Überstimulation beenden – oder aber mit einer Schockabgabe. „Patientinnen und Patienten empfinden den Schock sehr unterschiedlich“, erläutert der Experte. „Die meisten bekommen den Schock aber gar nicht mit, weil sie durch die bedrohliche Herzrhythmusstörung bereits bewusstlos geworden sind.“ Die seltenen Fälle eines fehlerhaften Schocks können dagegen durchaus unangenehm sein. 

Wie sollte man vorgehen, wenn der Defibrillator schockt, obwohl kein akuter Notfall vorliegt?

„Wenn der Defibrillator schockt, sollte man das Gerät zeitnah abfragen, um zu überprüfen: Ist es eine Fehlfunktion? Oder hat es eine echte, bedrohliche Herzrhythmusstörung erkannt?“, sagt Prof. Deneke. Der Kardiologe empfiehlt eine Abklärung spätestens am nächstmöglichen Arbeitstag. Falls mehr als ein Schock hintereinander abgegeben wird, sollte man sich sogar auf direktem Weg in die Klinik begeben.

 
„Heutzutage kann man die meisten Geräte aber auch per Telemedizin kontinuierlich und sehr genau überwachen, ohne dass Patientinnen und Patienten zur Abfrage in die Arztpraxis oder ins Krankenhaus kommen müssen“, sagt der Kardiologe. Manche Defibrillatoren senden die Informationen auch selbstständig an nachsorgende Ärztinnen und Ärzte. So müssen Patientinnen und Patienten nicht aktiv eingreifen und können somit auch nichts vergessen.

Zum Experten

Prof. Dr. Thomas Deneke

Prof. Dr. Thomas Deneke ist Chefarzt der Rhythmologie am Klinikum Nürnberg und Herausgeber von Herzmedizin.de.

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Wie häufig sollten implantierte Defibrillatoren ärztlich kontrolliert werden?

Um fälschliche Schocks möglichst zu vermeiden, ist eine regelmäßige Nachsorge durch Fachärztinnen und -ärzte notwendig – in der Regel alle drei bis sechs Monate: „Hierbei werden die technischen Details und auch mögliche gespeicherte Episoden von Rhythmusstörungen über ein speziell dafür entwickeltes Abfragegerät ausgelesen“, erklärt der Kardiologe. Das ist vollkommen schmerzlos. Auch ein Umprogrammieren des Geräts ist so möglich.

Was muss im Alltag mit Defibrillator beachtet werden?

„Die Systeme sind hochsicher. Man muss keine Angst haben, dass das Gerät durch irgendetwas gestört wird, wenn man sich in der normalen häuslichen Umgebung befindet“, sagt Prof. Deneke. So werden zum Beispiel Induktionskochfelder oft durch die Defibrillatoren erkannt – und dann wird per Warnton auf eine Interaktion der Geräte aufmerksam gemacht. Auch Sport kann ausgeübt werden – eine mögliche Hürde ist häufig die zugrunde liegende Herzerkrankung selbst. 


Das Thema Autofahren ist dagegen etwas komplexer: Nach einem Defi-Schock, der durch eine bedrohliche Herzrhythmusstörung ausgelöst wurde, gilt ein Fahrverbot – für Betroffene ohne bisherige Behandlung durch ihren Defibrillator dagegen nicht. „Hier sollte je nach Einzelfall Rücksprache mit der Kardiologin oder dem Kardiologen gehalten werden“, empfiehlt Prof. Deneke. Dasselbe gilt auch für MRT-Untersuchungen. Auch die erfordern immer eine enge Absprache.

FAQs – Häufige Fragen zu Herzschrittmachern

Der Herzmuskel wird durch elektrische Impulse gesteuert. Der sogenannte Sinusknoten im Herzen generiert normalerweise etwa 60- bis 70-mal in der Minute einen elektrischen Strom. Er gilt deshalb auch als Taktgeber oder natürlicher Schrittmacher des Herzens. 

Nicht jeder Mensch mit einem langsamen Puls benötigt einen Herzschrittmacher. Zwei Kriterien sind entscheidend: Drohen dem Betroffenen Ohnmachtsanfälle oder sogar ein plötzlicher Herzstillstand? Und: Lässt sich die Ursache für den langsamen Puls eventuell auch anders beheben?

Der Herzschrittmacher nimmt alle Aktionen im Herzen wahr – er kann also feststellen, wann der Vorhof schlägt, und wann die Hauptkammer. Ihm fällt sofort auf, wenn in einem erwarteten Zeitintervall keine Aktion im Vorhof oder in der Kammer stattfindet. Dann beginnt er zu stimulieren.

Ein normaler Schrittmacher kann einen zu langsamen Herzschlag beschleunigen, ist aber nicht in der Lage, eine schnelle Herzrhythmusstörung zu beenden. Dafür gibt es Kombinationsgeräte, sogenannte Defibrillatoren. Auch sie nehmen Veränderungen im Herzrhythmus wahr. Und sobald eine bestimmte Schlagfrequenz in der Hauptkammer überschritten wird – man spricht dann von Kammertachykardien oder im schlimmsten Fall vom Kammerflimmern – reagieren diese Geräte. Sie unterdrücken die gefährliche Herzrhythmusstörung dann entweder mit einer noch schnelleren Stimulation oder aber mit einer Schockentladung.

Die Hauptursache für den plötzlichen Herztod sind schnelle Kammerrhythmusstörungen, sogenannte Kammertachykardien und Kammerflimmern. Dann pumpt das Herz nicht mehr ausreichend, sodass kein Blut mehr ausgeworfen werden kann. Die zweithäufigste Ursache sind sogenannte bradykarde Herzrhythmusstörungen. Dann schlägt das Herz zu langsam oder gar nicht mehr.

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