Das Wichtigste in Kürze
-
Für eine frühe Erkennung von Bluthochdruck ist eine regelmäßige Kontrolle des Blutdrucks wichtig.
-
Fachgesellschaften empfehlen, den Blutdruck ab dem 40. Lebensjahr einmal jährlich ärztlich überprüfen zu lassen.
-
Auch bei bereits diagnostiziertem Bluthochdruck ist eine regelmäßige Kontrolle essenziell.
-
Messungen in der Arztpraxis sind nicht immer verlässlich: Beim Weißkittelhochdruck ist der Blutdruck bei der Messung in der Praxis fälschlicherweise erhöht, bei der maskierten Hypertonie fälschlicherweise normal.
-
Generell reicht eine einmalige Messung nicht aus. Empfohlen werden 2 Messungen im Abstand von einer Minute.
-
Bei deutlichen Abweichungen zwischen den Messungen in der Arztpraxis und zuhause wird zusätzlich eine 24-Stunden-Blutdruckmessung empfohlen.
-
Für die häusliche Blutdruckmessung sollten nur validierte Blutdruckmessgeräte verwendet werden, vorzugsweise mit einer Oberarm-Manschette.
-
Empfohlen wird die Messung 1 x pro Monat an 7 Tagen oder 7 Tage lang vor dem nächsten Arztbesuch. Es sollte 2 x täglich gemessen werden – morgens und abends.
In Deutschland ist fast jede dritte Person von Bluthochdruck (Hypertonie) betroffen. Entgegen der allgemeinen Meinung ist die Volkskrankheit Bluthochdruck keineswegs harmlos. Bereits ein leicht erhöhter Blutdruck lässt das Risiko für Herzinsuffizienz, Herzinfarkt, Schlaganfall, Nierenerkrankungen und Demenz ansteigen.
Die gute Nachricht ist, dass es heutzutage viele Möglichkeiten gibt, um den Blutdruck unter Kontrolle zu bringen. Neben einer breiten Palette an Medikamenten gibt es auch einfache helfende Maßnahmen, wie körperliche Aktivität, ausgewogene Ernährung und Gewichtsreduktion. Hier erfahren Sie mehr über Maßnahmen und Medikamente zur Blutdrucksenkung und hier erhalten Sie Informationen zu Blutdruckmythen im Faktencheck.
Bluthochdruck – die stille schleichende Gefahr
Da ein erhöhter Blutdruck nicht weh tut und erste Anzeichen eher unspezifisch sind, wie Kopfschmerzen oder Übelkeit, kann Hypertonie längere Zeit unbemerkt bleiben. Ein unbehandelter Bluthochdruck ist jedoch eine schleichende Gefahr, denn langfristig entstehen kleinste Risse in den Gefäßen, die weiteren Folgen haben können. „Der Bluthochdruck kann in den Gefäßen eine Atherosklerose erzeugen“, sagt Prof. Felix Mahfoud, Chefarzt der Kardiologie am Universitätsspital Basel zu den Folgen von unbehandeltem Bluthochdruck. „Diese Atherosklerose kann zu Gefäßverengungen und auch zu akuten Gefäßverschlüssen führen.“
Zum Experten
Prof. Dr. Felix Mahfoud
Prof. Dr. Felix Mahfoud ist Direktor der Klinik für Kardiologie am Universitätsspital Basel.
Wie oft sollte der Blutdruck kontrolliert werden?
Um Bluthochdruck frühzeitig zu erkennen und zu behandeln, ist es wichtig, den Blutdruck regelmäßig zu kontrollieren. Fachgesellschaften empfehlen, den Blutdruck ab dem 40. Lebensjahr einmal jährlich ärztlich überprüfen zu lassen. Aber auch wenn ein Bluthochdruck vorliegt und medikamentös behandelt wird, sind regelmäßige Kontrollen unerlässlich. Nur so kann überprüft werden, ob die Therapie anschlägt und ausreichend wirkt. Kleinere Veränderungen im Alltag, wie z. B. Hormonschwankungen, Ernährungsgewohnheiten, Alkoholkonsum, Rauchen, Stress, Begleiterkrankungen oder Medikamente können den Blutdruck ungünstig beeinflussen und stellen mögliche Ursachen für Bluthochdruck dar.
Wann ist der Blutdruck zu hoch?
Ein optimaler Blutdruck liegt bei 120/70 mmHg oder darunter. Wobei der erste (systolische) Wert den maximalen Druck in den Arterien angibt, wenn das Herz Blut in den Kreislauf pumpt. Der zweite (diastolische) Wert zeigt den Druck in den Arterien, während sich das Herz zwischen zwei Schlägen entspannt. Werte über dieser Grenze gelten als „hoch-normal“ und sollten beobachtet werden. Ab 140/90 mmHg sprechen Fachleute von Bluthochdruck (Hypertonie).
Weißkittelhochdruck und maskierte Hypertonie
Bei etwa jeder dritten Person, bei der ein erhöhter Blutdruck in der Arztpraxis gemessen wird, liegt in Wirklichkeit gar kein Bluthochdruck vor, sondern die hohen Werte sind auf Aufregung und Stress durch die ungewohnte Situation zurückzuführen. Man spricht in diesem Fall von einem Weißkittelhochdruck. Aber auch der umgekehrte Fall kommt vor: Bei etwa 10–20 % der Personen, bei denen ein normaler Blutdruck in der Arztpraxis gemessen wurde, liegt in Wirklichkeit ein Bluthochdruck vor. Fachleute sprechen hierbei von einer maskierten Hypertonie.
Beide Phänomene, Weißkittelhochdruck und maskierte Hypertonie, sind darauf zurückzuführen, dass die Messung des Blutdrucks in der Arztpraxis nur eine Momentaufnahme darstellt. Der Blutdruck variiert jedoch naturgemäß und unterliegt vielen Einflüssen, wie Tageszeit, körperliche Aktivität und psychischer Stress. Heim-Messungen haben den Vorteil, dass diese in vertrauter Umgebung und entspannter Atmosphäre stattfinden und regelmäßig zu unterschiedlichen Tageszeiten erfolgen können.
Ob zuhause oder in der Arztpraxis – generell reicht die einmalige Messung des Blutdrucks nicht aus. Es sollten immer 2 Messungen im Abstand von einer Minute hintereinander erfolgen. Bei deutlichen Abweichungen zwischen den Messungen in der Arztpraxis und zuhause wird zusätzlich eine 24-Stunden-Blutdruckmessung empfohlen.
Was ist beim häuslichen Blutdruckmessen zu beachten?
Die Fachgesellschaften haben erst vor kurzem den Stellenwert der Heim-Blutdruckmessung noch weiter gestärkt. Grundsätzlich sind jedoch nur validierte Blutdruckmessgeräte für die häusliche Blutdruckmessung zu verwenden, vorzugsweise mit einer Oberarm-Manschette. Die Hochdruckliga hat eine Liste von geeigneten Geräten zusammengestellt. Handgelenkmessgeräte sind zwar praktisch, aber es besteht hier die Gefahr, dass sie nicht auf Herzhöhe gehalten werden und dadurch keine verlässlichen Werte liefern. Laut den Empfehlungen der Fachgesellschaften sollten die Messungen 1 x pro Monat an 7 Tagen oder 7 Tage lang vor dem nächsten Arztbesuch erfolgen. Es sollte 2 x täglich gemessen werden – morgens und abends. Die Messungen erfolgen im Sitzen (nach 5-minütiger Ruhepause), wobei der Arm auf dem Tisch in Herzhöhe liegt. Es sollten jeweils 2 Messungen im Abstand von einer Minute hintereinander erfolgen und beide Werte notiert werden.
Checkliste für das richtige Blutdruckmessen zuhause:
- Ruhiges Umfeld ohne Ablenkung bei angenehmer Temperatur
- Vor jeder Messung 30 Minuten lang keinen Kaffee trinken, keinen Sporttreiben, nichts essen und keine Medikamente einnehmen
- Sitzposition auf einem Stuhl einnehmen, den Rücken anlehnen, die Füße flach auf dem Boden abstellen und vor dem Messen eine Ruhepause von 5 Minuten einhalten.
- Arm unbekleidet auf den Tisch ablegen und mittleren Oberarm in Herzhöhe positionieren
- Die Manschette an den Oberarm anlegen und die Größe an den Armumfang anpassen
- Während der Messungen nicht sprechen
- 2 Messungen hintereinander durchführen mit einer Minute Pause dazwischen (beide Messwerte notieren)
- Messungen 2 x täglich – morgens und abends
- Messungen 1x pro Monat an 7 Tagen oder 7 Tage lang vor dem nächsten Arztbesuch
FAQ – Häufige Fragen zum Bluthochdruck
Der Experte Prof. Felix Mahfoud (Chefarzt der Kardiologie am Universitätsspital Basel) beantwortet 5 häufige Fragen (FAQ) zum richtigen Blutdruckmessen zuhause:
Bluthochdruck verursacht oft lange keine Beschwerden und bleibt deshalb häufig unbemerkt. Regelmäßige Messungen zuhause helfen, erhöhte Werte frühzeitig zu erkennen und die Wirksamkeit einer Behandlung besser zu beurteilen.
Häufige Fehler sind Messungen direkt nach körperlicher Aktivität, Stress oder Kaffee- bzw. Nikotinkonsum sowie eine falsche Sitzposition oder eine ungeeignete Manschettengröße. Wichtig ist, in Ruhe zu messen und mindestens 2 Messungen durchzuführen.
Apps können hilfreich sein, um Werte zu dokumentieren und an die Medikamenteneinnahme zu erinnern. Smartwatches und andere tragbare Geräte sind sicherlich technisch interessant, ersetzen aber derzeit noch nicht die Genauigkeit validierter Oberarm-Blutdruckmessgeräte.
Sehr hohe Blutdruckwerte über 180/110 mmHg sollten zeitnah ärztlich abgeklärt werden. Wenn Beschwerden wie Brustschmerzen, Atemnot, neurologische Symptome oder starke Kopfschmerzen auftreten, sollte eine Notfall-Behandlung erfolgen. Leicht bis mäßig erhöhte Werte sollten mit dem Hausarzt/Kardiologen besprochen werden, auch wenn keine Beschwerden bestehen.
Blutdruckmessen zuhause sollte keine Belastung sein, sondern ein hilfreiches Instrument, um die eigene Gesundheit besser zu verstehen. Wichtig ist Regelmäßigkeit, korrekte mehrfach Messungen und die Verwendung eines validierten Geräts.
Weitere informative Artikel dazu finden Sie auf unserer Übersichtsseite Blutdruck.