Das Wichtigste in Kürze
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Ab 140/90 mmHg sprechen Fachleute von einem Bluthochdruck (Hypertonie).
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Auch ein leicht erhöhter Blutdruck über 130/85 mmHg sollte ernst genommen und ärztlich kontrolliert werden.
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Regelmäßige körperliche Aktivität kann helfen, den Blutdruck zu senken.
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Menschen mit Bluthochdruck müssen nicht komplett auf Salz verzichten, ihren Konsum aber reduzieren.
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Auch eine Gewichtsreduktion führt zu niedrigeren Blutdruckwerten.
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Ein moderater Kaffee-Konsum gilt auch für Patientinnen und Patienten mit Bluthochdruck als sicher.
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Häufig bemerken Betroffene nicht, dass ihr Blutdruck erhöht ist – dennoch kann er Schäden an Herz, Gehirn, Nieren und Gefäßen verursachen.
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Es ist wichtig, regelmäßig seinen Blutdruck zu kontrollieren: Je früher ein Bluthochdruck behandelt wird, desto besser lässt er sich kontrollieren.
Mythos 1: Menschen mit Bluthochdruck sollten komplett auf Salz verzichten
Das ist falsch! Der Körper braucht Salz für die Regulation seines Wasserhaushalts, für die Nervenreizleitung und die Muskelkontraktion – daher ist ein kompletter Salzverzicht auch für Menschen mit Bluthochdruck nicht sinnvoll. „Allerdings sollte man möglichst wenig zu sich nehmen“, sagt Prof. Mahfoud. „Die Leitlinien empfehlen maximal etwa 5 Gramm Kochsalz pro Tag – das entspricht rund 2 Gramm Natrium.“ Meist liegt der Konsum aber deutlich höher: Laut einer Untersuchung des RKI verzehren Männer am Tag durchschnittlich etwa 10 Gramm, Frauen 8,4 Gramm Kochsalz – also 4 Gramm, beziehungsweise 3,4 Gramm Natrium.
Das Problem: Bei Bluthochdruck (Hypertonie) ist der Druck in den Blutgefäßen ohnehin zu hoch. Ein hoher Salzkonsum kann ihn noch zusätzlich erhöhen, da das enthaltene Natrium Wasser im Körper bindet – dadurch steigen das Blutvolumen und damit auch der Druck in den Gefäßen an.
„Um den Salzkonsum zu reduzieren, kann es für Menschen mit Bluthochdruck sinnvoll sein, statt normalem Speisesalz Kaliumchloridsalz zu verwenden, bei dem das Natrium zum Teil durch Kalium ersetzt wird. Das wird dann als Bluthochdrucksalz oder Gesundheitssalz verkauft“, so der Kardiologe. Eine große Studie konnte zeigen, dass ein Salzersatz mit Kaliumchlorid das Risiko für Schlaganfälle, schwere kardiovaskuläre Ereignisse und kardiovaskuläre Todesfälle senken kann.
Wichtig zu wissen: Solche Kaliumchlorid-haltigen Ersatzprodukte sollten nicht von Menschen mit eingeschränkter Nierenfunktion verwendet werden!
Zum Experten
Prof. Dr. Felix Mahfoud
Prof. Dr. Felix Mahfoud ist Direktor der Klinik für Kardiologie am Universitätsspital Basel.
Mythos 2: Ein leicht erhöhter Blutdruck muss nicht behandelt werden
Auch das stimmt leider nicht. Verschiedene Untersuchungen zeigen, dass bereits moderate Erhöhungen des Blutdrucks messbare Auswirkungen auf Gefäße und Organe haben und somit langfristig das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen erhöhen. Eine große Metaanalyse kam zu folgendem Ergebnis: Bei einem systolischen Wert von 130 mmHg lag das Risiko kardiovaskulärer Ereignisse bereits um etwa 81 Prozent höher als bei einem Wert von 100 mmHg. Bei 140 mmHg lag die Erhöhung sogar bei über 130 Prozent.
„Ab welchem Wert wir eine Behandlung beginnen, hängt auch vom individuellen Risiko des Patienten oder der Patientin ab“, sagt Prof. Mahfoud. Also: Hatte die Person bereits einen Herzinfarkt oder Schlaganfall? Liegt eine Herzkranzgefäß-Verengung vor? Eine Nierenschwäche? „Bei hohem Risiko kann schon bei Werten über 130 mmHg eine Blutdrucktherapie empfehlenswert sein“, so der Kardiologe. Liegen keine weiteren Risikofaktoren vor, reichen bei einem leicht erhöhten Blutdruck manchmal Lebensstilveränderungen aus: Gewichtsreduktion, regelmäßige Bewegung, eine ausgewogene Ernährung und der Verzicht auf Alkohol.
Dennoch: Auch ein leicht erhöhter Blutdruck sollte ernst genommen und zeitnah erneut ärztlich kontrolliert werden!
Mythos 3: Sport kann den Blutdruck genauso gut senken wie Medikamente
An dieser Annahme ist etwas dran! Regelmäßige körperliche Aktivität gilt als eine der wichtigsten nichtmedikamentösen Maßnahmen zur Blutdrucksenkung. Strengen wir uns körperlich an, steigt der Blutdruck, um den Körper ausreichend mit Sauerstoff und Nährstoffen zu versorgen. Langfristig macht das unsere Gefäße elastischer. „Daher empfehlen wir unseren Patientinnen und Patienten etwa 150 Minuten Ausdaueraktivität pro Woche, zum Beispiel 30 Minuten an fünf Tagen: Joggen, Fahrradfahren, Treppensteigen oder schnelles Gehen", erklärt Prof. Mahfoud.
Je nach Studie ist damit eine Blutdrucksenkung von bis zu 10 mmHg möglich. Das ersetzt in den meisten Fällen aber nicht eine medikamentöse Therapie. „Wenn Patienten oder Patientinnen mit einem systolischen Blutdruck von 145 mmHg regelmäßig Sport treiben, zudem ihr Gewicht reduzieren und salzarm essen haben sie durchaus gute Chancen, dass sie keine oder weniger Medikamente brauchen", sagt der Kardiologe. Liegen die Blutdruckwerte höher, sind Medikamente häufig – trotz Sport – notwendig, um das Risiko für Herzinfarkt, Schlaganfall oder Nierenschäden zu reduzieren. Dann kann Bewegung die medikamentöse Behandlung effektiv ergänzen.
Wann ist der Blutdruck zu hoch?
Ein optimaler Blutdruck liegt bei unter 120/80 mmHg. Wobei der erste (systolische) Wert den maximalen Druck in den Arterien angibt, wenn das Herz Blut in den Kreislauf pumpt. Der zweite (diastolische) Wert zeigt den Druck in den Arterien, während sich das Herz zwischen zwei Schlägen entspannt. Schon Werte ab 130/85 mmHg gelten als „hoch-normal“ und sollten beobachtet werden. Ab 140/90 mmHg sprechen Fachleute von Bluthochdruck (Hypertonie).
Mythos 4: Eine einmalige Blutdruckmessung in der Praxis ist aussagekräftig
Leider nein! Eine einzelne Messung zeigt immer nur eine Momentaufnahme. Die Höhe des Blutdrucks wird aber von vielen Faktoren beeinflusst – zum Beispiel von der Aufregung oder Anstrengung, wenn die Patientinnen und Patienten zuvor Treppen gestiegen sind. „Daher ist es wichtig, mehrfach hintereinander zu messen“, sagt Prof. Mahfoud. „Die Werte der ersten Messung sind in der Regel höher als die der zweiten, deshalb sollte man mindestens zweimal, besser sogar dreimal messen – und dann den ersten Wert verwerfen.“
Bei einigen Patientinnen und Patienten tritt auch eine sogenannte Weißkittelhypertonie auf – dann ist der Blutdruck in der Praxis erhöht, während die Werte zu Hause normal sind.
Mythos 5: Im Alter bekommt jeder Mensch Bluthochdruck
Nicht jeder Mensch entwickelt im Alter einen Bluthochdruck – aber das Risiko steigt stark an. Etwa jede und jeder Zweite über 60-Jährige hat zu hohe Werte, da die Gefäße durch den natürlichen Alterungsprozess Elastizität verlieren. Das bedeutet aber nicht, dass Bluthochdruck unvermeidlich ist! „Ein gesunder Lebensstil mit ausgewogener Ernährung, regelmäßiger Bewegung, Nichtrauchen und moderatem Alkoholkonsum kann das Risiko deutlich reduzieren und den Blutdruck auch im höheren Alter stabil halten“, sagt Prof. Mahfoud.
Mythos 6: Stress kann Bluthochdruck verursachen
Dauerstress gehört – wie Rauchen und übermäßiger Alkoholkonsum – zu den vermeidbaren Risikofaktoren für Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Stress kann sowohl die Herzfrequenz als auch den Blutdruck erhöhen. Daher wird im Anamnesegespräch, also bei der Erhebung der Krankengeschichte und der Suche nach einer Ursache für die erhöhten Blutdruckwerte, auch nach dem Stresslevel gefragt.
„Wenn jemand beispielsweise einen systolischen Blutdruck von 145 mmHg hat und angibt, die Woche sei extrem stressig gewesen, ist es vorstellbar, erst einmal eine Lebensumstellung mit Sport und Stressreduktion zu versuchen“, erklärt Prof. Mahfoud. Allerdings rät er, nach maximal ein bis drei Monaten noch einmal den Blutdruck zu kontrollieren. „Man sollte – und das passiert leider immer wieder – hohe Blutdruckwerte nicht nur auf den Stress schieben und dann dauerhaft mit einem unbehandelten Bluthochdruck von 150 mmHg durch die Gegend laufen. Das schadet der Herz-Kreislauf-Gesundheit!“
"Unser Körper hat leider keine Sensoren für Blutdruck. Umso wichtiger sind regelmäßige Blutdruckkontrollen."
Prof. Felix Mahfoud
Mythos 7: Übergewichtige bekommen eher Bluthochdruck
Das stimmt! Übergewicht zählt zu den größten Risikofaktoren für Bluthochdruck. „Als Faustregel gilt: Pro 10 Kilogramm Körpergewichtsabnahme nimmt der Blutdruck um 10 mmHg ab“, sagt Prof. Mahfoud. „Meinen Patientinnen und Patienten erkläre ich: Stellen Sie sich vor, Sie müssten jeden Tag einen Wasserkasten mit sich herumschleppen – und zwar überall hin. Und manche schleppen ja sogar zwei Wasserkisten mit sich herum. Das ist eine große Belastung für den Körper.“
Dazu kommt: Übergewicht, vor allem das Bauchfett, löst Entzündungsreaktionen im Körper aus. „Und die wiederum aktivieren das sympathische Nervensystem, also unseren Stressnerv. Auch das erhöht den Blutdruck“, erklärt der Kardiologe. Allerdings können auch normalgewichtige Menschen einen Bluthochdruck entwickeln – aufgrund genetischer Faktoren, eines ungesunden Lebensstils, hormoneller Störungen oder Erkrankungen – zum Beispiel der Niere.
Mythos 8: Kaffee erhöht den Blutdruck
„Kaffee gilt nicht als Ursache einer chronischen Hypertonie“, sagt Prof. Mahfoud. „Wir wissen aber, dass Koffein die Herzfrequenz und damit auch den Blutdruck kurzfristig ein bisschen erhöhen kann. Bei Dauerkonsum entwickelt sich eine Toleranz.“ Bei Menschen, die selten Kaffee trinken, ist dieser Effekt etwas stärker. Grundsätzlich gilt ein moderater Konsum auch für Patientinnen und Patienten mit Bluthochdruck als sicher.
Wichtig zu wissen: Um Messwerte nicht zu verfälschen, sollte eine Blutdruckmessung am besten vor dem ersten Kaffee durchgeführt werden – oder aber mindestens eine halbe Stunde später.
Mythos 9: Mir geht es gut, also ist mein Blutdruck in Ordnung
Das ist leider ein Trugschluss! Viele Betroffene fühlen sich vollkommen gesund, obwohl ihre Blutdruckwerte deutlich erhöht sind. Laut dem Kardiologen machen drei Aspekte das Bluthochdruck-Management schwierig:
- Bluthochdruck tut nicht weh.
- Er ist einfach zu diagnostizieren, wird aber häufig nicht diagnostiziert.
- Er ist einfach zu behandeln, bleibt aber häufig unbehandelt.
„Einige Patientinnen und Patienten bekommen Kopfschmerzen, fühlen sich müde und abgeschlagen, spüren einen Druck auf der Brust oder Luftnot“, erklärt Prof. Mahfoud. „Andere kommen mit einem Schlaganfall oder Herzinfarkt zu uns – und die haben jahrelang nicht gemerkt, dass sie einen ausgeprägten Bluthochdruck haben. Das ist ganz unterschiedlich. Grundsätzlich hat unser Körper leider keine Sensoren für den Blutdruck.“
Umso wichtiger sind regelmäßige Blutdruckkontrollen – vor allem ab dem mittleren Lebensalter oder bei vorhandenen Risikofaktoren wie Übergewicht, Diabetes oder familiärer Vorbelastung.
Mythos 10: Junge Leute haben noch keinen Bluthochdruck
Das ist leider ein Irrglaube! Lange galt Bluthochdruck als Alterskrankheit. „Tatsächlich ist es aber so, dass wir auch zunehmend bei jüngeren Menschen erhöhte Blutdruckwerte finden“, sagt Prof. Mahfoud. Eine aktuelle Studie kam zu dem Ergebnis, dass sich der Anteil der Kinder und Jugendlichen unter 19 Jahren mit Bluthochdruck in den Jahren 2000 bis 2020 fast verdoppelt hat: von 3 Prozent im Jahr 2000 auf etwa 6 Prozent 2020. „Das liegt vor allem an Risikofaktoren wie Rauchen und Übergewicht. Aber auch Begleiterkrankungen oder eine familiäre Veranlagung können die Entstehung von Bluthochdruck bei jungen Menschen begünstigen“, so der Kardiologe.
Fazit
Rund ums Thema Blutdruck kursieren viele Missverständnisse. Wichtig sind ein gesunder Lebensstil, regelmäßige Kontrollen und – falls nötig – eine konsequente medizinische Behandlung. Je früher ein erhöhter Blutdruck erkannt wird, desto besser lassen sich langfristige Schäden verhindern.
Weitere informative Artikel dazu finden Sie auf unserer Übersichtsseite Blutdruck.
FAQ – Häufige Fragen zum Bluthochdruck
Ein dauerhaft erhöhter Blutdruck schädigt wichtige Organe wie das Herz und die Herzkranzgefäße, andere Blutgefäße, das Gehirn, die Augen und die Nieren. Unbehandelt kann Bluthochdruck auf Dauer lebensbedrohliche Folgen haben.
Der Blutdruck wird in mmHg (Millimeter-Quecksilbersäule) angegeben. Ab 140/90 mmHg liegt eine behandlungsbedürftige Hypertonie vor.
Die genauen Ursachen sind bis heute nicht vollständig erforscht. Ärztinnen und Ärzte unterscheiden zwei Grundformen des Bluthochdrucks: Bei der primären Hypertonie sind eine familiäre Neigung zu hohem Blutdruck, Bewegungsmangel, Stress, hoher Salzkonsum, hoher Alkoholkonsum, eine niedrige Kaliumzufuhr, Rauchen und ein höheres Alter die Auslöser. Bei der sekundären Hypertonie verursachen organische Erkrankungen wie Hormonstörungen die Blutdruckerhöhung.
Bluthochdruck wird oft als „Silent Killer“ bezeichnet, da er zunächst kaum Beschwerden verursacht. Daher bleibt die Hypertonie häufig lange unbemerkt. Bei einigen Betroffenen treten Kopfschmerzen, Schwindel, Übelkeit, Nasenbluten, Abgeschlagenheit, leichte Ermüdbarkeit oder auch Luftnot auf.
Um eine Hypertonie festzustellen, müssen mehrere Messungen durchgeführt werden. Liegen an mindestens zwei bis drei verschiedenen Tagen in der Praxis Werte von über 140/90 mmHg vor, spricht man von einer bestätigten Hypertonie. Bei sehr hohen Werten ab etwa 180/110 mmHg erfolgt meist eine sofortige weitere Abklärung.
Betroffene sollten sich regelmäßig bewegen: Empfohlen werden mindestens 150 Minuten Bewegung pro Woche. Gesunde Ernährung mit viel Kalium kann den Blutdruck zusätzlich positiv beeinflussen. Eine kaliumreiche Kost – auch durch die Verwendung von kaliumreichem Mineralsalz anstelle von normalem Kochsalz – wird heute ausdrücklich empfohlen. Dauerhafter Stress kann den Blutdruck in die Höhe treiben, ebenso ein erhöhter Salz- oder Alkoholkonsum.