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Karrierekompass Kardiologie: MHBA – was ist das, wie geht das und ist das auch für Kardiolog:innen sinnvoll?

Die Reihe Karrierekompass Kardiologie gibt eine Orientierungshilfe bei der Karriereplanung in der Kardiologie für junge Kardiolog:innen und kardiologieinteressierte Studierende. In diesem Interview spricht Yasmin Steigerwald mit Dr. Sebastian Weyand über einen Studiengang, der für viele Ärzt:innen sowie Führungskräfte im Gesundheitswesen zunehmend an Bedeutung gewinnt: den Master of Health Business Administration (MHBA) - ein Studiengang, der medizinische Expertise mit unternehmerischem Denken verbindet.

Von:

Yasmin Steigerwald

Hamburg

 

Dr. Sebastian Weyand 

Aalen 

 

18.05.2026

Bildquelle (Bild oben): Brian A. Jackson / Shutterstock.com

Ein Studiengang an der Schnittstelle von Medizin und Management

Steigerwald: Ich freue mich sehr, heute Sebastian Weyand, Oberarzt für Kardiologie am Ostalb-Klinikum Aalen, begrüßen zu dürfen. Sebastian, du hast den MHBA absolviert. Für viele angehende Kardiolog:innen ist diese Abkürzung noch eher abstrakt – kannst du uns zu Beginn erläutern, was genau hinter diesem Studiengang steckt?

Weyand: Der MHBA wurde von Oliver Schöffski an der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg ins Leben gerufen. Es handelt sich um einen MBA-Studiengang (Master of Business Administration) mit klarem Fokus auf das Gesundheitssystem. Ziel ist es, die Schnittstelle zwischen Medizin, Management und Ökonomie zu verbinden – also ärztliches Handeln auch aus betriebs- und volkswirtschaftlicher Perspektive zu verstehen.

Organisation und Aufbau des Studiums

Steigerwald: Könntest du uns zunächst einen Überblick darüber geben, wo der MHBA in Deutschland angeboten wird und wie das Studium grundsätzlich aufgebaut ist? Wie lange dauert es, welche inhaltlichen Schwerpunkte legen die einzelnen Semester und wie funktioniert das berufsbegleitende Konzept ganz konkret?


Weyand: In Deutschland wird der MHBA vor allem an der FAU Erlangen-Nürnberg als berufsbegleitender Master angeboten, daneben existieren auch alternative Management-Programme im Gesundheitsbereich. Das Studium umfasst vier Semester. Zu Beginn stehen zwei grundlegende Module der Betriebswirtschaftslehre auf dem Programm. Ab dem zweiten Semester wird es spezifischer: Dann geht es konkret um Management und wirtschaftliche Strukturen im Gesundheitswesen. In den ersten drei Semestern erhielten wir wöchentlich Lehrmaterialien, die selbstständig erarbeitet werden mussten. Darauf folgten Multiple-Choice- sowie offene Fragestellungen. Am Ende jedes Semesters gab es ein Präsenzwochenende in Nürnberg mit einem Repetitorium am Samstag und einer schriftlichen Prüfung mit offenen Fragen am Sonntag. Das vierte Semester war der Masterarbeit gewidmet.


Steigerwald: Wie hoch schätzt du den zeitlichen Aufwand ein und wann denkst du ist ein guter Zeitpunkt diesen Studiengang als Ärzt:in zu beginnen?


Weyand: Realistisch sollte man mit etwa fünf bis zehn Stunden pro Woche rechnen. Das ist neben einer Vollzeitstelle durchaus zeitintensiv. Ich würde empfehlen, die ersten zwei Jahre der Assistenzarztzeit voll und ganz der klinischen Ausbildung zu widmen. Gerade zu Beginn kommt enorm viel Neues auf einen zu, auf das einen das Medizinstudium nur bedingt vorbereitet. Wenn man sich im klinischen Alltag sicher fühlt, kann der Zeitpunkt gut passen, den Horizont zu erweitern – idealerweise auch so, dass es nicht mit der Vorbereitung auf die Facharztprüfung kollidiert.

Persönliche Motivation

Steigerwald: Du hast ja bereits beschrieben, wie zeitintensiv das Studium ist – gerade neben dem Klinikalltag, dem Einstieg als Assistenzarzt und möglicherweise zusätzlicher Forschungstätigkeit. Was hat dich persönlich dazu motiviert, diesen anspruchsvollen Weg zu gehen und dich für einen MHBA zu entscheiden?


Weyand: Ich habe Humanmedizin in Marburg studiert und zunächst in der Nephrologie begonnen.  Nach drei Jahren wechselte ich in ein kleineres Haus in die Kardiologie, bewusst um einen anderen Blickwinkel auf das System zu bekommen. Etwa im dritten Assistenzarztjahr stellte ich mir die Frage: Wie soll es weitergehen? Der klassische Weg an einer Universitätsklinik war eine Option – aber mich interessierten auch andere Perspektiven, etwa medizinische Industrie, Unternehmensberatung oder Gesundheitsmanagement. Der MHBA war für mich eine Möglichkeit, diese Optionen auszuloten und gleichzeitig herauszufinden, wie ich meine Begeisterung für die Medizin langfristig erhalten kann – oder ob sich durch das neue Wissen vielleicht ganz neue Wege eröffnen. Im Medizinstudium spielt Gesundheitsökonomie praktisch keine Rolle. Durch den MHBA erhält man eine fundierte Grundlage in Volks- und Betriebswirtschaftslehre. Man wird dadurch kein Wirtschaftsexperte, aber man entwickelt ein solides Verständnis, auf dem sich aufbauen lässt.

Für wen ist der MHBA sinnvoll?

Steigerwald: Wenn nun junge Kolleg:innen – vielleicht mit Interesse an der Kardiologie – auf dich zukämen, die überlegen, einen MHBA zu beginnen: Würdest du diesen Schritt empfehlen? Und für wen ist ein solcher Studiengang aus deiner Sicht besonders sinnvoll?


Weyand: Grundsätzlich halte ich es in der heutigen Zeit für sinnvoll, sich mit ökonomischen Aspekten auseinanderzusetzen. Der Kostendruck im Krankenhaus steigt stetig – und dennoch wollen wir das Beste für unsere Patientinnen und Patienten erreichen. Ökonomisches Verständnis hilft, nicht nur Vorgaben zu erfüllen, sondern aktiv mitzugestalten. Allerdings ist es ein erhebliches Zeitinvestment. Diese Zeit kann man auch anders nutzen – zum Beispiel für Forschung. Wer eine wissenschaftliche Karriere anstrebt, für den ist die Zeit möglicherweise besser in Publikationen und Projekte investiert.


Steigerwald: Wenn man perspektivisch eine Führungsposition im Gesundheitswesen anstrebt – etwa als Oberärzt:in oder in einer leitenden Funktion – wie wichtig ist deiner Einschätzung nach ein MHBA? Würdest du sagen, dass ein solcher Abschluss mittlerweile nahezu Voraussetzung für eine Leitungsposition ist oder stellt er eher einen zusätzlichen Bonus dar, der die eigenen Kompetenzen sinnvoll ergänzt?


Weyand: Eine formale Voraussetzung ist er nicht. Er kann sicherlich ein Bonus sein, etwa in Gesprächen mit der Geschäftsführung, weil man auf Augenhöhe argumentieren kann. Entscheidend für Führungspositionen bleiben jedoch die klinische Expertise und echte Führungskompetenz.

Perspektive auf Klinikentscheidungen

Steigerwald: Gerade in der Kardiologie spielen kostenintensive Verfahren und komplexe Versorgungsstrukturen eine große Rolle. Würdest du sagen, dass der MHBA deinen Blick auf Krankenhausstrukturen oder Entscheidungsprozesse verändert hat?


Weyand: Definitiv. Gerade in der Kardiologie, einem technologisch stark geprägten Fach, geht es häufig um kostenintensive Innovationen. In der Elektrophysiologie möchten wir neue Verfahren möglichst früh einsetzen – auch wenn sie nicht immer kostengünstiger sind, sondern andere Vorteile bieten. Mein ökonomisches Wissen hilft mir beispielsweise dabei, Businesspläne für Entscheidungsträger:innen zu erstellen und Projekte strukturiert zu präsentieren. Man muss heute auch den Kostenträger:innen ein tragfähiges Konzept anbieten, um mit begrenzten finanziellen Mitteln das bestmögliche Ergebnis zu erzielen. Ein aktuelles Beispiel war die Diskussion um die Einführung einer ECMO-Maschine. Eine solche Anschaffung ist nicht zwingend kostendeckend, kann aber in speziellen Notfallsituationen – etwa bei Reanimationen – lebensentscheidend sein, wenn keine Zeit bleibt, auf ein externes Team zu warten. Hier habe ich einen strukturierten Kosten- und Nutzenplan erstellt, inklusive Risikoanalyse und Finanzplanung, um die Vorteile transparent darzustellen und eine fundierte Entscheidungsgrundlage zu schaffen.

Rückblick: Würdest du den Weg erneut gehen?

Steigerwald: Wenn du heute noch einmal am Anfang deiner kardiologischen Laufbahn stündest – würdest du den MHBA wieder machen und was würdest du jungen Kardiolog:innen mit auf dem Weg geben?


Weyand: Unabhängig von der Entscheidung für oder gegen einen MHBA sollte das erste Ziel sein, gut im klinischen Alltag anzukommen: die Grundlagen zu beherrschen, sicher im Umgang mit Patient:innen zu werden und sich selbst gut zu organisieren. Ich würde den Weg wieder gehen – aber nur zu dem Zeitpunkt, an dem die klinische Basis gefestigt ist. Denn ohne diese Grundlage hilft auch das beste Managementwissen nicht.


Steigerwald: Vielen Dank, Sebastian, für deine Erfahrungen – ein inspirierender Einblick für alle, die beruflich über den Tellerrand der Klinik hinausblicken möchten.

Zur Person

Yasmin Steigerwald

Yasmin Steigerwald ist derzeit PJ-Studierende in Hamburg. Als YoungestDGK Ambassadorin repräsentiert sie den Standort Hamburg und engagiert sich aktiv im Netzwerk der YoungestDGK. Im Rahmen ihrer wissenschaftlichen Mitarbeit im Bereich der Elektrophysiologie sowie ihrer Doktorarbeit entwickelte Yasmin besonderes Interesse an der Elektrophysiologie.
Yasmin Steigerwald

Zur Person

Dr. Sebastian Weyand

Dr. Sebastian Weyand ist am Ostalb-Klinikum Aalen als Oberarzt für die Elektrophysiologie zuständig. Weitere Schwerpunkte sind die interventionelle Kardiologie und kardiale Device-Implantationen. Sein Forschungsschwerpunkt liegt in den klinischen und technischen Aspekten der modernen interventionellen Vorhofflimmerbehandlung.
Dr. Sebastian Weyand
Gruppe junger Ärzte
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