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Interview: Die Highlights der DGK Herztage 2026

DGK Herztage 2026 | Vom 24. bis zum 26. September finden die DGK Herztage in Hamburg statt. Die Tagungspräsidentinnen und Organisatoren Prof. Renate Schnabel (Kardiologie Aktuell), PD Dr. Anja Schade (Deutsche Rhythmus Tage), Prof. Tanja Rudolph (AGIK Live), Prof. Harald Langer (Basic Science Meeting) und Prof. Albrecht Elsässer (Akademieforen) sprechen über ihre Highlights im Programm.

 

Eine gekürzte Version dieses Interviews erschien zuerst in der Cardio News, Juli/August 2026. DGK-Mitglieder erhalten die Cardio News kostenlos. Hier Mitglied werden!

Von:

Melissa Wilke

 

21.09.2026

Bildquelle (Bild oben): Sina Ettmer Photography / Shutterstock.com 

Studienhighlights der Herztage 2026

HERZMEDIZIN: Welche Studien aus Ihrem Schwerpunktbereich, die bei den diesjährigen Herztagen besprochen werden, sind besonders relevant? 

 

Schnabel: Spätsommer bedeutet in der Kardiologie auch Beginn der Kongresssaison mit den Highlights vom ESC-Kongress in München. Wir haben natürlich die kompakten Updates mit den Neuerungen in den Leitlinien im Programm. Erstmals wird es systematisch Praxisempfehlungen zur kardialen Rehabilitation und zu kardiovaskulären Erkrankungen und Nierenerkrankungen geben. Des Weiteren wird die dringend erforderliche Überarbeitung der Herzinsuffizienzleitlinie viel Raum einnehmen. In themenbezogenen Sitzungen werden die Empfehlungen der neuen Leitlinien im Detail erörtert. Hotline-Studien, die das Programm prägen werden, sind Milvexian nach akutem Koronarsyndrom, ein mögliches Revival von Hydralazin-Isosorbiddinitrat und der Einsatz von Metformin bei Herzinsuffizienz sowie digitale Ansätze zur Verbesserung der Therapietreue und Telerehabilitation.

 

Rudolph: Von hoher Relevanz sind Studien zum Thema intravaskuläre Bildgebung und Läsionspräparation, da sie unsere täglichen klinischen Routinen leiten. In einer gesonderten Sitzung werden am Freitag mehrere aktuelle Studien zu dem Thema PCI in einer Sitzung vorgestellt und diskutiert: "Koronarintervention Up to Date – Welche neuen Studien haben Einfluss auf meine Praxis“.

 

Schade: Ein PFA & Innovation Summit, der am Mittwochnachmittag stattfindet, soll der dynamischen Entwicklung rund um die Pulsed Field Ablation (PFA) Rechnung tragen, aber auch im Hauptprogramm werden neue Daten zur PFA bei paroxysmalem Vorhofflimmern und PFA als first line Therapie von persistierendem Vorhofflimmern (AVANT-GUARD) eine Rolle spielen. Zur Diskussion werden auch Studien zur additiven Ablation bei persistierendem Vorhofflimmern stehen wie IDEAL-AF zur voltagebasierten Ablation oder PIFPAF-PFA und LEAP-AF zur Hinterwandisolation. Gespannt bin ich auch auf die intensive Diskussion der ABLATE versus PACE-Studie am Samstag, die erstmals klinische Outcomes einer „Pace and ablate“-Strategie mit einer Pulmonalvenenisolation vergleicht. Es lohnt sich also bis zum Ende des Kongresses zu bleiben.


Langer: Im Rahmen des Basic Science Meetings werden unter anderem Daten des kürzlich publizierten Herzpflasters, einer völlig neuen regenerativen Therapie bei Herzschwäche, von den Göttinger Kollegen in der Sitzung „Data, Devices, and Discovery: practical skills for the next generation of cardiovascular researchers“ vorgestellt. Ein weiteres Highlight ist sicher die Präsentation von Daten aus der ersten randomisierten Studie zur mechanischen Thrombektomie im Vergleich zur alleinigen Antikoagulation bei akuter Lungenembolie (STORM-PE).

Must See: Die spannendsten Sitzungen

HERZMEDIZIN: Welche Sitzungen sollten die Teilnehmenden in diesem Jahr auf keinen Fall verpassen? 

 

Schade: In diesem Jahr wird es mehrere Sitzungen mit internationaler Kollaboration geben. Meine Highlights sind hier die EHRA Joint Session: „Challenge non-ischemic VT and VF“ und die ISHNE Joint Session: „Autonomic nervous system as a therapeutic target in arrhythmias“. Auch die Honorary lecture von Arthur Wilde sollte keiner verpassen – eine Rückschau auf 30 Jahre Kanalopathieforschung und ein Blick in die Zukunft. In einer gemeinsamen Sitzung mit Kardiologie Aktuell erfahren die Teilnehmenden, wie KI für EKG-Analyse, im EP-Labor oder beim Patientenmanagement gewinnbringend eingesetzt werden kann, aber auch welcher KI-Anwendung man wirklich trauen kann.

In einer gesundheitspolitischen Sitzung werden wir über Mindestzahlen und Qualitätsindikatoren diskutieren und uns mit Strategien für die ambulante Behandlung rhythmologischer Patientinnen und Patienten auseinandersetzen. In einer Pro- und Kontra-Sitzung am Samstag sollen auch die Möglichkeiten und Grenzen effizienter Ablationsworkflows ausgelotet werden.

 

Rudolph: Die Sitzung „Frauenherzen im Katheterlabor“ sollte man auf gar keinen Fall verpassen. In der Erkennung und konsequenten Behandlung des Akuten und Chronischen Koronarsyndroms gibt es weiterhin signifikante Geschlechter-Unterschiede. So haben beispielsweise Frauen nach wie vor eine erhöhte Mortalität, wenn sie einen Myokardinfarkt erleiden. Die Beleuchtung von geschlechtsspezifischen Unterschieden in der Diagnostik und Therapie ist wichtig, um für alle Patientinnen und Patienten eine optimale Versorgung zu gewährleisten. Sitzungen zum Thema Lifetime Management bei strukturellen Herzerkrankungen, unter anderem "Lifetime-Management der Aortenklappenstenose in 2026“ oder "Neues Mitralklappenproblem nach Chirurgie oder Intervention: Fall-basiert diskutiert?“, beleuchten Leitlinien-basiert anhand von praktischen Fallbeispielen die Komplexität der Therapieentscheidungen in diesem Bereich. Diese Sitzungen sollte man nicht verpassen!

 

Schnabel: Wir müssen uns auch mit den gesundheitspolitischen Gegebenheiten auseinandersetzten, insbesondere der Ambulantisierung und den Erfahrungen mit den Hybrid-DRGs. Auf keinen Fall verpasst werden sollte damit die politische Sitzung. Mit Vertretern und Vertreterinnen aus den verschiedenen Bereichen werden wir in interaktivem Format die Perspektiven der Politik, von Krankenkassen und Krankenhäusern und Bundesländern erörtern. Die Paneldiskussion wird genügend Zeit bieten, sich den Fragen des Publikums zu widmen. Um Schritt zu halten mit der Digitalisierung in der Kardiologie haben wir renommierte Experten und Expertinnen gewinnen können, um in Partnerschaft mit dem ESC Digital Cardiology and Artificial Intelligence Committee Fortschritte und den aktuellen Einsatz künstlicher Intelligenz im Alltag der Kardiologie als Auftakt der Herztage zu erörtern (Sitzung Künstliche Intelligenz im Alltag der Kardiologie in Partnerschaft mit dem ESC Digital Cardiology and Artificial Intelligence (DCAI) Committee). 


Langer: Ein übergeordnetes Thema des Basic Science Meeting heißt „Vom Labor in die Klinik: Zukunftsdialog beim Basic Science Meeting“. Gerade Nachwuchsforschenden, die sich für grundlagenwissenschaftliche oder translationale Studien interessieren, kann ich die Sitzungen empfehlen, da hier an konkreten Beispielen spannende Erfolgstories wissenschaftlicher Leistungen aufgezeigt werden und umgekehrt klinisch Tätigen Kolleginnen und Kollegen die Notwendigkeit einer intakten Forschungspipeline transparent gemacht werden.

Programm, Registrierung, wichtige Informationen und FAQs zu den Herztagen 2026.

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Neue Formate & Kongresshighlights

HERZMEDIZIN: Gibt es weitere Besonderheiten, Neuerungen oder Highlights, die erwähnt werden sollten?


Rudolph: Der AGIK-Simulationsworkshop, wurde in diesem Jahr um weitere Themen ergänzt. PCI nach TAVI und Access-Management kann neben AV-Therapien an Simulatoren in kleinen Gruppen geübt werden. Die Anmeldung ist im Rahmen der Registrierung für die Herztage möglich. Interessierte sollten sich zeitnah anmelden - die Plätze sind begrenzt!


Schnabel: Da es nach den Publikationen der Blockbuster Studien auf dem ESC-Kongress weitere bahnbrechende Daten und Subanalysen geben wird, haben wir dieses Jahr das erste Mal eine Hotline Session eingeführt. Hier werden praxisrelevante Studien erstmals vorgestellt und mit Expertinnen und Experten diskutiert. Highlights für unsere jungen DGK-Mitglieder sind die Vorstellungen der Ergebnisse der DGK-Stipendiatinnen und -Stipendiaten und der Wettbewerb um das zum zweiten Mal ausgelobte Medical Scientist Programm. Dieses fördert exzellente Nachwuchsforschende in der Kardiologie, um den Übergang in eine akademisch unabhängige Karriere zu ermöglichen. 

 

Schade: Die Sitzungen der Rhythmustage sollen etwas dynamischer werden. Kürzere Vorträge und mehr interaktive Sitzungen werden mehr Diskussion erlauben. Live in the box-Fälle zu LBBP bei CRT-Indikation, EV-ICD und Marshallvenenablation werden Ihnen ganz praktische Impulse liefern. Ein ganz besonderes Highlight für unsere jungen Kolleginnen und Kollegen ist die Young EHRA-Joint Session auf der Plaza, in der sie aus erster Hand erfahren, wie das EHRA-Fellowship-Programm erfolgreich genutzt werden kann oder wie internationales wissenschaftliches Networking gelingt. Gerade hat sich die YoungEP als Arbeitskreis der AGEP formiert. Junge interessierte Kolleginnen und Kollegen können die Mitglieder bei der Young EHRA-Joint Session auf der Plaza treffen oder im Rahmen des von ihnen organisierten Workshops. In diesem Jahr werden erstmals Schrittmacher-Workshops angeboten.

 

Langer: Bezüglich grundlagenwissenschaftlicher Innovationen werden neue in vivo Tiermodelle der AAD vorgestellt, metabolische Adaptionsmechanismen bei Kardiomyopathien und vaskulären Erkrankungen sowie neue Gen-technische Ansätze wie die CRISPR Technik.   

Weiterbildung mit den Akademieforen

HERZMEDIZIN: Die Akademieforen bilden die Klassiker der kardiologischen Weiterbildung ab. Warum lohnt sich der Besuch sowohl für den Nachwuchs als auch für etablierte Kardiologinnen und Kardiologen?

 

Elsässer: Die Teilnahme an den Akademieforen lohnt sich deshalb, weil nur hier in einem interaktiven Format die neuen Entwicklungen und die aktuelle Datenlage vorgestellt, erklärt, kritisch bewertet und gemeinsam diskutiert werden. Besser kann man keinen umfassenden thematischen Überblick erhalten, so dass diese Veranstaltungen für jede Kardiologin und jeden Kardiologen unabhängig der eigenen Erfahrungen inhaltlich einen unermesslichen Benefit bieten. Mit den Referentinnen und Referenten, die anerkannte Expertinnen und Experten in den einzelnen Bereichen sind, besteht die Option, die Studienergebnisse in den klinischen Alltag zu transformieren und an konkreten Fallbeispielen die spezifische Diagnostik und Therapie zu besprechen. Dadurch gewinnt jede Kollegin und jeder Kollege Vertrauen und Sicherheit im klinischen Handeln. Aufgrund dieser einzigartigen Konzeption der Akademieforen erklärt sich ihre Beliebtheit und ihr Erfolg, so dass sich seit Langem die Meinung hält, sie wären absolute Kongress-Highlights.

Neu: Akademieforum für die hausärztliche Tätigkeiten

HERZMEDIZIN: Neben den oben genannten Foren, wird auch ein Akademieforum speziell für die hausärztliche Tätigkeit angeboten. Welche Themen werden darin besprochen?

 

Elsässer: Um den Hausärztinnen und Hausärzten die Möglichkeit zu bieten, eine aktuelle und kompakte Übersicht über zentrale kardiologische Themen zu erhalten, werden in diesem Forum Inhalte zur koronaren und strukturellen Herzerkrankung sowie invasiven Rhythmologie und Prävention besprochen. Für die hausärztliche Tätigkeit ist es relevant, welche neuen diagnostischen und therapeutischen Optionen in der Kardiologie bestehen. Diese werden vorgestellt, ausführlich besprochen diskutiert und interaktiv ihre Bedeutung für den Praxisalltag eingeordnet. Denn wir sind davon überzeugt, dass durch gemeinsame Fort- und Weiterbildungsveranstaltungen die Entwicklung von Behandlungsstrukturen neben den inhaltlichen Diskussionen zur Versorgungsoptimierung beitragen. Wir sind sehr auf die Resonanz gespannt!

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