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Quick Dive: Therapiezielfestlegung bei chronischer Herzinsuffizienz

In unserer Reihe "Quick Dive" stellen die Autorinnen und Autoren von Publikationen medizinischer Fachgesellschaften prägnant die wichtigsten Hintergründe und Inhalte der jeweiligen Veröffentlichung vor. Dieses Mal wird eingetaucht in:

Therapiezielfestlegung und -änderung im Verlauf der chronischen Herzinsuffizienz

Konsensuspapier der Deutschen Gesellschaft für Kardiologie – Herz- und Kreislaufforschung e. V. (DGK), der Deutschen Gesellschaft für Thorax‑, Herz- und Gefäßchirurgie (DGTHG), der Deutschen Gesellschaft für Pädiatrische Kardiologie und angeborene Herzfehler (DGPK), des Bundes Niedergelassener Kardiologen (BNK) und der Deutschen Gesellschaft für Palliativmedizin (DGP)

28.01.2026 | Verfasst von: Mark Weber-Krüger, Moritz Blum, Bernd Alt-Epping, Marc Dittrich, Franz Goss, Tanja Henking, Hashim Abdul-Khaliq, Dorit Knappe, Gerald Neitzke, Christian Perings, Harald Rittger, Henrikje Stanze, Klaus K. Witte & Jochen Dutzmann

Von:

Melissa Wilke

HERZMEDIZIN-Redaktion

 

17.03.2026

Bildquelle (Bild oben): vovan / Shutterstock.com

5 Fragen an den Letztautor

PD Dr. Jochen Dutzmann, Universitätsklinikum Halle (Saale)

Was sind Anlass und Ziel der Publikation?

 

Patientinnen und Patienten mit chronischer Herzinsuffizienz werden häufig lange ausschließlich lebenszeitverlängernd behandelt – oft bis in sterbenahe Phasen hinein. Ziel des Papiers ist es, Behandelnde bei der frühzeitigen, strukturierten und gemeinsamen Festlegung sowie Anpassung von Therapiezielen zu unterstützen. Dazu werden medizinische, ethische, rechtliche und kommunikative Grundlagen ebenso dargestellt wie praxisnahe Handlungsempfehlungen.

 

Was sind die wichtigsten Take-Home Messages?

 

  1. Therapieziele sollen frühzeitig und regelmäßig überprüft werden – idealerweise im Rahmen von Advance Care Planning (ACP).
  2. Lebenszeitverlängerung und Symptomkontrolle sind gleichwertige, individuell zu gewichtende Therapieziele.
  3. Offene Kommunikation über Prognose und Therapiebelastung fördert Selbstbestimmung und Vertrauen.
  4. Multiprofessionelle Zusammenarbeit (Kardiologie, Pflege, Palliativmedizin, Hausärztinnen und -ärzte) ist zentral.
  5. Strukturelle Anpassungen der Vergütung sind notwendig, um Gespräche zur Therapiezielfindung zu ermöglichen.
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© Dutzmann et al.
Abb.: Kommunikation und Reevaluation von Therapiezielen im Verlauf einer chronischen Herzinsuffizienz – typische Zeitpunkte und Anlässe für Gespräche zur Festlegung, Überprüfung und Anpassung von Therapiezielen unter multiprofessioneller Beteiligung. (Quelle: Dutzmann et al. 2025)

Was sind Herausforderungen bei der Umsetzung und mögliche Lösungen?

 

Zeitmangel, Unsicherheit im Umgang mit Prognosegesprächen und fehlende Vergütungsstrukturen erschweren eine frühzeitige Zielklärung. Schulung in Kommunikation, interdisziplinäre Kooperation und die Implementierung strukturierter Gesprächsformate – etwa im Rahmen eines jährlichen „Heart Failure Reviews“ – können Abhilfe schaffen.

 

Welche Punkte sind offengeblieben?

 

Die Evidenz für den optimalen Zeitpunkt und die konkrete Ausgestaltung strukturierter Gespräche ist begrenzt. Ebenso fehlen standardisierte Qualitätsindikatoren, die patientenzentrierte Kommunikation und Entscheidungsprozesse adäquat abbilden.

 

Ausblick: Welche Entwicklungen zum Thema zeichnen sich ab?

 

Mit zunehmender Bedeutung von Lebensqualität und Partizipation in der Medizin wird die Therapiezielfindung zu einem zentralen Qualitätsmerkmal kardiologischer Versorgung. Langfristig ist zu erwarten, dass Advance Care Planning in Disease-Management-Programme integriert und durch spezialisierte Pflegekräfte (Heart Failure Nurses, APN) begleitet wird.

Weiter zur vorgestellten Publikation:

Therapiezielfestlegung und -änderung im Verlauf der chronischen Herzinsuffizienz

Weber-Krüger, M., Blum, M., Alt-Epping, B. et al.

Therapiezielfestlegung und -änderung im Verlauf der chronischen Herzinsuffizienz.

Kardiologie 2026 · 20:34–45

https://doi.org/10.1007/s12181-025-00777-1

Zur Person

PD Dr. Jochen Dutzmann

Nach oberärztlicher Tätigkeit in der internistischen Intensivmedizin und interventionellen Kardiologie an der Universitätsmedizin Halle ist PD Dr. Jochen Dutzmann heute niedergelassen tätig und engagiert sich in der Projektgruppe Ethik der DGK. Seine Schwerpunkte sind Shared Decision-Making, Palliative Care und ethische Entscheidungsprozesse in der Kardiologie.
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Kurzinfo: Die Formate der DGK-Publikationen

Leitlinien sind für Ärztinnen und Ärzte eine wichtige Stütze im klinischen Alltag, um ihre Patientinnen und Patienten nach neuestem Stand der Wissenschaft bestmöglich zu behandeln. Dabei dienen die Leitlinien als verlässliche Handlungsempfehlungen in spezifischen Situationen.

Pocket-Leitlinien sind Leitlinien in kompakter, praxisorientierter Form. Bei Übersetzungen von Pocket-Leitlinien der ESC werden alle Empfehlungsklassen und Evidenzgrade der Langfassung übernommen.

Master Pocket-Leitlinien stellen eine Zusammenfassung der wichtigsten Aspekte der Leitlinienempfehlungen in Form von grafischen Diagnose- und Therapiealgorithmen dar. Als Quelle der Empfehlungen dienen dabei vorwiegend die nach strengen wissenschaftlichen Kriterien erstellten Leitlinien der European Society of Cardiology (ESC) sowie deren deutsche Übersetzung durch die DGK.

CardioCards behandeln im Wesentlichen Themen der Diagnostik und Akuttherapie für den ambulanten Bereich. Hier werden die essenziellen Informationen von Leitlinien komprimiert und übersichtlich zusammengefasst.

Kommentare beinhalten Hinweise, wie sich die neuen von den alten Leitlinien unterscheiden, Hinweise auf wesentliche Neuerungen, die seit dem Erscheinen der ESC-Leitlinien bekannt geworden sind, Diskussion kontroverser Empfehlungen in den ESC-Leitlinien sowie Möglichkeiten und Grenzen der Leitlinienumsetzung im Bereich des deutschen Gesundheitswesens.

Ein Positionspapier behandelt eine Fragestellung von großem allgemeinen Interesse, für die keine aktuelle Leitlinie vorliegt.

Bei einem Konsensuspapier handelt es sich um ein von mehreren Fachgesellschaften getragenes Statement.

Diese Veröffentlichungen enthalten Empfehlungen einer DGK-Arbeitsgruppe zu einer speziellen Frage von großem Interesse.

Stellungnahmen der DGK beziehen sich auf gesundheitspolitische Fragestellungen und erfolgen durch den Vorstand, gemeinsam mit Kommissionen und Projektgruppen. Sofern möglich und sinnvoll, werden auch Fachgesellschaft-übergreifende Stellungnahmen ausgearbeitet.

Ein Manual ist eine praktisch orientierte Expertenempfehlung für wesentliche kardiovaskuläre Prozeduren.

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