Diese präspezifizierte Subgruppen-Analyse der VESALIUS-CV-Studie untersuchte, ob der PCSK9-Hemmer Evolocumab ein erstes schweres unerwünschtes kardiovaskuläres Ereignis (MACE) bei Patientinnen und Patienten mit Diabetes mellitus ohne bekannte signifikante Atherosklerose verhindern kann.
Die VESALIUS-CV-Studie war eine randomisierte, doppelblinde, Placebo-kontrollierte Studie zu Evolocumab, die an 774 Zentren in 33 Ländern durchgeführt wurde. Eingeschlossen wurden 12.257 Patientinnen und Patienten ohne vorangegangenen Myokardinfarkt oder Schlaganfall, mit einem LDL-C-Wert ≥ 90 mg/dl sowie nachgewiesener Atherosklerose oder einem Hochrisiko-Diabetes.
Die präspezifizierte Subgruppenanalyse untersuchte Patientinnen und Patienten mit Diabetes ohne vorangegangene arterielle Revaskularisation, ohne arterielle Stenose ≥50 % und ohne Koronarkalk ≥100 Agatston-Einheiten. Die Rekrutierung begann im Juni 2019, die letzte Visite erfolgte im Juli 2025. Die mediane Nachbeobachtungszeit war 4,8 Jahre. Die Betroffenen wurden im Verhältnis 1:1 randomisiert und erhielten entweder Evolocumab (140 mg subkutan alle 2 Wochen) oder ein entsprechendes Placebo, jeweils additiv zu einer optimal tolerierten Statintherapie.
Die vordefinierte Subgruppe umfasste 3.655 Patientinnen und Patienten (1.849 in der Evolocumab-Gruppe, 1.806 in der Placebo-Gruppe), medianes Alter 65 Jahre, 57 % Frauen. In der Lipid-Substudie lag der mediane LDL-C-Wert nach 48 Wochen bei 52 mg/dl in der Evolocumab-Gruppe gegenüber 111 mg/dl in der Placebo-Gruppe (p<0,001).
Ein 3-P-MACE-Ereignis trat bei 83 Personen (5-Jahres-Kaplan-Meier-Schätzung: 5,0 %) unter Evolocumab vs. 117 Personen (7,1 %) unter Placebo auf (HR 0,69; 95%KI [0,52; 0,91]; p= 0,009; Differenz zwischen den Gruppen: 2,1 %). Ein 4-P-MACE-Ereignis trat bei 127 Personen (7,6 %) in der Evolocumab-Gruppe vs. 178 Personen (10,5 %) in der Placebo-Gruppe auf (HR 0,69; 95%KI [0,55; 0,86]; p=0,001; Differenz: 2,9 %). Es gab 136 Todesfälle (7,8 %) in der Evolocumab-Gruppe gegenüber 172 (10,1 %) in der Placebo-Gruppe (HR 0,76; 95%KI [0,61;0,95]).
VESALIUS-CV ist die erste kardiovaskuläre Outcome-Studie, welche die Wirkung eines PCSK9-Inhibitors auf kardiovaskuläre Ereignisse bei Patientinnen und Patienten ohne anamnestisch bekannte schwere kardiovaskuläre Ereignisse untersucht. Die Ergebnisse dieser Subgruppen-Analyse zeigen, dass die klinische Wirksamkeit einer intensiven LDL-C-Senkung über das Kollektiv von Personen mit manifester atherosklerotischer kardiovaskulärer Erkrankung hinausgeht und auch bei Personen mit Diabetes mellitus ohne vorangegangenes ischämisches Ereignis oder bekannte Atherosklerose kardiovaskuläre Ereignisse und die Sterblichkeit reduziert.
Der mediane LDL-C-Ausgangswert lag mit 132 mg/dl in VESALIUS-CV relativ hoch, wobei die kardiovaskuläre Risikoreduktion über alle LDL-C-Basisinventare hinweg konsistent war. Das Ausmaß des kardiovaskulären Benefits pro LDL-C-Senkung entspricht den Metaregressionsanalysen zur Statintherapie. Die Daten zeigen auch erneut, dass der klinische Nutzen einer LDL-C-Senkung bis in die in VESALIUS-CV erreichten Bereiche (nahe 40 mg/dl; 1,0 mM/l) fortbesteht.
Diese wichtige Analyse bestätigt, dass eine Dichotomie in eine sogenannten „Primärprävention“ und „Sekundärprävention“ im Hinblick auf die Allokation einer LDL-Cholesterinsenkung unzutreffend ist. Die absolute Risikoreduktion richtet sich nach dem individuellen vaskulären Risiko und nicht danach, ob bereits ein Herzinfarkt stattgefunden hat. VESALIUS-CV zeigt, wie Herzinfarkte, Schlaganfälle und Tod durch eine rechtzeitige Cholesterin-Senkung verhindert werden können.
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