Klassische kardiovaskuläre Risikofaktoren bestimmen auch heute noch maßgeblich die weltweite Krankheitslast kardiovaskulärer Erkrankungen. An erster Stelle steht dabei unverändert die arterielle Hypertonie, gefolgt von erhöhten Blutfetten. Daten aus der Global Burden of Disease Study zeigen, dass sich die Rangfolge modifizierbarer Risikofaktoren über die letzten 30 Jahre kaum verändert hat. Dabei bleibt die Hypertonie der „Top Killer“ in der Population.
Besonders problematisch ist, dass die Zahl der Menschen mit Bluthochdruck weltweit weiter zunimmt. Nach Daten der NCD Risk Factor Collaboration hat sich die Zahl der Betroffenen innerhalb von 30 Jahren global verdoppelt, vor allem in Ländern mit niedrigem und mittlerem Einkommen. Während in Ländern mit hohem Einkommen teils Behandlungsraten von bis zu 80 % und Kontrollraten von bis zu 60 % erreicht werden, bestehen in ressourcenschwächeren Regionen weiterhin erhebliche Defizite bei Erkennung, Behandlung und Kontrolle der Hypertonie.
Nicht nur der Risikofaktor Bluthochdruck per se ist prognosebestimmend, sondern auch die Intensität der Blutdrucksenkung. So zeigte eine im Lancet 2021 publizierte Metaanalyse individueller Patientendaten aus 48 randomisierten Studien mit mehr als 344.000 Teilnehmenden, in denen eine pharmakologische Blutdrucksenkung mit Placebo verglichen wurde, dass mit zunehmender Intensität der Blutdrucksenkung die Wahrscheinlichkeit für kardiovaskuläre Ereignisse abnimmt.
Aktuelle Analysen des Global Cardiovascular Risk Consortium (GCVRC) unterstreichen die Bedeutung klassischer Risikofaktoren zusätzlich. In der 2023 publizierten Auswertung mit mehr als 1,5 Millionen Menschen aus 112 Kohorten und 34 Ländern zeigte sich, dass mehr als 50 % des kardiovaskulären Risikos auf fünf modifizierbare Risikofaktoren zurückzuführen sind. Unter diesen nimmt die Hypertonie eine Schlüsselrolle ein: Durch die Kontrolle der Hypertonie würde jedes dritte kardiovaskuläre Ereignis verhindert werden. Dabei muss Prävention früh im Leben beginnen, da der Effekt vor allem von Bluthochdruck und hohem Cholesterin über das Alter abnimmt.
Die 2025 publizierte GCVRC-Analyse mit mehr als 2 Millionen Teilnehmenden aus 133 Kohorten und 39 Ländern zeigt, dass das Fehlen klassischer Risikofaktoren im Alter von 50 Jahren mit einer um mehr als ein Jahrzehnt längeren Lebenserwartung verbunden ist. Besonders relevant für die klinische Praxis: Wenn Risikofaktoren bereits in der Lebensmitte vorliegen, ist gerade die Kontrolle der Hypertonie mit den meisten zusätzlichen CVD-freien Lebensjahren verbunden.
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