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Bei TAVI auf die PCI verzichten?

ACC-Kongress 2026 | PRO-TAVI: Die multizentrische Pro-TAVI ist die erste prospektiv-randomisierte Studie, die eine Nicht-Inferiorität für den Verzicht einer PCI vor TAVI zeigte. Prof. Ronak Delewie (Amsterdam, Niederlande)  stellte die Daten vor.1

 

Prof. Tanja Rudolph (Herz- und Diabeteszentrum NRW, Bad Oeynhausen) berichtet und kommentiert.

Von:

Prof. Tanja Rudolph

Rubrikleiterin Strukturelle Herzerkrankungen

 

 

01.04.2026

Bildquelle (Bild oben): pisaphotography / Shutterstock.com

Hintergrund und Studiendesign

Die aktuellen ESC/EACTS-Leitlinien von 2025 empfehlen die Revaskularisation im Rahmen der TAVI bei einem Stenosegrad von >90 % in Gefäßen mit einem Durchmesser >2,5 mm mit einer IIa-B-Empfehlung.

 

Die multizentrische prospektive randomisierte Studie PRO-TAVI aus den Niederlanden untersuchte erstmalig die Nicht-Unterlegenheit des Verzichts auf die PCI. 

Ergebnisse

466 Patientinnen und Patienten mit geplanter TAVI bei hochgradiger Aortenklappenstenose und koronarer Herzerkrankung mit entweder hochgradiger Stenose (70–99 % Stenosegrad) oder Nachweis einer funktionellen Relevanz wurden eingeschlossen. Das Vorliegen einer ungeschützten Hauptstammstenose war ein Ausschlusskriterium.


Die Patientinnen und Patienten waren im Schnitt 81 Jahre alt, 36 % weiblich. Der mittlere SYNTAX-Score lag bei 10, der STS-PROM-Score bei 3,1 %. Bei 21 % war die LAD das betroffene Gefäß. Die Revaskularisation erfolgte bei 93 % der Patientinnen und Patienten vor der TAVI, im Median 13 Tage nach Randomisierung. Die TAVI erfolgte bei dem Großteil der Patientinnen und Patienten transfemoral (93 %). 


Der kombinierte primäre Endpunkt (Tod, Myokardinfarkt, Schlaganfall und schwere Blutung) war in den beiden Gruppen nach einem Jahr vergleichbar (25,8 % vs. 24,1 %). Die einzelnen Endpunkte waren bis auf schwere Blutung nicht signifikant unterschiedlich. Bei der PCI-Gruppe war die Blutungsrate signifikant erhöht (14,8 % vs. 6,2 %, HR 0,39; 95%KI [0,21; 0,73]).

Fazit und Kommentar

Die PRO-TAVI-Studie unterstützt die Zurückhaltung einer Revaskularisation im Rahmen einer TAVI-Prozedur insbesondere bei einem betagten Patientenkollektiv. Im Kontext mit den Ergebnissen der NOTION-3-Studie, scheint möglicherweise nur die Behandlung von höchstgradigen Stenosen (>90 % Stenosegrad) einen möglichen Benefit zu bringen. Die Revaskularisation anderer Stenosen sollte individualisiert kritisch diskutiert werden.

Zur Person

Prof. Tanja Rudolph

Prof. Tanja Rudolph ist als Oberärztin und Leiterin der Interventionellen Kardiologie in der Klinik für Allgemeine und Interventionelle Kardiologie/Angiologie des Herz- und Diabeteszentrums NRW, Universitätsklinik der Ruhr-Universität Bochum, in Bad Oeynhausen tätig. Ihre fachlichen Zusatzqualifikationen (DGK) erwarb sie in den Bereichen der Interventionellen Kardiologie und Herzinsuffizienz.
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Key Facts der Studie

Die multizentrische Studie untersuchte die Nicht-Inferiorität für den Verzicht einer PCI bei Patientinnen und Patienten mit geplanter TAVI.

Der primäre kombinierte Endpunkt (Tod, Myokardinfarkt, Schlaganfall und schwere Blutung) war in beiden Gruppen vergleichbar, aber die Blutungsrate war in der TAVI-Gruppe erhöht. 

PRO-TAVI unterstützt die Zurückhaltung einer Revaskularisation im Rahmen einer TAVI-Prozedur insbesondere bei einem betagten Patientenkollektiv. 

Referenzen

  1. Delewi R et al. Transcatheter Aortic Valve Implantation Without Routine Percutaneous CoronaryIntervention: A Randomized Controlled Trial. Late-Breaking Clinical Trials V, 29.03. New Orleans, ACC 2026.

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