Die aktuellen ESC/EACTS-Leitlinien von 2025 empfehlen die Revaskularisation im Rahmen der TAVI bei einem Stenosegrad von >90 % in Gefäßen mit einem Durchmesser >2,5 mm mit einer IIa-B-Empfehlung.
Die multizentrische prospektive randomisierte Studie PRO-TAVI aus den Niederlanden untersuchte erstmalig die Nicht-Unterlegenheit des Verzichts auf die PCI.
466 Patientinnen und Patienten mit geplanter TAVI bei hochgradiger Aortenklappenstenose und koronarer Herzerkrankung mit entweder hochgradiger Stenose (70–99 % Stenosegrad) oder Nachweis einer funktionellen Relevanz wurden eingeschlossen. Das Vorliegen einer ungeschützten Hauptstammstenose war ein Ausschlusskriterium.
Die Patientinnen und Patienten waren im Schnitt 81 Jahre alt, 36 % weiblich. Der mittlere SYNTAX-Score lag bei 10, der STS-PROM-Score bei 3,1 %. Bei 21 % war die LAD das betroffene Gefäß. Die Revaskularisation erfolgte bei 93 % der Patientinnen und Patienten vor der TAVI, im Median 13 Tage nach Randomisierung. Die TAVI erfolgte bei dem Großteil der Patientinnen und Patienten transfemoral (93 %).
Der kombinierte primäre Endpunkt (Tod, Myokardinfarkt, Schlaganfall und schwere Blutung) war in den beiden Gruppen nach einem Jahr vergleichbar (25,8 % vs. 24,1 %). Die einzelnen Endpunkte waren bis auf schwere Blutung nicht signifikant unterschiedlich. Bei der PCI-Gruppe war die Blutungsrate signifikant erhöht (14,8 % vs. 6,2 %, HR 0,39; 95%KI [0,21; 0,73]).
Die PRO-TAVI-Studie unterstützt die Zurückhaltung einer Revaskularisation im Rahmen einer TAVI-Prozedur insbesondere bei einem betagten Patientenkollektiv. Im Kontext mit den Ergebnissen der NOTION-3-Studie, scheint möglicherweise nur die Behandlung von höchstgradigen Stenosen (>90 % Stenosegrad) einen möglichen Benefit zu bringen. Die Revaskularisation anderer Stenosen sollte individualisiert kritisch diskutiert werden.
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