STOP-AP: Memantin zur Behandlung von Extrasystolen
In der multizentrischen Phase-2-Studie STOP-AP aus China wurde die Wirksamkeit von Memantin zur Behandlung von supraventrikulären Extrasystolen (SVES) untersucht. Memantin ist ein NMDA-Rezeptor-Antagonist, der zur Behandlung von Alzheimer-Demenz zugelassen ist. 256 Personen mit symptomatischem SVES erhielten Memantin oder Placebo über 6 Wochen. Memantin senkte die mittlere SVES-Last über 24 Stunden (72-h-EKG-Monitoring) und neu auftretendes VHF vs. Placebo bei einem günstigen Sicherheitsprofil. Die Studie lieferte ein erstes Proof-of-Concept für das glutamaterge System des Herzens als neues therapeutisches Target.1
STS/ACC TVT-Register: Real-World-Daten bestätigen TTVR
In das STS/ACC TVT-Register gingen Daten von rund 1.000 Personen ein (mittleres Alter 77 Jahre, 70 % Frauen) aus 82 Zentren in den USA, die einen katheterbasierten Trikuspidalklappenersatz (TTVR) erhielten. Die Intervention war zu 98 % erfolgreich. Nach 30 Tagen wurde zu 98 % eine max. mild ausgeprägte Trikuspidalinsuffizienz sowie signifikante Verbesserungen der NYHA-Klasse und Lebensqualität bei geringen Raten an Gesamtmortalität (3,1 %), Schlaganfällen (0,2 %) und Blutungen (7,9 %) erreicht. Insgesamt bestätigten die 30-Tages-Outcomes die positiven Ergebnisse von TRISCEND II für die Evoque-Prothese im klinischen Alltag.2
ORBITA-2: Wer profitiert von der PCI bei Angina pectoris?
Die bisher größte Placebo-kontrollierte Studie, ORBITA-2, hatte die Wirksamkeit der PCI bei stabiler Angina pectoris nachgewiesen, wobei laut Subanalyse insbesondere Personen mit fokaler KHK profitierten. In eine neue Analyse wurden nur Personen mit iFR-Messungen eingeschlossen: PCI-Gruppe (n=79 fokal; n=39 diffus) und Placebo-Gruppe (n=79 fokal; n=48 diffus). Die fokale KHK war mit einem stärkeren Ansprechen der PCI assoziiert – sowohl für den Symptom-Score als auch für tägliche Angina-Episoden. Für den Einsatz der PCI bei Angina pectoris sollte daher das Krankheitsmuster als Entscheidungshilfe berücksichtigt werden.3
Mitralklappenversagen: Langzeit-Outcomes favorisieren die Re-Operation
Eine retrospektive Kohortenstudie untersuchte die Outcomes von 229 Personen, die eine TAVI-in-Mitral (ViV; n=90) oder eine Re-Operation (SMVR; n=139) erhielten. Die 30-Tages-Outcomes beider Gruppen waren vergleichbar, aber nach 5 Jahren zeigten sich signifikante Vorteile für die Re-Operation, wie niedrigere Mortalität (20,3 % vs. 40,9 %) und niedrigerer Mitralgradient (5,1 mm Hg vs. 7,8 mm Hg). Für die Entscheidung zwischen TAVI-in-Mitral oder Re-Operation sollten daher sowohl die Kurzzeit-Risiken als auch die Langzeit-Outcomes sorgfältig abgewogen werden.4
Kohortenstudie: GLP-1-RA bei Personen mit TAVI
Basierend auf der internationalen TriNetX-Datenbank wurden rund 1.700 Erwachsene mit TAVI und Übergewicht oder Diabetes und einer Therapie mit GLP1-Rezeptoragonisten (GLP-1-RA-User) mit Personen ohne GLP1-RA-Therapie (Non-User) gematcht. GLP-1-RA-User hatten ein um 40 % niedrigeres MACE-Risiko (Komposit aus Gesamtmortalität, Myokardinfarkt, Schlaganfall und Herzinsuffizienz-Verschlechterung). Auch das Risiko für sämtliche sekundäre Endpunkte (MACE-Einzelkomponenten sowie neu auftretendes VHF) war mit GLP-1-RA signifikant (um bis zu 60 %) reduziert. Die Ergebnisse zeigten einmal mehr, dass GLP-1-RA nicht nur das Körpergewicht, sondern auch weitere kardiometabolische Parameter günstig beeinflussen.5
SCAI 2026: Bedeutung von Lp(a) als unabhängiger Risikofaktor
In einer biorepositorischen Analyse wurden die Lp(a)-Werte aus Plasmaproben von rund 20.000 Personen der Studien ACCORD, PEACE und SPRINT gemessen und in 4 Kategorien unterteilt. Hohe Lp(a)-Spiegel (≥175 nmol/l) waren mit einem erhöhten Risiko für MACE (HR 1,3), kardiovaskulärem Tod (HR 1,5) und Schlaganfall (HR 1,6) assoziiert. Die Assoziationen waren in der Sekundärprävention stärker gegenüber der Primärprävention. Laut Prof. Subash Banerjee (Dallas, USA), der die Daten auf dem SCAI 2026 in Montreal vorstellte, unterstreichen diese Ergebnisse die Bedeutung von Lp(a) als wesentlichen Treiber des kardiovaskulären Risikos und sprechen sowohl für das breitangelegte Lp(a)-Screening als auch für den zukünftigen Einsatz von Lp(a)-senkenden Therapien.6
Real-World-Studie: PCSK9-Inhibition für die Primärprävention bei ASCVD
Rund 6.500 Personen mit Atherosklerose (ASCVD) und ohne ischämische Ereignisse, die eine Therapie mit PCSK9-Inhibitor (PCSK9i) begannen, wurden mit rund 13.000 Personen ohne PCSK9i-Therapie gematcht (US-amerikanische Datenbank). Die PCSK9i-Therapie senkte den primären Endpunkt (Komposit aus Herzinfarkt, Schlaganfall und Gesamtmortalität über 5 Jahre) um rund 30 % und die mittleren LDL-C-Werte um rund 50 % (von 117,8 mg/dl auf 54,7 mg/dl). Die Risikoreduktion durch die PCSK9-Inhibition bestätigte die Daten von VESALIUS-CV und unterstützt die intensive LDL-C-Senkung für die Primärprävention bei Personen mit ASCVD im klinischen Alltag.7
Referenzen
- Shen Y et al. Memantine for Premature Atrial Contractions: A Phase 2 Randomized Clinical Trial. Circulation. 2026 Apr 21;153(16):1196-1209. doi: 10.1161/CIRCULATIONAHA.125.079023. Epub 2026 Mar 19.
- Makkar RR et al. Real-World Outcomes of Transcatheter Tricuspid Valve Replacement: Analysis From the STS/ACC TVT Registry. JAMA. 2026 Apr 13:e263446. doi: 10.1001/jama.2026.3446. Epub ahead of print.
- Chiew K et al. Focal and Diffuse Coronary Artery Disease Patterns and Placebo-Controlled Angina Relief With Percutaneous Coronary Intervention: ORBITA-2. J Am Coll Cardiol. 2026 Apr 22:S0735-1097(26)05732-3. doi: 10.1016/j.jacc.2026.02.5126. Epub ahead of print.
- Won D et al. Long-Term Survival Advantage of Reoperative Surgical Mitral Valve Replacement Over Transcatheter Mitral Valve-in-Valve: A Multicenter Cohort. Ann Thorac Surg. 2026 Mar 23:S0003-4975(26)00250-X. doi: 10.1016/j.athoracsur.2026.03.032
- Goyal A et al. Cardiovascular Outcomes with GLP-1 Receptor Agonists in Patients with Diabetes or Obesity Undergoing Transcatheter Aortic Valve Replacement. Can J Cardiol. 2026 Apr 20:S0828-282X(26)00358-2. doi: 10.1016/j.cjca.2026.04.003.
- Banerjee S. Lipoprotein(a) Identifies Residual Cardiovascular Risk in NIH Randomized Trials. SCAI 2026 (Society for Cardiovascular Angiography and Interventions). 24.04. Montreal, Kanada (https://scai.confex.com/scai/2026/meetingapp.cgi/Paper/46023)
- Bhatt DL et al. PCSK9 inhibitor treatment and outcomes in patients with atherosclerotic cardiovascular disease but without prior ischaemic events: an observational study. Eur Heart J. 2026 Apr 16:ehag176. doi: 10.1093/eurheartj/ehag176.
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