Das Wichtigste in Kürze
- Impfungen schützen nicht nur vor Infektionen, sondern auch das Herz.
- Atemwegsinfekte können Herzinfarkt und Herzschwäche auslösen.
- Besonders wichtig sind Influenza, COVID-19, Pneumokokken, Gürtelrose und Respiratorisches Synzytialvirus (RSV).
- Die Grippeimpfung schützt das Herz, da sie schwere Herz-Kreislauf-Ereignisse wie einen Herzinfarkt verhindert.
- Ein regelmäßiger Impf-Check hilft, Impflücken zu erkennen und zu schließen.
Warum Impfungen zur Herzvorsorge gehören
Viele Menschen verbinden Impfungen vor allem mit dem Schutz vor Infektionskrankheiten. Dass sie auch das Herz schützen können, ist weniger bekannt. „Was viele nicht wissen: Durch eine Impfung, einmal im Jahr oder in größeren Abständen, lässt sich ein ähnlich guter Schutz für das Herz erreichen wie mit Medikamenten, die täglich eingenommen werden müssen“, erklärt Prof. Schirmer.
Studien zeigen, dass Impfungen das Risiko für Herzinfarkt, Schlaganfall und andere schwere Komplikationen deutlich senken können – vergleichbar mit etablierten Therapien etwa gegen Bluthochdruck oder erhöhte Cholesterinwerte.
Zur Person
Prof. Dr. Dr. Stephan H. Schirmer
Prof. Stephan H. Schirmer hat sich nach seiner Tätigkeit als Oberarzt in der Kardiologie des Universitätsklinikums des Saarlandes seit 2018 als Internist, Kardiologe und Angiologe in Kaiserslautern niedergelassen.
Warum Infektionen das Herz belasten
Infektionen wie Grippe (Influenza), RSV oder Pneumokokken sind mehr als nur vorübergehende Erkrankungen. Sie können den gesamten Körper – und besonders das Herz – stark belasten. Entzündungsreaktionen im Körper können dazu führen, dass Ablagerungen in den Gefäßen instabil werden. Im schlimmsten Fall reißen sie auf und lösen einen Herzinfarkt aus.
Auch der Herzmuskel selbst kann geschädigt werden. „Entzündungsprozesse können eine Herzmuskelentzündung oder eine Verschlechterung der Herzfunktion verursachen“, sagt der Kardiologe. Besonders gefährdet sind Menschen mit bereits bestehenden Herzerkrankungen.
Diese Impfungen sind für das Herz wichtig
Aus kardiologischer Sicht sollten insbesondere folgende Impfungen im Blick behalten werden:
- Influenza (jährlich)
- COVID-19 (regelmäßige Auffrischung)
- Pneumokokken (alle sechs Jahre)
- Gürtelrose
- RSV
Häufig wird vor allem die regelmäßige Auffrischung von COVID-19-Impfungen vergessen – trotz anhaltender Relevanz.
Grippeimpfung: Ein wichtiger Baustein für das Herz
Die Influenza-Impfung spielt eine zentrale Rolle beim Schutz des Herzens. „Für die Grippe ist die Datenlage besonders gut“, betont Prof. Schirmer. Studien zeigen, dass Infektionen eng mit dem Auftreten von Herzinfarkten verbunden sind. Zudem kann die Impfung nach einem Herzinfarkt das Risiko für erneute Ereignisse deutlich senken. In Studien reduzierte sie das Risiko für Tod, erneuten Herzinfarkt oder Gefäßverschluss um rund 28 Prozent.
Wann die Grippeimpfung sinnvoll ist
Die Grippeimpfung sollte idealerweise jährlich im Herbst erfolgen – meist ab Ende September. Doch auch wenn der richtige Zeitpunkt verpasst wurde, lohnt sich die Impfung weiterhin: Sie kann bis in den späten Winter hinein sinnvoll sein. „Auch bei einem verpassten Termin im Herbst ist es nie zu spät“, sagt Prof. Schirmer. Da Zeitpunkt und Verlauf der Grippewelle jedes Jahr variieren, kann eine spätere Impfung dennoch wirksam schützen.
Besonders wichtig bei Herzinsuffizienz
Für Menschen mit Herzinsuffizienz ist ein guter Impfschutz besonders entscheidend. Sie haben ein deutlich erhöhtes Risiko für Komplikationen, Krankenhausaufenthalte und schwere Verläufe. Atemwegsinfekte können den Zustand plötzlich verschlechtern. Die Impfung kann hier helfen, schwere Verläufe zu verhindern und das Risiko für erneute Krankenhausaufenthalte zu senken.
Ihr kurzer Impf-Check
- Habe ich meine Grippeimpfung in diesem Jahr erhalten?
- Ist meine COVID-19-Impfung aktuell?
- Wurde ich gegen Pneumokokken geimpft?
- Wurde eine Gürtelrose-Impfung durchgeführt?
- Habe ich mit meiner Ärztin/meinem Arzt über RSV gesprochen?
So prüfen Sie Ihren Impfstatus
Ein aktueller Impfstatus ist die beste Grundlage für einen verlässlichen Schutz. Der erste Schritt ist ganz einfach: ein Blick in den Impfpass, der alle bisherigen Impfungen dokumentiert. Viele Arztpraxen nutzen zudem digitale Systeme, die automatisch auf fehlende oder anstehende Impfungen hinweisen. Wer seinen Impfstatus regelmäßig überprüft, kann Impflücken rechtzeitig schließen und sich im Alltag besser schützen.
Unsicherheiten beim Impfen – was bei der Entscheidung hilft
Viele Menschen sind unsicher, wenn es um Impfungen geht. „Wichtig ist das Abwägen“, erklärt der Kardiologe. Auf der einen Seite steht der Schutz vor schweren Infektionen und gleichzeitig vor Herzinfarkt oder Schlaganfall. Demgegenüber stehen meist nur leichte und vorübergehende Nebenwirkungen, etwa Schmerzen an der Einstichstelle oder kurzfristige grippeähnliche Beschwerden.
Impfung verpasst – so holen Sie den Schutz fürs Herz nach
- Nicht in Panik geraten: Auch wenn ein Impftermin verpasst wurde, lässt sich der Impfschutz in den meisten Fällen problemlos nachholen.
- Arzttermin vereinbaren: Sprechen Sie beim nächsten Arztbesuch gezielt Ihren Impfstatus an. Gemeinsam lässt sich klären, welche Impfungen jetzt sinnvoll sind.
- Flexible Impfangebote nutzen: Impfungen sind oft nicht nur in der Hausarztpraxis möglich, sondern auch bei Fachärztinnen und Fachärzten oder in vielen Apotheken.
- Individuelle Lösung finden: Ob Auffrischung oder Nachholimpfung – der richtige Zeitpunkt hängt von Alter, Vorerkrankungen und persönlichem Risiko ab.
- Impfplan erstellen: Ein einfacher Plan mit nächsten Terminen hilft, den Überblick zu behalten und zukünftige Impfungen nicht zu vergessen.
- Erinnerung nutzen: Kalender, Impfpass oder digitale Systeme können dabei unterstützen, wichtige Auffrischungen im Blick zu behalten.
Fazit
Ein vollständiger Impfschutz ist ein zentraler Baustein der Herzvorsorge. Impfungen helfen, Infektionen zu vermeiden – und damit auch Herzinfarkte, Krankenhausaufenthalte und andere schwere Komplikationen.
Starten Sie jetzt Ihren Impf-Check: Werfen Sie einen Blick in Ihren Impfpass und lassen Sie sich bei Bedarf ärztlich beraten – für einen bestmöglichen Schutz Ihres Herzens.
FAQ – Häufige Fragen zum Impf-Check fürs Herz
Für den Schutz des Herzens sind vor allem Impfungen gegen Influenza (Grippe), COVID-19, Pneumokokken, Gürtelrose und das Respiratorische Synzytialvirus (RSV) wichtig. Sie helfen, Infektionen zu verhindern, die das Herz belasten können.
Infektionen wie Atemwegserkrankungen lösen Entzündungen im Körper aus. Diese können Blutgefäße und Herz belasten und das Risiko für Herzinfarkt oder Herzschwäche erhöhen. Impfungen helfen, solche Risiken zu reduzieren.
Ein Impf-Check beginnt mit einem Blick in den Impfpass. Wichtig ist, regelmäßig zu prüfen, ob Impfungen fehlen oder aufgefrischt werden müssen. Im Zweifel hilft das Gespräch mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt.
Ein aktueller Impfstatus ist besonders wichtig für Menschen mit Herzerkrankungen, ältere Personen sowie Menschen mit chronischen Erkrankungen wie Diabetes oder Bluthochdruck.
Sprechen Sie gezielt Ihren Impfstatus an. Fragen Sie, welche Impfungen aktuell empfohlen sind, ob Auffrischungen nötig sind und ob es Besonderheiten aufgrund Ihrer Vorerkrankungen gibt.