zentrum-shutterstock-2437993599-32zu9-1920x540px

Akute Herzinsuffizienz: Versorgung vereinheitlichen, Qualität sichern

Patientinnen und Patienten mit akuter Herzinsuffizienz stellen sich in allen Bereichen der Notfallversorgung vor. Entsprechend uneinheitlich ist die Versorgung. Ein neues vom DGK-Zentrum für Kardiologische Versorgungsforschung gefördertes Register soll den Status Quo in Deutschland abbilden und dadurch Ansatzpunkte für bessere Versorgungsstrukturen liefern.

 

Dieser Artikel erschien zuerst in der Cardio News, Mai 2026. DGK-Mitglieder erhalten die Cardio News kostenlos. Hier Mitglied werden!

Von:

Dr. S. Macherey-Meyer

Prof. Dr. Roman Pfister

Herzzentrum der Universitätsklinik Köln

 

Prof. Dr. G. Michels

Krankenhaus der Barmherzigen Brüder Trier

 

26.06.2026

Bildquelle (Bild oben): Prathankarnpap / Shutterstock.com

Die Prävalenz der Herzinsuffizienz ist in den letzten Jahren kontinuierlich angestiegen und wird aufgrund der demographischen Entwicklung auch in den kommenden Jahrzehnten weiter zunehmen [Christ et al., 2016]. Bei Patientinnen und Patienten mit dem Leitsymptom Dyspnoe ist Herzinsuffizienz die zweithäufigste Ursache [Balen et al., 2023]. Seit vielen Jahren stellt die symptomatische Herzinsuffizienz in Deutschland den häufigsten Anlass für eine stationäre Aufnahme und Behandlung dar. Sie geht mit einem hohen Mortalitäts- und Morbiditätsrisiko einher. Damit besitzt die Herzinsuffizienz – insbesondere bei akuter Verschlechterung – sowohl klinisch als auch gesundheitsökonomisch eine herausragende Bedeutung.

Anspruchsvolles Management, wenig Standards

Während für die Behandlung der chronischen Herzinsuffizienz differenzierte Therapieempfehlungen etabliert sind, hat die Versorgung der akuten Herzinsuffizienz in der klinischen Akut- und Notfallmedizin bislang vergleichsweise wenig Aufmerksamkeit erhalten [Pang et al., 2017; Möckel et al., 2020]. Von Bedeutung ist hier, dass zentrale Notaufnahmen und Notfallzentren unterschiedlich strukturiert, fachlich abweichend geführt und somit in der Tiefe von Diagnostik und Behandlung durchaus unterschiedlich ausgerichtet sind. Spezifische, standardisierte Maßnahmen für Patientinnen und Patienten mit akuter Herzinsuffizienz werden in Notaufnahmen bislang nur selten systematisch umgesetzt [Miro et al., 2021]. Die Diagnostik und Behandlung sind aufgrund des syndromalen Charakters der Herzinsuffizienz besonders anspruchsvoll. Vor diesem Hintergrund gewinnt die frühzeitige Einbindung kardiologischer Expertise in die Akutversorgung zunehmend an Bedeutung. Gleichzeitig besteht ein wachsender Bedarf an qualitätssichernden Maßnahmen in der Versorgung dieser Patientengruppe [Weintraub et al., 2010; Mebazza et al., 2016; Sabouret et al., 2022].

 

Die akute Herzinsuffizienz umfasst ein breites Spektrum klinischer Manifestationen – von einer milden Verschlechterung der Dyspnoe oder Flüssigkeitsretention bis hin zum kardiogenen Schock oder Kreislaufstillstand. Entsprechend kann der Primärkontakt von Patientinnen und Patienten mit akuter Herzinsuffizienz in allen Bereichen der Notfallversorgung erfolgen: beim Haus- oder Facharzt, in Notfallpraxen der Kassenärztlichen Vereinigungen, über den Rettungsdienst oder durch direkte Vorstellung in zentralen Notaufnahmen von Krankenhäusern unterschiedlicher Versorgungsstufen. Die Patientenpfade in der Versorgung der akuten Herzinsuffizienz sind stark von den lokalen Strukturen des Gesundheitssystems abhängig und lassen sich daher nicht ohne Weiteres aus internationalen Daten auf das deutsche Versorgungssystem übertragen [Miro et al., 2017]. Für Deutschland existieren bislang nur wenige systematische Daten zur Notfallversorgung bei akuter Herzinsuffizienz [Searle et al., 2016].

 

Die Etablierung eines qualitätssichernden Registers ist daher – insbesondere im Kontext der aktuell stattfindenden strukturellen Veränderungen in der Notfallversorgung – von großer Bedeutung. Ein solches Register kann dazu beitragen, den Kapazitätsbedarf in Notaufnahmen besser abzuschätzen, Patientenpfade bedarfsgerecht zu strukturieren und dadurch die Effizienz und Qualität der klinischen Akutversorgung zu verbessern. 

Ziele des G-AHF-Registers

Vor diesem Hintergrund ist der Aufbau des prospektiven „German - Acute Heart Failure“ (G-AHF) Registers sowohl aus medizinischer als auch aus versorgungswissenschaftlicher Perspektive von zentraler Bedeutung. Das G-AHF-Register soll insbesondere zur flächendeckenden Qualitätssicherung beitragen und perspektivisch Prozessabläufe in der Versorgung von Patientinnen und Patienten mit akuter Herzinsuffizienz in zentralen Notaufnahmen optimieren.

 

Hauptziele des G-AHF Registers sind (Abbildung):

 

  1. die systematische Erfassung des „Status quo“ der Patientenpfade in und aus der Notaufnahme in Institutionen mit nach aktuellem Stand optimalen Versorgungsstrukturen im Sinne von zertifizierten HFU Zentren sowie ein Abgleich der Pfade mit der Verfügbarkeit von alternativen Versorgungsstrukturen und der bedarfsgerechten Versorgungsintensität,
  2. die systematische Erfassung von klinischen Qualitätskriterien im Rahmen der Akutdiagnostik und Akuttherapie der akuten Herzinsuffizienz. Als Qualitätskriterien seien als Beispiel folgende Parameter genannt: Umsetzung spezifischer Diagnostika (z.B. 12-Kanal-EKG, Bestimmung von natriuretischen Peptiden und/oder Durchführung einer fokussierten Echokardiografie), Formulierung einer Arbeitsdiagnose für die Grunderkrankung/Entität der Herzinsuffizienz, spezifische Therapieverabreichung (i.v. Diuretika, Katecholamine bei Schock/Laktaterhöhung).
Schaubild German Acute Heart Failure Register
© Michels

Das Register wird aktuell im Sinne einer Pilotphase (12 Monate) ausgerollt. In dieser Projektphase werden sich mehrere Notfallaufnahmen und Notfallzentren unterschiedlicher Versorgungsstufen aus Deutschland beteiligen und konsekutiv erwachsene Patientinnen und Patienten mit Arbeitsdiagnose Herzinsuffizienz (ausgenommen Patientinnen und Patienten nach Reanimation) einschließen. Das Register wurde im Hinblick auf die praktische Patientenerfassung in der Notaufnahme bewusst pragmatisch konzipiert. Es fokussiert sich auf Variablen zu expliziten Versorgungsprozessen in der Notaufnahme, die medizinische Vorgeschichte sowie den diagnosebezogenen stationären Behandlungsverlauf im Falle einer Hospitalisierung. Einen besonderen Zusatznutzen bietet das Register durch ein strukturiertes telefonisches Follow-Up nach 30 Tagen. Die Erfassung der ersten Patientinnen und Patienten startete am 01. Februar 2026. Das Projekt wird durch Fördermittel des DGK-Zentrums für kardiologische Versorgungsforschung gefördert. Sollte die Pilotphase erfolgreich abgeschlossen werden, ist eine Verstetigung des Registers mit deutschlandweiter Ausrollung über alle Versorgungsstufen hinweg das nächste Projektziel.

Zur Person

Prof. Guido Michels

Prof. Guido Michels ist Chefarzt des Notfallzentrums am Krankenhaus der Barmherzigen Brüder Trier, Medizincampus Trier der Universitätsmedizin Mainz. Zu seinen Forschungsschwerpunkten zählen u.a. die akutmedizinische Bildgebung und die kardiopulmonale Reanimation.

Michels-Guido-375x375

Zur Person

Dr. Sascha Macherey-Meyer

Dr. Sascha Macherey-Meyer ist Facharzt für Innere Medizin und Kardiologie und an der Klinik für Kardiologie, Angiologie, Pneumologie und Internistische Intensivmedizin am Herzzentrum der Universität zu Köln tätig. Seit der 92. Jahrestagung der DGK ist er Mitglied des Nukleus der AG 3 (Kardiologische Intensivmedizin). 

Dr. Sascha Macherey Meyer

Zur Person

Prof. Roman Pfister

Prof. Roman Pfister ist leitender Oberarzt und stellvertretender Klinikdirektor der Klinik III für Innere Medizin am Universitätsklinikum Köln. Dort ist er Leiter des Herzinsuffizienz- und Transplantationsprogramms sowie des interventionellen AV-Klappenprogramms. Seine Forschungsschwerpunkte sind Klinik und Epidemiologie der Herzinsuffizienz sowie Alterseffekte in der kardiovaskulären Medizin.

pfister-roman-375x375px

Mehr zum Thema

Das könnte Sie auch interessieren

DGK-Präsident Prof. S. Blankenberg im Interview über das neue Nationale Herz-Netz (NHN) und dessen Auswirkungen auf die Patientenversorgung.

DGK-Publikationen prägnant vorgestellt – dieses Mal: DGK-Kommentar zur ersten ESC-Leitlinie zum Management von Myokarditis und Perikarditis. Von Prof. J. Schulz-Menger.

Die Kampagne der Nationalen Herz-Allianz zur Erhöhung der Impfquoten von Herzpatientinnen und -patienten geht in die zweite Runde.