Eine Infektion mit SARS-CoV-2 geht mit einem erhöhten Risiko für schwerwiegende kardiovaskuläre Ereignisse (MACE) einher, auch über die akute Phase hinaus. Bisherige Studien zeigten bereits, dass COVID-19-Impfungen in den ersten Jahren nach ihrer Einführung mit einem verringerten Risiko für kardiovaskuläre Erkrankungen verbunden waren. Allerdings hat sich seitdem die epidemiologische Lage verändert. Neue Virusvarianten könnten eine geringere Pathogenität und ein geringeres kardiovaskuläres Risiko aufweisen und die Bevölkerung könnte durch wiederholte Infektionen und frühere Impfungen besser geschützt sein. Die vorliegende Studie, die im Juni in JAMA Internal Medicine veröffentlicht wurde, untersuchte daher, ob COVID-19-Impfungen auch in der Saison 2024/2025 mit einem verringerten MACE-Risiko assoziiert waren.
Die Kohortenstudie nutzte Gesundheitsdaten des US Department of Veterans Affairs und schloss für ihre Analyse US-Veteranen ein, die zwischen September und Dezember 2024 entweder gleichzeitig eine COVID-19- und Influenza-Impfung erhielten oder ausschließlich gegen Influenza geimpft wurden. Die Impfwirksamkeit und Risikodifferenz über 8 Monate wurden für den kombinierten Endpunkt „COVID-19-assoziierte MACE“ berechnet, zusammengesetzt aus kardiovaskulärem Tod, Myokardinfarkt, Schlaganfall oder Hospitalisierung wegen Herzinsuffizienz, jeweils in enger zeitlicher Verbindung mit einer laborbestätigten SARS-CoV-2-Infektion. Eine sekundäre Analyse betrachtete jeweils MACE, Krankenhausaufenthalte und Todesfälle jeglicher Ursache.
Von den 1.039.659 Teilnehmenden (mittleres Alter 70,1±12,4 Jahre; 91,8 % Männer), die eine Grippeimpfung erhalten hatten, erhielten 349.085 auch eine COVID-19-Impfung.
Über den Beobachtungszeitraum von 8 Monaten war die COVID-19-Impfung signifikant mit einem geringeren Risiko für COVID-19-assoziierte MACE verbunden: Die relative Risikoreduktion betrug 37,7 % (95%KI 18,2–54,9 %). Absolut gab es pro 10.000 Personen 2,0 COVID-19-assoziierte MACE-Ereignisse weniger (95%KI 0,9–3,7).
In der Alters-Subgruppenanalyse (<65, 65–75, >75 Jahre) war die relative Risikoreduktion mit 50,7 % (95%KI 31,8–65,6 %) bei Personen >75 Jahren am deutlichsten und erreichte nur in dieser Altersgruppe statistische Signifikanz. Es traten 5,5 weniger Ereignisse pro 10.000 Personen auf (95%KI 2,8–8,8).
Die relative Risikoreduktion war in allen Subgruppen zum Vorliegen bzw. Nichtvorliegen von Komorbiditäten statistisch signifikant (nicht differenziert nach Altersgruppen). Zu den untersuchten Komorbiditäten zählten kardiovaskuläre oder zerebrovaskuläre Vorerkrankung, chronische Nieren- oder Lungenerkrankung, Diabetes und immunsupprimierter Status. Bei Vorliegen einer Herz-Kreislauf-Erkrankung betrug die relative Risikoreduktion bei Impfung 38,9 % (95%KI 14,4–57,3 %). Bei Personen mit Komorbiditäten war die absolute Risikoreduktion größer als bei Personen ohne die jeweilige Komorbidität – beispielsweise für Herz-Kreislauf-Erkrankungen 5,1 gegenüber 1,3 weniger Ereignissen pro 10.000 Personen (95%KI 1,55–9,69 vs. 0,28–2,7).
In den Sekundäranalysen zum breiteren Outcome (unabhängig von diagnostizierter SARS-CoV-2-Infektion) zeigten sich bei COVID-19-Impfung deutlich höhere absolute Risikoreduktionen – jeweils pro 10.000 Personen:
- 23,7 weniger Fälle von MACE jeglicher Ursache (95%KI 14,1–34,7)
- 29,9 weniger Hospitalisierungen jeglicher Ursache (95%KI 19,7–41,8)
- 15,8 weniger Todesfälle jeglicher Ursache (95%KI 8,6–24,1)
Zu den Limitationen der Studie zählt, dass die Studienpopulation überwiegend aus älteren, weißen Männern bestand. Zudem handelt es sich um eine Beobachtungsstudie, die Assoziationen zeigt, aber keine definitiven kausalen Schlussfolgerungen erlaubt.
In dieser Kohortenstudie war die COVID-19-Impfung 2024/2025 mit einem geringeren Risiko für COVID-19-assoziierte MACE verbunden, wobei die Risikoreduktionen bei Personen >75 Jahren und bei Personen mit Komorbiditäten am deutlichsten ausfielen. Zwar war die absolute Verringerung der COVID-19-assoziierten MACE nur moderat, aber die deutlich größeren absoluten Risikoreduktionen bei MACE, Hospitalisierungen und Todesfällen jeglicher Ursache könnten laut Forschungsteam eine verborgene Krankheitslast durch unentdeckte SARS-CoV-2-Infektionen und ihre Folgen widerspiegeln.
Eine US-amerikanische Kohortenstudie zeigte eine Abnahme kardiovaskulärer Ereignisse nach COVID-19-Impfung, die offensichtlich zusammen mit Influenzaimpfungen verabreicht wurden. Insgesamt war die Ereignisrate mittlerweile gering, wobei veränderte Virusvarianten oder eine hohe Zahl von Vorinfektionen mit hinterlassener Immunität hierfür bedeutsam sein könnten. Wie anzunehmen war, war die Risikoreduktion deutlicher bei älteren Personen mit einem höheren Risiko.
Am 9. Juli hat die Ständige Impfkommission (STIKO) aufgrund zurückgehender Fallzahlen bei COVID-19-bedingten Hospitalisierungen und Todesfällen in Deutschland sowie zur Fokussierung auf besonders vulnerable Gruppen ihre Impfempfehlung angepasst. Die jährliche COVID-19-Auffrischimpfung wird für gesunde Erwachsene nur noch ab 75 Jahren empfohlen, statt wie bisher ab 60 Jahren. Zudem gilt altersunabhängig weiterhin die Impfempfehlung für Personen mit chronischen Erkrankungen und für Gesundheitspersonal. Die Empfehlung zum Erlangen einer Basisimmunität (mindestens 3 SARS-CoV-2-Antigenkontakte durch Impfung oder Infektion) entfällt aufgrund einer bereits ausgeprägten hybriden Immunität in der Bevölkerung.
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