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COVID-19-Impfung: Weiterhin kardiovaskuläre Benefits?

Seit Einführung der COVID-19-Impfungen haben sich Virusvarianten, Grundimmunität in der Bevölkerung und Erkrankungsrisiken verändert. Inwieweit eine Impfung auch in der Saison 2024/2025 noch mit einem geringeren Risiko für COVID-19-assoziierte kardiovaskuläre Ereignisse verbunden war, untersuchte eine große US-Kohortenstudie.1 In Deutschland passte die STIKO im Juli 2026 die Impfempfehlungen an.2

 

Prof. Michael Böhm (Universitätsklinikum des Saarlandes) kommentiert.

Von:

Martin Nölke

HERZMEDIZIN-Redaktion

 

Expertenkommentar:
Prof. Michael Böhm
Universitätsklinikum des Saarlandes

 

22.07.2026

Bildquelle (Bild oben): Ratana21 / Shutterstock.com

Eine Infektion mit SARS-CoV-2 geht mit einem erhöhten Risiko für schwerwiegende kardiovaskuläre Ereignisse (MACE) einher, auch über die akute Phase hinaus. Bisherige Studien zeigten bereits, dass COVID-19-Impfungen in den ersten Jahren nach ihrer Einführung mit einem verringerten Risiko für kardiovaskuläre Erkrankungen verbunden waren. Allerdings hat sich seitdem die epidemiologische Lage verändert. Neue Virusvarianten könnten eine geringere Pathogenität und ein geringeres kardiovaskuläres Risiko aufweisen und die Bevölkerung könnte durch wiederholte Infektionen und frühere Impfungen besser geschützt sein. Die vorliegende Studie, die im Juni in JAMA Internal Medicine veröffentlicht wurde, untersuchte daher, ob COVID-19-Impfungen auch in der Saison 2024/2025 mit einem verringerten MACE-Risiko assoziiert waren.

COVID-19-/Influenza-Impfung vs. Influenza-Impfung allein

Die Kohortenstudie nutzte Gesundheitsdaten des US Department of Veterans Affairs und schloss für ihre Analyse US-Veteranen ein, die zwischen September und Dezember 2024 entweder gleichzeitig eine COVID-19- und Influenza-Impfung erhielten oder ausschließlich gegen Influenza geimpft wurden. Die Impfwirksamkeit und Risikodifferenz über 8 Monate wurden für den kombinierten Endpunkt „COVID-19-assoziierte MACE“ berechnet, zusammengesetzt aus kardiovaskulärem Tod, Myokardinfarkt, Schlaganfall oder Hospitalisierung wegen Herzinsuffizienz, jeweils in enger zeitlicher Verbindung mit einer laborbestätigten SARS-CoV-2-Infektion. Eine sekundäre Analyse betrachtete jeweils MACE, Krankenhausaufenthalte und Todesfälle jeglicher Ursache.

Risikoreduktion besonders bei hohem Alter und bei Komorbiditäten

Von den 1.039.659 Teilnehmenden (mittleres Alter 70,1±12,4 Jahre; 91,8 % Männer), die eine Grippeimpfung erhalten hatten, erhielten 349.085 auch eine COVID-19-Impfung.


Über den Beobachtungszeitraum von 8 Monaten war die COVID-19-Impfung signifikant mit einem geringeren Risiko für COVID-19-assoziierte MACE verbunden: Die relative Risikoreduktion betrug 37,7 % (95%KI 18,2–54,9 %). Absolut gab es pro 10.000 Personen 2,0 COVID-19-assoziierte MACE-Ereignisse weniger (95%KI 0,9–3,7).


In der Alters-Subgruppenanalyse (<65, 65–75, >75 Jahre) war die relative Risikoreduktion mit 50,7 % (95%KI 31,8–65,6 %) bei Personen >75 Jahren am deutlichsten und erreichte nur in dieser Altersgruppe statistische Signifikanz. Es traten 5,5 weniger Ereignisse pro 10.000 Personen auf (95%KI 2,8–8,8). 


Die relative Risikoreduktion war in allen Subgruppen zum Vorliegen bzw. Nichtvorliegen von Komorbiditäten statistisch signifikant (nicht differenziert nach Altersgruppen). Zu den untersuchten Komorbiditäten zählten kardiovaskuläre oder zerebrovaskuläre Vorerkrankung, chronische Nieren- oder Lungenerkrankung, Diabetes und immunsupprimierter Status. Bei Vorliegen einer Herz-Kreislauf-Erkrankung betrug die relative Risikoreduktion bei Impfung 38,9 % (95%KI 14,4–57,3 %). Bei Personen mit Komorbiditäten war die absolute Risikoreduktion größer als bei Personen ohne die jeweilige Komorbidität – beispielsweise für Herz-Kreislauf-Erkrankungen 5,1 gegenüber 1,3 weniger Ereignissen pro 10.000 Personen (95%KI 1,55–9,69 vs. 0,28–2,7).


In den Sekundäranalysen zum breiteren Outcome (unabhängig von diagnostizierter SARS-CoV-2-Infektion) zeigten sich bei COVID-19-Impfung deutlich höhere absolute Risikoreduktionen – jeweils pro 10.000 Personen:

 

  • 23,7 weniger Fälle von MACE jeglicher Ursache (95%KI 14,1–34,7)
  • 29,9 weniger Hospitalisierungen jeglicher Ursache (95%KI 19,7–41,8)
  • 15,8 weniger Todesfälle jeglicher Ursache (95%KI 8,6–24,1)

 

Zu den Limitationen der Studie zählt, dass die Studienpopulation überwiegend aus älteren, weißen Männern bestand. Zudem handelt es sich um eine Beobachtungsstudie, die Assoziationen zeigt, aber keine definitiven kausalen Schlussfolgerungen erlaubt.

Fazit

In dieser Kohortenstudie war die COVID-19-Impfung 2024/2025 mit einem geringeren Risiko für COVID-19-assoziierte MACE verbunden, wobei die Risikoreduktionen bei Personen >75 Jahren und bei Personen mit Komorbiditäten am deutlichsten ausfielen. Zwar war die absolute Verringerung der COVID-19-assoziierten MACE nur moderat, aber die deutlich größeren absoluten Risikoreduktionen bei MACE, Hospitalisierungen und Todesfällen jeglicher Ursache könnten laut Forschungsteam eine verborgene Krankheitslast durch unentdeckte SARS-CoV-2-Infektionen und ihre Folgen widerspiegeln.

Expertenkommentar

Eine US-amerikanische Kohortenstudie zeigte eine Abnahme kardiovaskulärer Ereignisse nach COVID-19-Impfung, die offensichtlich zusammen mit Influenzaimpfungen verabreicht wurden. Insgesamt war die Ereignisrate mittlerweile gering, wobei veränderte Virusvarianten oder eine hohe Zahl von Vorinfektionen mit hinterlassener Immunität hierfür bedeutsam sein könnten. Wie anzunehmen war, war die Risikoreduktion deutlicher bei älteren Personen mit einem höheren Risiko.


Am 9. Juli hat die Ständige Impfkommission (STIKO) aufgrund zurückgehender Fallzahlen bei COVID-19-bedingten Hospitalisierungen und Todesfällen in Deutschland sowie zur Fokussierung auf besonders vulnerable Gruppen ihre Impfempfehlung angepasst. Die jährliche COVID-19-Auffrischimpfung wird für gesunde Erwachsene nur noch ab 75 Jahren empfohlen, statt wie bisher ab 60 Jahren. Zudem gilt altersunabhängig weiterhin die Impfempfehlung für Personen mit chronischen Erkrankungen und für Gesundheitspersonal. Die Empfehlung zum Erlangen einer Basisimmunität (mindestens 3 SARS-CoV-2-Antigenkontakte durch Impfung oder Infektion) entfällt aufgrund einer bereits ausgeprägten hybriden Immunität in der Bevölkerung.

Zur Person

Prof. Michael Böhm

Prof. Michael Böhm war von Oktober 2000 bis Ende 2025 Professor für Innere Medizin sowie Direktor der Klinik für Innere Medizin III, Kardiologie, Angiologie und Internistische Intensivmedizin am Universitätsklinikum des Saarlandes, Homburg/Saar. Von 2009 bis 2011 war er Präsident der Deutschen Gesellschaft für Kardiologie (DGK) und wurde 2018 Pressesprecher der DGK.

 

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Übersicht zu den aktuellen Impfempfehlungen laut STIKO und den kardiovaskulären Benefits:3

Tabelle: Kardiovaskuläre Benefits und aktuelle Impf-Empfehlungen laut STIKO

Die Ständige Impfkommission (STIKO) empfiehlt eine jährliche Auffrischimpfung im Spätsommer/Frühherbst für Personen mit einem erhöhten Risiko für einen schweren COVID-19-Verlauf sowie für Personen mit einem erhöhten arbeitsbedingten SARS-CoV-2-Infektionsrisiko.2,4 Dazu gehören:

 

  • Personen im Alter von ≥75 Jahren
  • Bewohnende in Einrichtungen der Pflege sowie Personen mit einem erhöhten Risiko für einen schweren Krankheitsverlauf in Einrichtungen der Eingliederungshilfe
  • Personen im Alter ≥6 Monate bei erhöhter gesundheitlicher Gefährdung für einen schweren COVID-19-Verlauf infolge einer Grunderkrankung (s. u.)
  • Schwangere bei erhöhter gesundheitlicher Gefährdung infolge einer Grunderkrankung oder schwangerschaftsassoziierter Komplikationen (z. B. Gestationsdiabetes, Hypertonie) ab dem 2. Trimenon
  • Personal in Pflegeeinrichtungen mit direktem Kontakt zu Bewohnenden
  • Medizinisches Personal mit einem erhöhten tätigkeitsbezogenen Infektionsrisiko für SARS-CoV-2 (z. B. Medizinische Notaufnahme, Intensivstation etc.)
  • Medizinisches Personal, das Risikopatientinnen und -patienten betreut (als Risikopersonen gelten hierbei Personen mit den unten aufgeführten Grunderkrankungen)
  • Familienangehörige und enge Kontaktpersonen ab dem Alter von 6 Monaten von Personen, bei denen nach einer COVID-19-Impfung keine schützende Immunantwort zu erwarten ist

 

Zu den Grunderkrankungen mit einem erhöhten Risiko für einen schweren COVID-19-Verlauf gehören z. B.:

 

  • Chronische Erkrankungen der Atmungsorgane (z. B. COPD)
  • Chronische Herz-Kreislauf-, Leber- und Nierenerkrankungen
  • Diabetes mellitus und andere Stoffwechselerkrankungen
  • Adipositas (BMI ≥30)
  • ZNS-Erkrankungen (z. B. chronische neurologische Erkrankungen, Demenz oder geistige Behinderung, psychiatrische Erkrankungen oder zerebrovaskuläre Erkrankungen)
  • Syndromale Erkrankungen (z. B. Trisomie 21)
  • Angeborene oder erworbene Immundefizienz (z. B. HIV-Infektion, chronisch-entzündliche Erkrankungen unter relevanter immunsupprimierender Therapie, Z. n. Organ- oder Stammzelltransplantation, zellbasierte Therapien)
  • Maligne neoplastische Krankheiten
  • Schwangerschaftskomplikationen (z. B. Gestationsdiabetes, Hypertonie)
  • Langzeitfolgen nach COVID-19 (z. B. Long- oder Post-COVID bzw. Postakutes Infektionssyndrom)

Key Facts der Studie

Die Kohortenstudie untersuchte, ob eine COVID-19-Impfung in der Saison 2024/2025 mit einem geringeren Risiko für COVID-19-assoziierte schwerwiegende kardiovaskuläre Ereignisse (MACE) verbunden war. Dafür wurden Daten von über 1 Million US-Veteranen analysiert, die entweder gleichzeitig gegen COVID-19 und Influenza oder ausschließlich gegen Influenza geimpft wurden.

Über den Beobachtungszeitraum von 8 Monaten war die COVID-19-Impfung mit einer relativen Reduktion COVID-19-assoziierter MACE um 37,7 % verbunden. Absolut entsprach dies 2,0 weniger Ereignissen pro 10.000 Personen. In Alters-Subgruppenanalysen war der geschätzte kardiovaskuläre Nutzen bei Personen >75 Jahren am deutlichsten und erreichte statistische Signifikanz. Bei Personen mit Komorbiditäten zeigte sich eine größere absolute Risikoreduktion als bei Personen ohne die jeweilige Vorerkrankung.

Die Daten deuten auf einen kardiovaskulären Nutzen der COVID-19-Impfung in der Saison 2024/2025 hin, insbesondere bei älteren Menschen (>75 Jahren) und bei Personen mit relevanten Komorbiditäten. Die deutlich größeren absoluten Risikoreduktionen bei MACE, Hospitalisierungen und Todesfällen jeglicher Ursache könnten auf eine verborgene Krankheitslast durch unentdeckte SARS-CoV-2-Infektionen hinweisen.


Auf Basis nationaler Daten hob die STIKO im Juli 2026 die Altersgrenze für die jährliche COVID-19-Auffrischimpfung von 60 auf 75 Jahre an. Für chronisch Erkrankte und Gesundheitspersonal bleibt die Impfempfehlung unabhängig vom Alter bestehen. Die Empfehlung zum Erlangen einer Basisimmunität entfällt.

Referenzen

  1. Cai M et al. 2024-2025 COVID-19 Vaccine and Major Adverse Cardiovascular Events Among US Veterans. JAMA Intern Med. Published online June 15, 2026. doi:10.1001/jamainternmed.2026.1929
  2. Robert-Koch-Institut. STIKO: Aktualisierung der COVID-19-Impfempfehlung 2026. Epidemiologisches Bulletin 28/2026, 09.07.2026.
  3. HERZMEDIZIN. Herzinfarkt und Schlaganfall durch Impfen vorbeugen. Beitrag, 20.07.2026.
  4. Robert-Koch-Institut. COVID-19-Impf­empfehlung (Stand: 9.7.2026).

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