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Niedriger Gradient nach TAVI mit höherer Mortalität assoziiert

DGK Herztage 2026 | IMPPACT TAVR: Daten von über 42.000 Patientinnen und Patienten aus einem internationalen Register zeigten, dass ein niedriger mittlerer Gradient bei Entlassung nach TAVI mit einer höheren 4-Jahres-Mortalität assoziiert ist.1 Dr. Maximilian Tessenyi (Uniklinik Köln) stellte die Daten vor und berichtet. 

 

Prof. Tanja Rudolph (Herz- und Diabeteszentrum NRW, Bad Oeynhausen) berichtet und kommentiert.

Von:

Dr. Maximilian Tessenyi

Uniklinik Köln

 

Expertenkommentar

Prof. Tanja Rudolph

Rubrikleiterin Strukturelle Herzerkrankungen

 

01.10.2026

Bildquelle (Bild oben): Sina Ettmer Photography / Shutterstock.com 

Hintergrund

Nach einer kathetergestützten Aortenklappenimplantation (TAVI) gilt ein niedriger transvalvulärer Gradient gemeinhin als Zeichen eines günstigen hämodynamischen Ergebnisses, während hohe Restgradienten mit Prothesendysfunktion und frühzeitiger Klappendegeneration in Verbindung gebracht werden. Aktuelle Empfehlungen schlagen einen mittleren Gradienten von ≥20 mmHg als maßgeblicher Grenzwert für eine hämodynamische Klappendysfunktion vor.2 Ein niedriger Gradient kann jedoch auch Ausdruck eines reduzierten transvalvulären Flusses sein, und ein solcher Low-Flow-Zustand ist seinerseits mit einer ungünstigen Prognose verbunden. Bisherige Untersuchungen kamen zu widersprüchlichen Ergebnissen. 

Studiendesign

Grundlage war das internationale, multizentrische IMPPACT-TAVR-Register mit 60.031 Patientinnen und Patienten. Zum Ausschluss der periprozeduralen Mortalität wurden nur Patienten mit einem Follow-up von mindestens 30 Tagen für die Analysen berücksichtigt. Primärer Endpunkt war die Gesamtmortalität nach 4 Jahren. Die Patientinnen und Patienten wurden nach Quartilen des mittleren Gradienten bei Entlassung (dPmean) eingeteilt (≤6; >6–9; >9–12 und >12 mmHg). Analysiert wurde mit Kaplan-Meier-Kurven (n=42.150) und mit adjustierten Mixed-Effects-Cox-Modellen (n=32.799), ergänzt um Spline-Analysen (n=32.704) getrennt nach Klappentyp. Zusätzlich erfolgte eine zusätzliche Adjustierung für den Schlagvolumenindex (SVI) in einer separaten Kohorte (n=5.620).

Ergebnisse

Interessanterweise stieg die Mortalität mit einem niedrigeren Gradienten an, nicht mit einem höheren. Der Zusammenhang war über alle Quartile hochsignifikant (vs. Q1: HR 0,85; 0,73 und 0,70; jeweils p<0,001) und blieb auch im adjustierten Mixed-Effects-Cox-Modell bestehen (Alter, Geschlecht, GFR, LVEF, Vorhofflimmern; Zentrum als Random Effect; HR 0,89; 0,80 und 0,81). Bei ballonexpandierbaren Klappen sank das Risiko annähernd linear mit steigendem Gradienten. Bei selbstexpandierenden Klappen zeigte sich dagegen ein U-förmiger Verlauf (p für Nichtlinearität < 0,001): Das Risiko war bei etwa 12–13 mmHg am niedrigsten und stieg ab etwa 17 mmHg wieder an. In einer Subkohorte mit verfügbarem SVI (n=5.620) war der Effekt des Gradienten nach Adjustierung für den SVI nicht mehr nachweisbar (HR pro mmHg 0,977-1,006; p=0,27). Der Gradient allein ist daher zur Beurteilung der Prothesenfunktion nur eingeschränkt geeignet und sollte stets im Kontext des Flusses interpretiert werden. Limitierend sind das retrospektive Design und die nur teilweise verfügbaren SVI-Daten.

Fazit

Die IMPPACT-TAVR-Daten zeigen, dass entgegen der verbreiteten Annahme nicht ein erhöhter, sondern ein niedriger Gradient bei Entlassung mit einer höheren Langzeitmortalität assoziiert ist. Nach Adjustierung für den Schlagvolumenindex lieferte der Gradient jedoch keine zusätzliche prognostische Information mehr. Der Gradient sollte daher nicht isoliert, sondern stets im Kontext von Schlagvolumen, Klappentyp und Patientencharakteristika interpretiert werden.

Zur Person

Dr. Maximilian Tessenyi

Dr. Maximilian Tessenyi ist als Assistenzarzt für Innere Medizin und Kardiologie an der Klinik für Kardiologie, Angiologie, Pneumologie und Internistische Intensivmedizin am Herzzentrum der Universität zu Köln tätig. Wissenschaftlich beschäftigt er sich neben grundlagenwissenschaftlichen Fragestellungen schwerpunktmäßig mit Herzklappenerkrankungen. 

Maximilian Tessenyi

Expertenkommentar

Der transvalvuläre Gradient über der TAVI-Prothese ist im klinischen Alltag ein wichtiger Parameter zur Beurteilung der Prothesenfunktion. Die Daten des IMPACCT-TAVR-Registers zeigen, dass der transvalvuläre Gradient isoliert betrachtet, die Prothesenfunktion nur bedingt widerspiegelt. In dem multizentrischen, internationalen Register konnte gezeigt werden, dass sogar ein besonders niedriger Gradient mit einem schlechteren Überleben nach 4 Jahren assoziiert war. Die Autoren konnten sehr gut herausarbeiten, dass nach Adjustierung auf den Schlag-Volumen-Index der transvalvuläre Gradient seine prognostische Bedeutung verliert.


Diese Erkenntnis verdeutlich die enge Verzahnung zwischen Prothesen- und Herzfunktion. Insbesondere bei Patientinnen und Patienten mit Herzinsuffizienz und konsekutiv reduziertem Schlag-Volumen-Index, die bekanntermaßen ein schlechteres Langzeitüberleben aufweisen, wird häufig ein niedriger transvalvulärer Gradient beobachtet. Der transvalvuläre Gradient bleibt aber eine wichtige Messgröße zur Beurteilung der Prothesenfunktion im Langzeitverlauf, um eine Prothesendysfunktion z.B. durch eine Klappenthrombose oder eine Degeneration zu detektieren.

Zur Person

Prof. Tanja Rudolph

Prof. Tanja Rudolph ist als Oberärztin und Leiterin der Interventionellen Kardiologie in der Klinik für Allgemeine und Interventionelle Kardiologie/Angiologie des Herz- und Diabeteszentrums NRW, Universitätsklinik der Ruhr-Universität Bochum, in Bad Oeynhausen tätig. Ihre fachlichen Zusatzqualifikationen (DGK) erwarb sie in den Bereichen der Interventionellen Kardiologie und Herzinsuffizienz.
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Key Facts der Studie

Die Registerstudie untersuchte, wie der mittlere transvalvuläre Gradient bei Entlassung nach TAVI mit der 4-Jahres-Mortalität zusammenhängt.

Ein niedrigerer Gradient war unabhängig mit einer höheren Mortalität assoziiert, der Verlauf unterschied sich nach Klappentyp, und nach Adjustierung für das Schlagvolumen war der Effekt nicht mehr nachweisbar.

Ein niedriger Gradient nach TAVI ist nicht automatisch ein optimales Ergebnis, sondern sollte im Kontext von Fluss, Klappentyp und Patientencharakteristika bewertet werden.

Referenzen

  1. Tessenyi M et al. Geringer mittlerer transvalvulärer Gradient bei Entlassung und 4-Jahres-Mortalität nach TAVI: Ergebnisse des IMPPACT-TAVR-Registers DGK Herztage 2026, Hamburg.
  2. Praz F et al. 2025 ESC/EACTS Guidelines for the management of valvular heart disease. Eur Heart J. 2025;46(44):4635–4736.

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