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Nach COACT & TOMAHAWK auch DISCO negativ

ESC Congress 2026 | DISCO: Die multizentrische Studie aus Dänemark, Schweden und den Niederlanden untersuchte erneut die Outcomes der sofortigen Koronarangiographie (innerhalb von 120 min) gegenüber einer verzögerten Strategie bei reanimierten Personen mit außerklinischem Herzkreislaufstillstand (OHCA) ohne ST-Hebungen im EKG. Prof. Sten Rubertsson (Uppsala, Schweden) stellte die Daten in der Session Hot Line 12 vor.1


PD Dr. Luise Gaede (Klinikum Herrsching, Starnberger Kliniken) berichtet und kommentiert.

Von:

PD Dr. Luise Gaede

Rubrikleiterin Vaskuläre Herzerkrankungen

 

 

31.08.2026

Bildquelle (Bild oben): Sergii Figurnyi / Shutterstock.com

Forschungsstand

Nachdem die COACT-Studie 2019 zunächst bei Patientinnen und Patienten mit OHCA und primär defibrillierbarem Rhythmus ohne ST-Hebungen und die TOMAHAWK-Studie 2021 bei allen Patientinnen und Patienten mit OHCA ohne ST-Streckenhebungen keinen Vorteil einer sofortigen Koronarangiographie gegenüber einer verzögerten bzw. selektiven Strategie zeigen konnten, wurde der Stellenwert einer routinemäßigen sofortigen Koronarangiographie zunehmend infrage gestellt. Die nun vorliegenden Ergebnisse der DISCO-Studie liefern hierzu weitere randomisierte Evidenz.

Methodik

Die DISCO-Studie wurde in 23 Zentren in Schweden, Dänemark und den Niederlanden durchgeführt. Eingeschlossen wurden erwachsene, bewusstlose Patientinnen und Patienten nach einem beobachteten Herzstillstand mit ROSC und ohne ST-Streckenhebungen im EKG – der Rhythmus konnte defibrillierbar oder nicht defibrillierbar sein. Die Patientinnen und Patienten wurden im Verhältnis 1:1 entweder zu einer sofortigen Koronarangiographie innerhalb von 120 Minuten oder zu einer verzögerten Strategie randomisiert, bei der die Koronarangiographie frühestens 72 Stunden nach dem OHCA durchgeführt werden durfte. Ausgenommen waren Patientinnen und Patienten mit akuten hämodynamisch relevanten Herzrhythmusstörungen oder hämodynamischer Instabilität aus anderen Gründen.

 

In der Gruppe, die eine sofortige Koronarangiographie erhielt, wurde ausschließlich die Culprit-Läsion mittels PCI behandelt, weitere Läsionen wurden nicht behandelt. Der primäre Endpunkt war das Überleben nach 30 Tagen. 

Ergebnisse

Insgesamt wurden 1.006 Patientinnen und Patienten eingeschlossen, im Mittel waren diese 67 Jahre und ca. ein Viertel waren Frauen. Nach 30 Tagen zeigte sich kein Vorteil (sofortige Koronarangiographie 53,6 % vs. verzögerte Strategie 54,6 %, HR 0,95 (95%KI [0,74-1,21]; p=0,67). Ebenso unterschied sich das Überleben nach 180 Tagen nicht zwischen den Gruppen und es konnte kein statistisch signifikanter Unterschied in den sekundären neurologischen Endpunkten gezeigt werden (mRS 0–3 @30 Tage: sofort  39,5 % vs. verzögert 43,6 %; p=0,19, CPCP 1–2 @30 Tage 39,1 % vs. 44,2 %; p=0,10).

Fazit und Kommentar

Nach COACT und TOMAHAWK zeigt nun auch die bisher größte Studie ebenfalls keinen Vorteil einer routinemäßigen sofortigen Koronarangiographie bei Patientinnen und Patienten mit OHCA ohne ST-Streckenhebungen im EKG. Eine sofortige Koronarangiographie verbessert weder das Überleben noch das neurologische Outcome gegenüber einer verzögerten bzw. selektiven Strategie. Vielmehr zeigte sich – kongruent zu den Ergebnissen von TOMAHAWK – ein numerischer Trend zugunsten der verzögerten Strategie hinsichtlich des neurologischen Outcomes. 

 

Damit verdichtet sich die Evidenz aus mehreren randomisierten Studien deutlich gegen eine routinemäßige sofortige Koronarangiographie bei hämodynamisch stabilen Patientinnen und Patienten mit OHCA ohne ST-Streckenhebungen. Eine sofortige invasive Strategie sollte daher nicht mehr als Standard angesehen werden, sondern ausgewählten Patientinnen und Patienten mit Hinweisen auf eine akute koronare Ursache, hämodynamischer oder elektrischer Instabilität vorbehalten bleiben.

Zur Person

PD Dr. Luise Gaede

PD Dr. Luise Gaede ist Standortleitung der Kardiologie/Intensivmedizin am Klinikum Herrsching, Starnberger Kliniken. Ihre fachlichen Zusatzqualifikationen (DGK) erwarb sie in den Bereichen der Interventionellen Kardiologie, Herzinsuffizienz sowie Intensiv- & Notfallmedizin.
PD Dr. Luise Gaede

Key Facts der Studie

DISCO untersuchte, ob die sofortige Angiografie (innerhalb von 120 min) gegenüber einer verzögerten Strategie (ggf. nach 3 Tagen) bei reanimierten Personen mit außerklinischem Herzkreislaufstillstand ohne ST-Hebungen im EKG das Überleben verbessert (innerhalb von 30 Tagen). 

Nach 30 Tagen zeigte sich kein Vorteil für sofortige Koronarangiographie vs. verzögerte Strategie. Ebenso unterschied sich das Überleben nach 180 Tagen nicht zwischen den Gruppen und es konnte kein statistisch signifikanter Unterschied in den sekundären neurologischen Endpunkten gezeigt werden.

Anhand der Studienergebnisse verdichtet sich die Evidenz aus mehreren randomisierten Studien deutlich gegen eine routinemäßige sofortige Koronarangiographie bei hämodynamisch stabilen Patienten mit OHCA ohne ST-Streckenhebungen. Eine sofortige invasive Strategie sollte daher nicht mehr als Standard angesehen werden, sondern ausgewählten Patienten mit Hinweisen auf eine akute koronare Ursache, hämodynamischer oder elektrischer Instabilität vorbehalten bleiben.

Referenzen

  1. Rubertsson S. DISCO trial: Acute coronary angiography after resuscitated out-of-hospital cardiac arrest without ST-elevation on the ECG. Hot Line 9, 30.08.2026, München, ESC 2026

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