Eine PCI des Hauptstamms ist aufgrund der komplexen Anatomie besonders anspruchsvoll und sollte daher bildgebungsgestützt erfolgen. Aufgrund des großen Gefäßlumens stellt sich jedoch die Frage, ob IVUS gegenüber OCT Vorteile bietet, da die begrenzte Eindringtiefe und die Notwendigkeit der Blutleere bei der OCT aufgrund des größeren Gefäßdiameter insbesondere im Hauptstamm eine potenzielle Limitation darstellt.
Die ISOLEDS Studie randomisierte 664 Patienten aus 24 Zentren in China mit einer wahren distalen Hauptstamm-Bifurkationsstenose zu entweder OCT oder IVUS geführter PCI. Das mittlere Alter war 63,5 Jahre und 22,1% waren Frauen.
Der primäre kombinierte Endpunkt Zielgefäßversagen (Target Lesion Failure, TLF) bestehend aus kardialem Tod, TL-Myokardinfarkt und erneuter Revaskularisation der TL unterschied sich nach 1 Jahr nicht zwischen beiden Gruppen. Es zeigte sich eine Nicht-Unterlegenheit für das OCT (14,4% vs. 19,6%; adj. HR 0,90, 95%KI [0,59-1,36], pNicht-Unterlegenheit=0,0003).
Die ISOLEDS-Studie liefert damit wichtige Evidenz gegen die Annahme, dass IVUS bei der PCI des Hauptstamms aufgrund seiner höheren Eindringtiefe und der fehlenden Notwendigkeit eines blutleeren Gefäßlumens grundsätzlich überlegen ist. Da die Studie jedoch auf Non-Inferiority ausgelegt war, lässt sich daraus keine Überlegenheit von OCT ableiten. Für den klinischen Alltag bedeutet dies: Auch bei der komplexen Hauptstamm-PCI sollte wie bei jeder komplexen PCI primär überhaupt intravaskuläre Bildgebung dringend zum Einsatz kommen; die Wahl zwischen IVUS und OCT kann dabei abhängig von Anatomie, Verfügbarkeit und Erfahrung des Untersuchers getroffen werden.
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