Als Perimenopause wird die Phase vor der Menopause bezeichnet, die durch unregelmäßige Menstruationszyklen und starke Hormonschwankungen gekennzeichnet ist. Angesichts der Rolle von Östrogen auf kardiometabolische Parameter wie Blutdruck und Blutfettwerte können die Veränderungen während der Perimenopause zu erheblichen Verschlechterungen der Gesundheit führen.
Der „Life's Essential 8“ (LE8)-Score ist ein Bewertungssystem der American Heart Association zur Einschätzung der kardiovaskulären Gesundheit mit folgenden 8 Einzelkomponenten: Ernährung, körperliche Aktivität, Rauchen, Body-Mass-Index (BMI), Nüchternblutzucker, Gesamtcholesterin, Blutdruck und Schlaf. Die Skala des LE8-Scores reicht von 0 bis 100 Punkten, wobei Werte unter 50 als schlecht gelten.2
Die vorliegende Studie verwendete Daten der National Health and Nutrition Examination Survey (NHANES) von 2007 bis 2020, um die kardiovaskuläre Gesundheit von Frauen in der Prä-, Peri- und Postmenopause zu untersuchen.
Die Studienpopulation umfasste 9.248 Frauen im Alter von 18 bis 80 Jahren von 66.148 Personen der NHANES-Kohorte (National Health and Nutrition Examination Survey), wobei folgende Personen ausgeschlossen wurden: Männer, schwangere und stillende Frauen sowie Frauen mit unvollständigen Daten oder mit kardiovaskulären Krankheiten und/oder Hysterektomie in der Vorgeschichte. Die teilnehmenden Frauen wurden in die Kategorien Prämenopause, Perimenopause und Postmenopause klassifiziert anhand ihrer Angaben zur letzten Menstruation:
- Prämenopause (n=5.882; medianes Alter 33,9 Jahre): Regelmäßige Menstruation in den letzten 12 Monaten
- Perimenopause (n=205; medianes Alter 50,5 Jahre): Keine regelmäßige Menstruation in den letzten 12 Monaten, aber letzte Menstruation liegt nicht länger als 1 Jahr zurück
- Postmenopause (n=3.161; medianes Alter 59,7 Jahre): Letzte Menstruation liegt länger als 1 Jahr zurück
Die medianen Baseline-Werte des LE8-Scores nahmen von 73,3 vor der Menopause auf 69,1 während der Perimenopause ab und fielen weiter auf 63,9 in der Postmenopause. Für die Ernährung wurden in allen Gruppen die niedrigsten Werte und für den Schlaf die höchsten Werte erreicht.
In den altersadjustieren Analysen hatten Frauen in der Perimenopause gegenüber der Prämenopause ein fast doppelt so hohes Risiko für einen schlechten LE8-Score (OR 1,92), einen schlechten Lipid-Wert (OR 1,76) sowie einen schlechten Glukose-Wert (OR 1,83). Bei den postmenopausalen Frauen war dagegen das Risiko für einen schlechten LE8-Score nur um 29 % erhöht und bei den Einzelkomponenten war das Risiko für einen schlechten Lipid-Score um 36 % und für Rauchen um 45 % erhöht (ohne statistische Signifikanz).
Überraschenderweise war in der Perimenopause das Risiko für schlechte LE8-Werte höher als in der Postmenopause, insbesondere für ungünstige Lipid- und Glukosewerte. Diese Ergebnisse spiegeln sowohl hormonelle als auch altersbedingte Veränderungen wider und deuten darauf hin, dass die Perimenopause dazu genutzt werden könnte, um das kardiovaskuläre Risiko zu bestimmen und ggf. Präventionsmaßnahmen einzuleiten. Weitere Studien sind notwendig, um die kardiometabolischen Änderungen während der Perimenopause genauer zu untersuchen.
Die Studie adressiert aktuelle medizinische Entwicklungen hinsichtlich einer individuellen und personalisierten Medizin, in der auch geschlechtsspezifische Aspekte eine immer größere Rolle spielen. Die kardioprotektiven Effekte von Östrogen sind bereits hinreichend bekannt3, sodass eine Zunahme von kardiovaskulären Erkrankungen nach der Menopause auf Grund von reduzierten Östrogenspiegeln als unstrittig gilt. Nayak et al. konnten Hinweise darauf geben, dass die Perimenopause, welche weniger mit einem konstant niedrigen, sondern vielmehr mit einem fluktuierenden Östrogenspiegel einhergeht, ebenfalls mit einem erhöhten kardiovaskulären Risiko assoziiert sein könnte. Dies könnte zukünftige präventive Ansätze liefern, in der Perimenopause besonders auf das kardiovaskuläre Risiko zu achten. Erstmalig wurde der LE8-Score zur Identifikation des kardiovaskulären Risikos von perimenopausalen Frauen eingesetzt. Auffällig zeigt sich eine Konstanz prä-, peri- und postmenopausal in der LE8-Komponente „Schlaf“, obwohl in der perimenopause oft über Schlafstörungen berichtet wird. Da in den LE8-Score nur die Schlafquantität eingeht, liegt dies möglicherweise an der führend schlechten Schlafqualität.
Insgesamt zeigt die Studie auch unter dem Gesichtspunkt des immer größeren Fokus auf Prävention interessante Ansätze, die in Folgestudien weiter untersucht werden müssen.
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